Ratgeber
Dienstag, 12. April 2011

Immer noch keinen Rauchmelder?: 25 Euro retten Leben

Jeden Monat kommen etwa 40 Menschen durch Brände ums Leben. In vielen Fällen wäre der Tod vermeidbar gewesen, wenn die Opfer rechtzeitig gewarnt worden wären. Dennoch verzichten viele Haushalte auf Rauchmelder.

Einmal installiert, bieten Rauchmelder mit Langzeit-Batterien zehn Jahre Sicherheit.
Einmal installiert, bieten Rauchmelder mit Langzeit-Batterien zehn Jahre Sicherheit.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Katastrophe beginnt meist leise und unbemerkt. Oft sind es nicht etwa vergessene Kerzen oder angelassene Herdplatten, die zu Bränden führen, sondern technische Defekte. Häufig werden die Hausbewohner im Schlaf überrascht. Das ist besonders tückisch, weil beim Schlafen auch unser Geruchssinn ruht – und auf den ist man bei Bränden angewiesen. Tödlich ist nämlich nur selten das Feuer, sondern  der Rauch: Drei Atemzüge reichen, um das Bewusstsein zu verlieren und zu ersticken.

Jahr für Jahr kommen in Deutschland rund 500 Menschen durch Brände ums Leben, 5000 werden verletzt. Dabei ist die Lösung eigentlich ganz einfach und zudem auch gar nicht teuer: Rauchmelder reagieren auf Brandherde so schnell und unüberhörbar, dass sie sich ihren Ruf als Lebensretter redlich verdient haben. Dennoch sind sie in Deutschland erst in jedem dritten Haushalt vorhanden. Neun Bundesländer haben inzwischen eine Rauchmelderpflicht eingeführt, nach der die Warngeräte zumindest in Schlaf- und Kinderzimmern eingebaut werden müssen.   

Das kleine Kästchen an der Decke gibt lautstark Alarm, wenn starker Rauch die Lichtschranke passiert. Dadurch haben die Bewohner einen wertvollen Zeitvorsprung, um sich in Sicherheit zu bringen. Sekunden, die Leben retten, wenn man sieht, wie schnell sich ein Brand ausbreiten kann. Trotzdem halten sich hierzulande immer noch Vorurteile über die Rauchmelder:

Umständliche Montage

Viele Verbraucher scheuen den Kauf von Rauchmeldern, weil sie das Bohren abschreckt. Doch darauf haben die Hersteller längst reagiert. Von der Firma "Pyrexx" etwa gibt es ein Modell, das einfach mit einer Heißluftpistole unter die Decke geklebt wird. Das Gerät aktiviert sich mit dem Andruck von selbst. "GEV" dagegen bietet eine selbstklebende Magnethalterung an, auf die der Rauchmelder nur noch aufgesteckt werden muss.

Häufiger Fehlalarm

Wenn Rauchmelder nachts grundlos Alarm auslösen, ist die Akzeptanz schnell dahin. Verschmutzungen, Wasserdampf oder Insekten können gerade bei Billiggeräten zu Fehlalarm führen. Das ist dann oft das Ende des Brandschutzes: Die genervten Bewohner nehmen die Batterie heraus und die Brandmelder schweigen für immer.

Schon drei Atemzüge hochgiftigen Brandrauchs können tödlich sein.
Schon drei Atemzüge hochgiftigen Brandrauchs können tödlich sein.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Qualitäts-Rauchmelder arbeiten deshalb mit aufwendig entwickelten Rauchkammern. Bei ihnen dringt wirklich nur der Rauch ins Innere vor, nicht aber Wasserdampf oder kleinere Insekten. Verschmutzen diese Rauchkammern im Laufe der Jahre, regeln einige ihre Empfindlichkeit selber elektronisch nach. Für die zuverlässigen Helfer zahlt man rund 25 Euro. Die Billigkonkurrenz gibt es schon ab 4 Euro.

Alle zehn Jahre sollten Rauchmelder gewechselt werden, da lohnt es sich, in Qualität zu investieren. Billigprodukte veralten sehr schnell und die Ansprechschwelle wird immer länger. Die Zuverlässigkeit lässt also im Laufe der Zeit nach.  Christian Rahbari von Pyrexx weist auch auf die kürzere Haltbarkeit hin: "Meist liegt die Elektronik auf Presspappe. Die quillt mit der Zeit durch die Luftfeuchtigkeit im Raum auf und damit geht die Elektronik kaputt."

Hässliche Rauchmelder

"Decken-Toaster" werden Rauchmelder manchmal leicht abschätzig genannt. Dabei sind die heutigen Modelle ziemlich unauffällig: flach und etwa handtellergroß. Einfach anstreichen lassen sich die Geräte allerdings nicht, weil dabei die Lüftungsschlitze beeinträchtigt werden könnten. Doch auch hier haben die Anbieter reagiert. Sie bieten Rauchmelder in allen Farben an, Pyrexx hat nach einer Anfrage aus Dubai nun auch echte Goldlegierung im Programm. Modelle mit abziehbarem Dekodeckel lassen sich auch mit Tapete versehen oder streichen, so dass der Melder an der Decke kaum noch auffällt.

Unübersichtliche Gesetze

Tatsächlich unterscheiden sich die gesetzlichen Vorschriften zu den Brandmeldern je nach Bundesland. Neun Bundesländer haben in ihre Bauordnungen eine Rauchmelder-Pflicht für Neu- und Umbauten aufgenommen. In Hamburg und Schleswig-Holstein sind die Nachrüst-Fristen Ende letzten Jahres abgelaufen, in Hessen ist noch bis 2014 Zeit. Sind nach dem Ende der Frist keine Melder installiert, tragen Eigentümer die rechtlichen Folgen: Sie müssen haften, wenn es brennt.

Manche Länder setzen auf Freiwilligkeit und die Vernunft der Hausbesitzer, doch wo kein Gesetz ist, dort ist auch die Bereitschaft zum Nachrüsten gering: In Berlin und Sachsen sind gerade mal 22 Prozent der Haushalte mit einem Rauchmelder ausgestattet, in Bayern sind es ein Drittel. Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern, wo die Nachrüstpflicht schon 2009 abgelaufen ist, liegt die Quote bei fast 80 Prozent.

Schlechte Qualität

Rauchmelder sollten auf jeden Fall das CE-Zeichen tragen, das besagt, dass das Produkt überhaupt in Europa verkauft werden darf. Über die Qualität des Geräts sagt das Siegel allerdings nichts aus. Die Initiative "Rauchmelder retten Leben" rät deshalb, auch auf das VdS-Logo zu achten. Die VdS Schadenverhütung GmbH führt als Zertifizierungsstelle für Brandschutz regelmäßige Qualitätskontrollen durch. Darüber hinaus hat der TüV Nord nun ein Qualitätssiegel für Rauchmelder herausgegeben, das Verbrauchern die Kaufentscheidung erleichtern soll. Das Siegel bekommen nur Produkte, die über lange Zeit, also zehn bis zwölf Jahre, zuverlässig funktionieren. 

Manche Hersteller bieten auch von sich aus solche Langfristgarantien. Fest verbaute Langzeitbatterien sollen bis zu zwölf Jahre Brandschutz sichern. Im Zweifel rät Ulrich Adolph vom TüV Nord zu "Made in Germany": "Die deutschen Hersteller sind im Moment immer noch führend, was die Mindeststandards angeht. Ich würde die Finger weglassen von Low-cost-Produkten, die aus Asien kommen, weil da ist es doch teilweise zweifelhaft, ob überhaupt die Mindeststandards eingehalten sind."

Wenn der Rauchmelder dann doch einmal zu Recht auslöst, sind Löschdecke und Feuerlöscher im Haushalt die wichtigsten Ersthelfer. Wenn das nicht hilft, dann sind die Löschprofis – dank der Rauchmelder - hoffentlich früh genug zur Stelle.

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Quelle: n-tv.de