Pressestimmen

Trennung von Flüchtlingen Vorschlag "weist Weg in Teufels Küche"

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(Foto: picture alliance / dpa)

In jüngster Zeit kommt es immer häufiger zu Streit und Gewalt in deutschen Flüchtlingsunterkünften: zuletzt in Kassel-Calden. Es muss etwas getan werden - darüber sind sich die Verantwortlichen einig. Der Lösungsvorschlag der Polizeigewerkschaft GdP, die Asylsuchenden nach Religionen getrennt unterzubringen, stößt bei den Kommentatoren der deutschen Zeitungen jedoch auf Kritik und Skepsis.

Die Abendzeitung aus München beleuchtet die Umsetzungsmöglichkeiten der Forderung nach einer getrennten Unterbringung von Flüchtlingen: "Eine Turnhalle für Schiiten, eine Kaserne für Sunniten, ein Gasthof für Kurden, eine Turnhalle für Jesiden, eine Jugendherberge für Alawiten, ein Schwimmbad für Tscherkessen, eine Zeltstadt für Kopten, und nicht zu vergessen die Drusen. Die kommen ins Landratsamt. Und das wären dann nur die Syrer. Das Gleiche also bitte nochmal für alle anderen Nationalitäten, von A wie Albanien bis Z wie Zentralafrika. Das klingt ironisch überspitzt, wäre aber die konsequente Folge der Forderung, Flüchtlinge künftig getrennt nach Religionen und Nationalitäten unterzubringen." Der Kommentator ist überzeugt: "Abgesehen davon, dass dies die ohnehin überforderten Kommunen noch stärker belasten würde, wäre eine Reduzierung der Konflikte keineswegs gesichert - über eine Warteschlange zur Essensausgabe können sich schließlich auch zwei Aramäer in die Haare bekommen." Schließlich sei klar: "Wer in Deutschland bleiben will, muss in der Lage sein, mit Angehörigen anderer Ethnien und Religionen friedlich Seite an Seite zu leben".

Der Tagesspiegel aus Berlin schreibt: "Wer genug Platz hat, sollte verfeindete Flüchtlingsgruppen in ihren Unterkünften trennen. In Fußballstadien werden Fangruppen ja auch nicht gemischt. Ansonsten müssen die Verfahren verkürzt und die Sicherheitsdienste aufgestockt werden. Größere Angst als vor den Folgen von Schlägereien haben Flüchtlinge ohnehin vor brennenden Asylbewerberheimen." Da die Polizei überlastet ist, stellt sich nach Ansicht des Kommentators "daher eine unorthodoxe Frage neu: Wie weit darf die Bundeswehr eingesetzt werden? Es geht um den Schutz von Leben. Mit Antworten von gestern wird die Krise nicht bewältigt."

"Eine Getrennt-Unterbringung weist den Weg in Teufels Küche", kommentieren die Stuttgarter Nachrichten. Denn es signalisiere: "Willkommen ist in Deutschland auch, wer Konflikte einschleppt. Wer deutsches Recht und seine Schicksalsgenossen mit Füßen tritt. Diese Klientel hat hier aber nichts zu suchen. Zumal sie in Zukunft so wenig wie heute bereit sein wird, Gastland und Mitmensch zu achten."

Die Forderung, Asylbewerber nach Religionen aufzuteilen und schutzbedürftige Gruppen - Christen, alleinreisende Frauen und Kinder - gesondert unterzubringen, klingt nach Ansicht der Dithmarscher Landeszeitung "plausibel, dürfte aber angesichts der Größenordnung und der zur Verfügung stehenden Plätze kaum praktikabel sein". Stattdessen müsse "sofort jedem Asylbewerber klargemacht werden: Wer außer zur Verteidigung Gewalt ausübt, macht sich strafbar und hat sein Recht auf Asyl verwirkt. Und die Politik muss den Mut haben, diese Linie konsequent durchzuhalten".

Zusammengestellt von Susanne Niedorf

Quelle: ntv.de