Pressestimmen

Guttenbergs Erklärung "Seine Magie ist dahin"

2w8i1341.jpg8936850690803215867.jpg

Düpiert die Presse: (Dr.) Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg.

(Foto: dpa)

Einen Tag hüllt er sich in Schweigen. Dann tritt Guttenberg vor die Presse und gibt eine Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen seiner Doktorarbeit ab. Er habe sie selbst geschrieben, behauptet er. Souverän kommt er dabei jedoch nicht rüber. Ganz im Gegenteil: Er habe seine Chance, Dampf aus dem Kessel zu lassen, verspielt, urteilt die Presse.

"Nein, das war keiner jener souveränen Auftritte, wie man sie von Karl-Theodor zu Guttenberg gewohnt ist", bewertet der Münchner Merkur seinen Gang vor die Presse. "Vor ein paar Medienvertretern vage 'Fehler' in seiner Doktorarbeit einzuräumen, anstatt klipp und klar auf die Tatsache einzugehen, dass jedermann im Internet verdächtige Stellen mit dem jeweiligen Original vergleichen kann, ist juristen-typische Übervorsicht." Doch die passe gar nicht zu dem "sonst so eloquenten Medienstar", wundert sich das Blatt aus Bayern. Dennoch sollte man "die Kirche im Dorf und die Universität Bayreuth in aller Ruhe prüfen lassen". Aber einige Unionspolitiker dürften sich schon jetzt ins Fäustchen lachen: "Angela Merkel ist den Überkanzler in spe fürs erste los, und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer darf die Rolle des Gejagten mit der des mächtigen Schutzengels vertauschen. So schnell ändern sich manchmal die Zeiten."

Auch die Lübecker Nachrichten lassen kein gutes Haar an Gutterbergs Auftritt: "Dass der Bundesverteidigungsminister die Berliner Journalisten düpierte und seine Erklärung feige vor auserwählten Mikrofonen von sich gab, geschenkt." Denn, so das Blatt weiter, können man schon mal leicht unter solchem Feuerbeschuss die Umgangsformen vergessen. "Doch dass der adlige Minister nur mit einer dürren Entschuldigung an die Öffentlichkeit trat und die offenkundige Schummelei in seiner Doktorarbeit als lässliche Sünde abtat, die bei einem überarbeiteten Juristen, gestressten Abgeordneten und geplagten Familienvater schon mal vorkommen könne, macht die unappetitliche Sache nur noch schlimmer. Dem sonst so auf moralische Werte, auf Wahrheit, Aufrichtigkeit, Ehre und Anstand pochenden "KT" zu Guttenberg fehlte gestern vor allem eines: Demut."

Der Nordbayerischer Kurier spricht von einem "halben Befreiungsschlag". Denn nur den Doktortitel ruhen zu lassen, reiche bei Weitem nicht aus. Ob dieser Halbe Befreiungsschlag reiche, "zeigt sich, wenn die Bayreuther Universität das Prüfungsverfahren abgeschlossen haben wird. Sollte die zuständige Kommission auf Plagiat erkennen und die Aberkennung des Titels erklären, wird es richtig eng werden für den Minister." Hätte er heute den Doktortitel heute zurückgegeben, dann wäre der ganze Druck weg.

So urteilt auch die Abendzeitung: "Noch hätte er sich retten und reinen Tisch machen können. Aber dann entschuldigte er sich nur ein bisschen beim Volk und redete sich heraus. So wie all die vor ihm, die ihr Ehrenwort gaben oder brutalstmögliche Aufklärung versprachen. Von denen alle die Nase voll hatten, weil man ihnen nicht vertrauen konnte. Er hatte gehofft, durchzukommen. Doch damit hatte er den Menschen nicht nur die Gedanken geraubt, sondern dem Volk die Illusion. Seine Magie ist dahin."

Als "ungeschickt" zeichnet das Badische Tagblatt Guttenbergs Gebärden: "Statt der großen Runde der Bundespressekonferenz Rede und Antwort zu stehen, äußert sich Karl-Theodor zu Guttenberg vor einigen handverlesenen Journalisten zum Plagiatsverdacht. Diese Erklärung ist indes wenig erhellend und untermauert keineswegs die Beteuerungen des Verteidigungsministers, aktiv an der Klärung der Vorwürfe mitwirken zu wollen." Zum ersten Mal gehe es in einer Affäre, nicht um seine Berufsausübung, sondern um ihn als Person. Dem Blatt aus Baden-Baden fällt auf: "In dieser Drucksituation offenbart der bislang im Umgang mit den Medien so souveräne Guttenberg eklatante Schwächen. Der bisherige Superstar der Politik stutzt sich selbst auf Normalmaß zurück und verliert binnen kürzester Zeit sämtlichen Glanz."

Quelle: n-tv.de, Zusammengestellt von Julia Kreutziger

Mehr zum Thema