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Entgegen der Fahrtrichtung Auf der falschen Seite radeln? Mitschuld!

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Fahrradfahrer in der Innenstadt müssen ihre Fahrweise auf ein erhöhtes Fußgängeraufkommen einrichten.

(Foto: imago/Stefan Zeitz)

Bei Streitigkeiten oder, noch schlimmer, Unfällen wird oft die mangelnde Rücksichtnahme dem anderen Verkehrsteilnehmer zum Vorwurf gemacht. Doch eigentlich regeln Ge- und Verbote das Miteinander im Verkehr. Und die gelten auch auf dem Radweg.

Befährt ein Radfahrer den Fahrradweg auf der falschen Seite, handelt er verbotswidrig. Denn er verstößt damit gegen das Rechtsfahrgebot - und dieses Fehlverhalten löst eine gesteigerte Sorgfaltspflicht aus. Kommt es hierbei zu einem Unfall - den der Radler ansonsten nicht zu verantworten hat, kann er dennoch eine Mitschuld erhalten.

So verhielt es sich auch in einem vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm (Az.: 9 U 173/16) verhandelten Fall. Hier kam es zu einem Unfall, als ein Auto rechts abbiegen wollte und dabei eine herannahende Radfahrerin übersah. Diese erlitt bei dem Unfall schwerste Kopf- Verletzungen. Allerdings befuhr sie bei dem Vorfall einen linksseitigen Geh- und Radweg, welcher nur noch für Radfahrer aus der entgegengesetzten Fahrtrichtung freigegeben war.

Dennoch verlangte sie von dem Fahrer und seinem Haftpflichtversicherer Schadensersatz, unter anderem ein Schmerzensgeld in Höhe von 40.000 Euro, eine monatliche Schmerzensgeldrente von 300 Euro, materiellen Schadensersatz von ca. 16.000 Euro sowie einen vierteljährlich mit 252 Euro auszugleichenden Haushaltsführungsschaden.

Die Beklagten sahen hingegen eine Mitschuld der Verunglückten und weigerten sich, den Forderungen nachzukommen. So war die Meinung des OLG gefragt, welches im Sinne des Autofahrers urteilte und der Radlerin eine Mitschuld von einem Drittel gab. Und dies, obwohl das Gericht unstrittig feststellte, dass der Autofahrer in erheblichem Umfang den Unfall verschuldet hatte. Da sich aber die Geschädigte verbotswidrig auf dem Radweg befand, den sie richtigerweise nur noch, ihr Fahrrad schiebend, als Fußgängerin hätte benutzen dürfen, hat auch sie die Kollision mitzuverantworten. 

Anders beurteilte das Gericht die Tatsache, dass die Radlerin keinen Schutzhelm getragen hatte, welcher unter Umständen ihre schweren Verletzungen verhindert oder zumindest gemindert hätte. Denn nach gültiger BGH-Rechtsprechung erhöht dies im Falle eines Unfalls nicht die Mitschuld. 

Quelle: n-tv.de, awi

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