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Sinnvoll oder sinnlos? Ambulante Zusatzversicherungen

Zahnersatz mit Keramikverblendung, Kontaktlinsen oder Heilpraktikerbehandlung - zum Katalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören solche Leistungen nicht. Kassenpatienten können sie zukaufen oder über private Zusatzversicherungen abdecken.

Der Markt boomt: Im Jahr 2007 wurden 7,5 Prozent mehr Verträge als im Vorjahr abgeschlossen. Insgesamt gab es 2007 nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) rund 1,4 Millionen neue Vertragsabschlüsse. Ein Segment sind dabei ambulante Extras. Nur: Viele Versicherungen sind verzichtbar - und die richtige zu finden, ist schwer.

Zähne liegen vorn

"Den Löwenanteil unter den privaten Krankenzusatzversicherungen machen weiterhin die Zahntarife aus", sagt PKV-Experte Jens Wegner. Zahn-Zusatzversicherungen übernehmen einen vertraglich fixierten Prozentsatz der Zahnersatzkosten, allerdings in der Regel nicht alle. So trägt die eine Versicherung x Prozent der Gesamtrechnung, die andere trägt y Prozent der Zuzahlung. Entscheidend ist also: Welche Prozentzahl bezieht sich auf welchen Teil der Rechnung? "Für den Kunden sind Tarife, die einen genau bezifferten, möglichst hohen Anteil an der Gesamtrechnung übernehmen, am günstigsten", rät Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg.

Für Brillen und Kontaktlinsen zahlt die gesetzliche Kasse bei erwachsenen Patienten nichts mehr. Nur schwer Sehbehinderte erhalten einen Zuschuss zu Brillengläsern. Zusatzversicherungen übernehmen zwischen 80 und 100 Prozent der Kosten für die Sehhilfen, allerdings nur bis zu einem Höchstbetrag. "Selbst günstige Beiträge sind auf Dauer oft höher als die maximal mögliche Leistung", sagt Elke Weidenbach, Referentin für private Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Schwer zu vergleichen

Ambulanten Zusatzversicherungen sind extrem schwer vergleichbar: Sie werden für einzelne Versorgungsbereiche, aber auch in allen möglichen Kombinations-Paketen angeboten und können zahlreiche Extras enthalten - wie Zuschüsse zu nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln oder die Übernahme der Praxisgebühr. "Solche Häppchen machen die Sache teuer und unübersichtlich. Notwendig sind sie alle nicht", sagt Weidenbach. "Deshalb sollten immer erst die wesentlichen Elemente unter die Lupe genommen und gezielt ausgesucht werden." Wenn dann in einem günstigen Tarif Extras enthalten sind, umso besser.

Die Beiträge richten sich neben den Leistungen unter anderem nach Alter und Gesundheitszustand. Und: Die Versicherungen sind an Wartezeiten gebunden. "Im Zahnbereich muss ich acht Monate nach Eintritt in die Versicherung warten, bis ich Leistungen in Anspruch nehmen kann. In anderen Versorgungsbereichen sind es drei Monate", sagt Wegner.

Krankkassen kooperieren

Viele Kassen arbeiten mittlerweile mit privaten Unternehmen zusammen, wobei jedoch der private Anbieter der Vertragspartner des Patienten ist. "Der Preisvorteil der Sonderkonditionen ist gering. Häufig gibt es deutlich günstigere Versicherer als die jeweiligen Kooperationspartner der Kasse", erläutert Weidenbach.

Einige Anbieter reduzieren aber im Rahmen der Kooperation die Wartezeit vor der erstmaligen Inanspruchnahme. Andere vereinfachen die Gesundheitsprüfung. "Wenn dieser Anbieter für mich ohnehin infrage kommt, sind das Bonbons, die ich mitnehmen kann", sagt Versicherungsexperte Rudnik. "Allerdings muss ich dabei im Blick haben: Wie verändern sich die Konditionen, falls ich mal die Kasse wechseln sollte?"

Quelle: n-tv.de

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