Ratgeber

Stress am Arbeitsplatz Ältere bleiben öfter cool

Ältere Arbeitnehmer können nach Expertenaussage in bestimmten Jobs besser mit Stress umgehen als ihre jüngeren Kollegen. In manchen Callcentern etwa sei die eigentliche Belastung für die Mitarbeiter, "dass sie von morgens bis abends beschimpft werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG), Joachim Breuer.

"Ältere können damit wesentlich ruhiger und gelassener umgehen als Jüngere", sagte er am Rande der 47. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) in Mainz.

Laut DGAUM-Präsident Stephan Letzel wird in den kommenden Jahrzehnten nicht nur kontinuierlich das Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung, sondern auch der Beschäftigten steigen. Zusammen mit längeren Lebensarbeitszeiten und zunehmend komplexen und beschleunigten Arbeitsprozessen führe dies zu neuen Herausforderungen. Der Leiter des Gesundheitswesens beim Autokonzern Audi, Joachim Stork, nannte als Beispiel für Arbeitsplatzhilfen für Ältere "innovative Handlinggeräte", mit denen beim Autobau etwa Bücken und "Zwangshaltungen" vermieden werden könnten.

Der Leiter des Aachener Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin, Thomas Kraus, wies auf die Bedeutung der Vorbeugung hin. Unternehmen sollten bereits die Arbeitsplätze der Jüngeren so gestalten, "dass sie gesund lange arbeiten können". Wichtig sei auch die Früherkennung von Krankheiten bei arbeitsmedizinischen Untersuchungen.

Deren gesamtgesellschaftliche Bedeutung betonte DGAUM-Präsident Letzel: Mit ihren bundesweit rund fünf Millionen Vorsorgeuntersuchungen pro Jahr erreichten die Arbeitsmediziner auch viele Leute, "die sonst nicht zum Arzt gehen". Der Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter, wies aber auch auf die hohe Zahl von Betrieben ohne Arbeitsmediziner hin: Etwa 30 Prozent der Beschäftigten in Deutschland könnten einen solchen Service nicht in Anspruch nehmen.

Panter forderte Unternehmen und Tarifpartner auf, älteren Beschäftigten geeignete Zeitmodelle zu bieten. Dabei denke er etwa an ausreichende Pausen, die Vermeidung von zu vielen Nachtschichten oder auch an Lebensarbeitszeitkonten. Bei der viertägigen internationalen DGAUM-Fachtagung in Mainz diskutieren rund 800 Arbeits- und Umweltmediziner, Betriebs- und Werksärzte seit Mittwoch über Grundlagen und Konzepte altersgerechten Arbeitens.

Quelle: ntv.de