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Kleiner, teurer, schicker. Auch sicherer? Ab Montag kommt der e-Ausweis

Ganz offensichtlich trauen viele Bürger dem Neuen nicht. Die Sorgen sind nicht ganz unberechtigt, meinen Kritiker. Der Ausweis sei sicher, heißt es hingegen aus dem Innenministerium. Probleme könnten höchstens bei seiner Anwendung auftreten.

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Diese Lesegeräte können dann mit jedem PC verbunden werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er ist kleiner als sein Vorgänger und soll den Identitätsnachweis im virtuellen Geschäfts- und Datenverkehr erleichtern: Ab kommenden Montag können Bürger den neuen, scheckkartengroßen elektronischen Personalausweis beantragen. Offenbar stößt der neue "Perso" indes nicht überall auf Vorfreude. In etlichen Melde- und Bezirksämtern bildeten sich Schlangen von Menschen, die noch schnell einen alten Ausweis beantragen wollten.

Doch was ist neu an dem neuen elektronischen Personalausweis? Zunächst einmal schrumpft er auf die Größe einer EC- und Scheckkarte, wird also bequem in jedes Portemonnaie passen. Wichtiger aber ist, dass das neue Dokument im Gegensatz zu seinem Vorläufer einen kleinen Chip trägt, auf dem alle auf dem Ausweis aufgedruckte Daten - also etwa Name, Geburtstag und Anschrift sowie das Lichtbild - zusätzlich digital abgespeichert werden können. Dies geschieht freiwillig. Jeder entscheidet, ob er die Funktion nutzen will. Und da fangen schon die Unsicherheiten an. Die wenigsten Bürger wissen genau, über was sie genau entscheiden sollen. Der Besitzer kann auf dem Chip nämlich freiwillig Fingerabdrücke in digitaler Form hinterlegen. Zudem ist der Ausweis dafür ausgelegt, eine elektronische Signatur zu speichern. Falls der Besitzer dies wünscht, hat er so zugleich eine rechtsgültige digitale Version seiner Unterschrift zur Verfügung. Das ist alles schick, aber auch teuer. Der neue Ausweis kostet 28,80 Euro statt wie bisher acht Euro.

Die neuen Funktionen

An der Grundfunktion des Ausweises ändert sich nichts. Die neuen zusätzlichen digitalen Ausweisfunktionen sollen aber den Online-Datenaustausch zwischen Bürgern, Behörden und Firmen unterstützen. Es müssen nicht mehr in allen Fällen Formulare ausgefüllt werden oder bei verschiedenen Anbietern Identifizierungs- und Anmeldeverfahren mit verschiedenen Kennwörtern und PIN durchlaufen werden.

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Innenminister de Maiziére präsentiert seinen neuen Ausweis in der Bundesdruckerei.

(Foto: picture alliance / dpa)

Computer, die mit einer speziellen Software und Lesegeräten ausgestattet sind, können die persönlichen Daten künftig direkt vom Ausweis-Chip ablesen. Das Ummelden eines Autos bei der Zulassungsstelle oder auch das Anmelden zum Internet-Banking können so beschleunigt werden. Wer sich freiwillig für die digitale Signatur entschieden hat, kann auch online Unterschriften leisten und Verträge unterzeichnen, ohne diese jemals in Papierform gesehen zu haben.

Die alten Ausweise können so lange verwendet werden, bis sie ihre Gültigkeit verlieren. Die neuen Dokumente werden an alle ausgegeben, die ab dem 1. November ohnehin einen Ausweis beantragen. Wer die digitalen Zusatzfunktionen sofort nutzen möchte, kann ausnahmsweise schon vor dem Ablauf der Gültigkeit seines alten Ausweises die neue Version beantragen.

Datenschutz und Sicherheit

Wissenschaftler am Institut für Internet-Sicherheit der Fachhochschule Gelsenkirchen kamen allerdings zu dem Ergebnis, dass die Identifizierung mit dem elektronischen Personalausweis im Vergleich zur herkömmlichen Authentifizierung mit Passwörtern ein höheres Sicherheitsniveau aufweist. Es müsse davon ausgegangen werden, dass viele Computer in Deutschland nicht umfassend genug gegen Schadsoftware gesichert seien. Deshalb könne nur der Einsatz eines höherwertigen Lesegerätes mit eigener Tastatur empfohlen werden. Beim Basislesegerät, das mit der Einführung des Ausweises in großen Mengen verteilt werden soll, kann die PIN für den Zugriff auf die Ausweisdaten von einem Trojaner abgefangen werden, wenn dieser Code über die PC-Tastatur eingetippt wird. Damit liegen wie so oft die teureren Geräte in Sachen Sicherheit deutlich vor den billigen.

Das Bundesinnenministerium hält den neuen Personalausweis indes für sicher. "Probleme könnten lediglich dann entstehen, wenn bei der Benutzung des Ausweises am PC der Computer nicht gesichert ist", sagte Ministeriumssprecher Philipp Spauschus bei n-tv.de. Auch werde das Auslesen der Ausweisdaten nur jenen Behörden und Unternehmen möglich sein, die ein staatliches Zertifizierungsverfahren durchlaufen haben und entsprechend kontrolliert werden. Jeder Bürger erhält zudem eine sechsstellige Geheimzahl (PIN), die er vor jeder Datentransaktion eingeben muss.

Aus juristischer Sicht kam Georg Borges von der Ruhr-Universität Bochum nach einer Prüfung der Haftungsrisiken zum Ergebnis: "Der Ausweisinhaber wird durch dieses System geschützt, er kann die Vorteile genießen." Eine Haftung bestehe für die Verbraucher nur bei einem fahrlässigen Umgang mit dem Ausweisdokument oder seiner PIN.

Schon viele Interessenten

Nach Angaben des Innenministeriums wollen bisher 300 Unternehmen und Behörden die sichere Identifizierung mit dem Personalausweis für Online-Geschäfte oder für Verwaltungsvorgänge im Internet nutzen. Schon im November werde es erste Dienstleistungen im Netz geben, sagte Ministerialrat Andreas Reisen. Darunter seien mehrere Angebote von Versicherungen und Online-Shops. Im nächsten Jahr werde es auch möglich sein, die Steuererklärung 2010 mit dem neuen Personalausweis im Internet abzugeben.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP

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