Ratgeber
Freitag, 05. März 2010

Rendite mit Restrisiko: Alte Lebensversicherungen kaufen

Alexander Klement

Über die Hälfte der Kunden schafft es nicht, eine Kapitallebensversicherung bis zum Ende der Laufzeit durchzubringen. Statt der Rückgabe an den Versicherer kann die Police auch verkauft werden. Inzwischen können Kunden über Internetplattformen diese Altverträge direkt erwerben.

(Foto: Claudia Hautumm, pixelio.de)

Die durchschnittliche Laufzeit einer in Deutschland abgeschlossenen Kapitallebensversicherung beträgt 28 Jahre. Das ist eine sehr lange Zeit. Viele können bei Abschluss der Versicherung noch nicht absehen, wie sich die persönlichen Lebensumstände im Laufe der Zeit verändern werden. Akuter Geldmangel ist oft der Grund, warum die Inhaber ihre Versicherungspolicen wieder loswerden wollen.

Über die Hälfte der Kapitallebensversicherungsverträge in Deutschland werden vorzeitig versilbert. In der Regel stehen sich die Inhaber allerdings mit einer vorzeitigen Rückgabe bei der Versicherung schlecht – insbesondere, wenn der Vertrag unter zehn Jahren Laufzeit auf dem Buckel hat, fällt der vom Versicherer aufgerufene Rückkaufswert teilweise erschreckend niedrig aus.

Zweitmarkt für Altpolicen

Neben der Rückgabe hat sich ein Zweitmarkt für Lebensversicherungsverträge entwickelt. Der Vorteil für den Versicherungskunden: Er erhält in der Regel für seine Versicherung, die er loswerden möchte, mehr als den festgesetzten Rückkaufswert.

Bislang sind die Verträge von den Aufkäufern gebündelt worden und in einem geschlossenen Fonds gelandet. Doch die Geschäfte sind ins Stocken geraten. Laut Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL), in dem rund 40 Aufkäufer organisiert sind, lag das Ankaufsvolumen im vergangenen Jahr nur bei rund 100 Millionen Euro. 2008 waren es noch 500 Millionen Euro und 2007 sogar über eine Milliarde Euro.

Gezielte Suche auf Internetplattformen

Um den Zweitmarkt wieder anzukurbeln, haben zwei Aufkäufer Internetplattformen ins Leben gerufen, wo Kunden direkt einen alten Vertrag übernehmen können. Hinter der einen Internetplattform steht der Policenkäufer Policendirekt, die andere Plattform wird von der Börse Hamburg-Hannover betrieben und von CFI Fairpay bestückt.

Die Suchmaske bei Policendirekt bietet die Möglichkeit, einen Investitionsbetrag einzugeben und eine Laufzeit auszuwählen. Wählt man beispielsweise 30.000 Euro aus und eine Laufzeit von fünf Jahren, werden acht verschiedene Lebensversicherungen angezeigt, die den Vorgaben in etwa entsprechen und zum Verkauf stehen. In der Liste der Versicherer tauchen ausschließlich bekannte Namen wie R+V, Generali, Debeka, Allianz, Stuttgarter und Signal Iduna auf. Da die Verträge schon alle ein paare Jahre auf dem Buckel haben, sind noch höhere Garantiezinsen enthalten, als die bei Neuverträgen vorgeschriebenen 2,25 Prozent.

Unterschiedliche Renditeberechnungen

Die Verträge werfen laut Policendirekt eine Rendite zwischen 3,8 und 4,9 Prozent ab. Mit einer festverzinslichen Anlage und einer Laufzeit von fünf Jahren ist diese momentan kaum erreichbar. Zum Beispiel bringt ein fünfjähriger Sparbrief der Debeka zurzeit 3,7 Prozent pro Jahr. Mehr ist bei einer Bank oder Versicherung, die einem deutschen Einlagensicherungssystem angeschlossen sind, im Moment nicht drin. Allerdings bleibt beim Ankauf einer Kapitallebensversicherung ein gewisses Restrisiko. Die Rendite ist nicht garantiert, was beim Sparbrief der Fall ist. Was bei der Renditeerwartung noch ins Auge fällt ist, dass Policendirekt bei der Renditeprognose höher liegt als der Versicherer selbst.

Außerdem muss einkalkuliert werden, dass über den einmaligen Ankaufspreis auch noch laufende Beträge aus der Versicherung bezahlt werden müssen. Diese sind in der Regel jährlich zu zahlen und sind – je nach Vertrag – recht hoch, werden aber bei der Renditeberechnung berücksichtigt.

 

Fazit: Anleger, die eine gebrauchte Kapitallebensversicherungspolice übernehmen, sollten sich bewusst sein, dass es sich bei den Renditeangaben nicht um eine garantierte Rendite handelt. Wer diesen Unsicherheitsfaktor mit einkalkuliert, kann darauf hoffen, dass er unterm Strich eine höhere Rendite mit der Police erzielt, als mit einem von der Laufzeit vergleichbaren Festzinsangebot einer einem deutschen Einlagensicherungssystem angehörenden Bank oder Versicherung. Wem hingegen der Unsicherheitsfaktor nicht geheuer ist, lässt lieber die Finger von einer gebrauchten Versicherungspolice.

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Quelle: n-tv.de