Pressestimmen

Schüler und Studenten protestieren "Sie haben uns etwas zu sagen"

Mit bundesweiten Aktionen haben Schüler und Studenten für bessere Bildungsbedingungen protestiert. Endlich setzten sie ein Zeichen, lautet der Tenor. Die Politik dürfe es sich nun nicht zu leicht machen und in Abwehrhaltung gehen, sondern sollte vielmehr die Chance zum Dialog nutzen.

Mit bundesweiten Aktionen haben Schüler und Studenten für bessere Bildungsbedingungen in Deutschland protestiert. Endlich setzten sie ein Zeichen, lautet der Tenor in der Presse. Die Politik dürfe es sich nun nicht zu leicht machen und in Abwehrhaltung gehen, sondern sollte vielmehr die Chance zum Dialog nutzen.

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In rund 70 Städten wurde protestiert.

(Foto: dpa)

"Wir sollten aufhorchen. Sie haben uns etwas zu sagen", fordern die Lübecker Nachrichten und rechtfertigen den Bildungsstreik. "Das Bildungssystem ist nicht die Ursache der schlechten Wirtschaftslage. Aber es verfehlt seinen Zweck, wenn es den Druck, der aus der Wirtschaft kommt, einfach weitergibt." Stattdessen bräuchten Lernende die Freiheit, sich zu entwickeln. Wichtiger als die durchaus auch nützliche Fähigkeit, viel Stoff in möglichst kurzer zu pauken, seien Neugierde, Kreativität und Gemeinsinn. Durch die Pisa-Studie sei Bildung zu einem zentralen politischen Thema geworden – das sei gut, schreibt das Blatt. Noch besser sei jedoch, dass sich nun die äußern, die "von allen Veränderungen als erste betroffen sind" - Schüler und Studenten.

Die Neue Osnabrücker Zeitung stimmt in den Tenor ein: "Endlich ein Zeichen: Allzu lange haben sich Schüler und Studenten still verhalten. Jetzt setzen sie völlig zu Recht ein deutliches Signal, über Banken- und Wirtschaftskrise die Probleme im Bildungssystem nicht zu vergessen." Denn zentrale Fragen seien ungelöst, die "Probleme beginnen bei der frühkindlichen Bildung mit zu wenig Krippenplätzen" und endeten "an überfüllten Unis". Das Blatt fasst zusammen: "Das Bildungssystem braucht mehr Geld. Und zwar nicht nur für die Sanierung von Gebäuden. Darüber hinaus muss auch massiv in Köpfe und das Lernen von Mensch zu Mensch investiert werden." Auch die Klagen über Prüfungsdruck und Verschulung in den neuen Studiengängen sollten ernst genommen werden, rät die Zeitung. "Hier muss zumindest korrigierend eingegriffen werden. Abgeschafft gehören dagegen die Studiengebühren."

"Bachelor und Master statt Diplom und Magister - das hehre Ziel des Bologna-Prozesses, europaweit vergleichbare Abschlüsse zu schaffen, hat sich als Bürokratiemonster erwiesen, das weder die Lehre verbessert hat noch die Bedürfnisse der Arbeitswelt erfüllt", kommentiert die Eßlinger Zeitung. "Befürworter hat die Hochschulreform weder bei Professoren noch bei Studenten, sondern allein in der Politik. Wenn Bundesbildungsministerin Annette Schavan den wütenden Studierenden vorwirft, sie seien von gestern, zeugt das von eigener Vorgestrigkeit und nicht von durchdachter Politik."

"Die Schulen sollen von Anstalten der Wissensvermittlung zu solchen der Lebensertüchtigung werden und bekommen immer neue Betätigungsfelder zugewiesen - von Integration über Alltagstechniken bis hin zu Medienkompetenz. Nebenbei sollen sie durch möglichst breite soziale Mischung gesellschaftliche Probleme lösen, und das am besten ganztags und auf hohem Niveau", stellt die Märkische Allgemeine fest. Jedoch werde dafür weder mehr Geld noch mehr Personal zur Verfügung gestellt. "Und weil Bildung der Schlüssel für unsere Zukunft ist, werden die Bedingungen an den Universitäten immer schlechter, je mehr Studenten sich für diese Zukunft fit machen wollen, denn auch hier gibt es Geld meist nicht dort, wo Andrang herrscht." Das Blatt aus Potsdam zieht sein Fazit: "Bunte Proteste sind das Mindeste, was man tun kann, um die Politik an ihre Reden zu erinnern."

Die Badische Zeitung stellt fest, dass Einigkeit darüber herrscht, dass "sich etwas ändern muss in der Bildung". Was - darüber gingen die Meinungen jedoch auch unter den Protestlern auseinander. Das Blatt konstatiert: "Die Politik macht es sich jedoch zu leicht, wenn sie den gewiss krausen Forderungskatalog einfach ablehnt. Und sie vergibt sich die Chance zum Dialog: Wer so rasch in eine Abwehrhaltung übergeht, verwandelt Bildungspolitik in einen Grabenkrieg. Bei dem können beide nur verlieren - die Bildung ihre politische Unterstützung und die Politik ihre Glaubwürdigkeit. Dabei ist die gerade in Bildungsfragen unentbehrlich."

Die Märkische Oderzeitung hingegen glaubt, dass es trotz der Forderung nach "mehr Geld für Bildung", nicht unbedingt an diesem liegen müsse. "Immerhin haben Bund und Länder in einem Kraftakt gerade vereinbart, 18 Milliarden Euro zusätzlich für Hochschulen und Forschung auszugeben. Wenn aber die Studienreformen schlecht laufen oder Professoren ihre Studenten schlecht betreuen, hat dies mit anderen Dingen zu tun als mit Finanzen."

Zusammengestellt von Nadin Härtwig

Quelle: n-tv.de

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