Ratgeber
Donnerstag, 06. Dezember 2007

Rechtsberatung: Anwaltsmonopol bröckelt

Wenn man Rat in Rechtsdingen sucht, geht man zum Rechtsanwalt. Das ist zumindest bislang so, denn die Juristen haben ein Monopol auf rechtlichen Rat. Doch jetzt kommt Bewegung in den Markt. Ab dem kommenden Jahr darf jeder, der in seinem Beruf ausreichend fachlich qualifiziert ist, juristischen Rat erteilen. Das beschloss der Bundestag beschloss vor wenigen Tagen.

Im Sommer soll die Neuerung umgesetzt werden. "Dann", so Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen, "erwarten wir, dass sich eine Vielzahl neuer Rechtsberatungsangebote entwickeln wird." Bei den Kunden könnten die neuen Angebote dann erst einmal für Verwirrung sorgen.

Nichtjuristen dürfen weiterhin nur Nebenleistungen erbringen. Komplizierte Sachverhalte bleiben die Domäne der Anwälte. Doch auch manche Unsinnigkeit entfällt in Zukunft. So verstößt ein Jurist, der nicht Anwalt ist, bislang gegen das Rechtsberatungsgesetz, wenn er im Familienkreis Rechtsberatung erteilt. Eine absurde Situation, die bald der Vergangenheit angehört. "In diesem Bereich gibt es keine Regulierung mehr, da schafft das neue Gesetz Klarheit", sagt Niko Härting vom Deutschen Anwalt Verein.

Beratung in der Autowerkstatt

Unterstützung in Rechtsdingen wird man in Zukunft auch dort finden, wo man sie gar nicht vermutet. Zum Beispiel in Autowerkstätten. Bislang darf eine Autowerkstatt einen Unfallschaden nur reparieren. Bald darf sie auch Ansprüche, etwa auf einen Mietwagen, geltend machen. "Die Unfallwerkstatt darf aber keine umfassende Beratung, etwa über Schmerzensgeldansprüche, durchführen. Diese echten Rechtsdienstleistungen bleiben den Anwälten vorbehalten", so Härting.

Wie qualifiziert Autowerkstätten in Rechtsdingen wirklich sind, kann der Kunde aber nicht einschätzen. Wolfgang Schuldzinski warnt vor möglichen Interessenskonflikten: "Wenn die Autowerkstatt regelmäßig mit der Versicherung zu tun hat, wird sie es sich nicht mit ihr verderben wollen. Schließlich will sie auch in Zukunft Aufträge über die Versicherung erhalten."

Anwalt lässt abrechnen

Und noch eine Neuerung hält das neue Rechtsdienstleistungsgesetz bereit. Bereits ab 1. Januar kommenden Jahres werden viele Mandanten ihre Rechnung nicht mehr vom Anwalt, sondern von einer Anwaltlichen Verrechnungsstelle bekommen. Bei Ärzten ist dies schon lange üblich. Der Grund ist die schlechte Zahlungsmoral vieler Mandanten. Ärger machen die Direktzahler, die ihre Anwaltsrechnung nicht über die Rechtsschutzversicherung abwickeln. "Hier liegen die Zahlungsausfälle zwischen zehn und zwölf Prozent", weiß Sven Ries von der Deutschen Anwaltlichen Verrechnungsstelle. Diese hält Anwälten den Abrechnungsärger vom Hals und kassiert dafür im Gegenzug etwa sechs Prozent des Rechnungsbetrages. Der Mandant muss diesem Zahlverfahren vorab zustimmen, obwohl es für ihn keine Auswirkungen hat. "Die Leistung der Verrechnungsstelle bezahlt ausschließlich der Anwalt", betont Ries. Die Rechnung erhöht sich also nicht.

Das neue Rechtsdienstleistungsgesetz modernisiert vieles, aber es ändert nicht Grundsätzliches. So braucht jedermann auch weiterhin spätestens dann einen Rechtsanwalt, wenn er zu Gericht gehen muss.

Quelle: n-tv.de