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Raus aus dem Vertrag Auswege aus dem Fitnessstudio

Über sieben Millionen Menschen sind in Deutschland in einem Fitnessclub angemeldet. Unbekannt ist, wie viele von ihnen auch regelmäßig trainieren. Wer sein Dasein als Karteileiche beenden möchte, hat nicht viele Möglichkeiten, denn nur wenige Fälle rechtfertigen eine vorzeitige Kündigung. Bei besonders langfristigen Verträgen gibt es aber Hoffnung.

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Rund vier Milliarden Euro haben Fitnessclubs 2010 umgesetzt, Tendenz steigend.

(Foto: picture alliance / dpa)

Überfüllte Kurse, belagerte Geräte, Anstehen an den Laufbändern – in vielen Fitnessstudios ist es derzeit ganz besonders eng. Das liegt auch an den "January Joiners", jenen Neumitgliedern, die Anfang Januar die Fitnesstempel stürmen, um ihre guten Vorsätze zeitnah in die Tat umzusetzen. Der Motivationsschub zum Jahresanfang hält allerdings selten lange an. Wenn Arbeit, Familie oder der innere Schweinehund vom Training abhalten, erinnert nur noch die monatliche Abbuchung auf dem Kontoauszug an die Mitgliedschaft im Fitnessstudio.

Besonders ärgerlich ist das, wenn der Vertrag lange läuft. Zwölf Monate sind Standard, kürzere Laufzeiten sind – wenn überhaupt - Verhandlungssache, die wenigsten Studios bieten sie von sich aus an. Länger binden kann man sich aber durchaus und oft sind Verträge mit Laufzeiten über anderthalb oder zwei Jahre auch ein paar Euro günstiger. Wer liquide genug ist, die kompletten Gebühren auf einen Schlag zu überweisen, wird nochmal mit ordentlich Rabatt belohnt. Dafür nimmt man allerdings ein nicht unerhebliches Risiko in Kauf: Geht der Betrieb pleite, ist das Geld weg.

Wann gilt Sonderkündigungsrecht?

Ist der Vertrag erstmal unterschrieben, kommt man nicht so einfach wieder raus. Auch nicht innerhalb der ersten zwei Wochen. Eine Widerrufsfrist wie bei Haustürgeschäften oder Fernabsatzvertägen gibt es nicht, schließlich wird der Vertrag meist vor Ort unterzeichnet.

Wer vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit aus dem Vertrag aussteigen will, braucht gute Gründe. Dazu zählen beispielsweise langwierige Krankheiten, aber auch Schwangerschaften. Wer ein entsprechendes ärztliches Attest vorlegt, kann kündigen. Ist allerdings ein Ende der Erkrankung abzusehen, kann der Vertrag auch einfach beitragsfrei gestellt werden. Dann werden die versäumten Monate am Ende der Laufzeit angehängt. Auch bei Schwangerschaften kann das so gehandhabt werden.

Daneben gibt es einen weiteren Kündigungsgrund, den Fitnessstudios akzeptieren: ein Umzug. Wer nur innerhalb der Stadt die Wohnung wechselt, hat allerdings schlechte Karten: Alles, was nicht weiter als 20 Kilometer entfernt ist, gilt normalerweise noch als akzeptabel. Wenn das Studio durch den Umzug nur noch mit großem Aufwand erreicht werden kann, ist eine Kündigung aber möglich, wie das Oberlandesgericht Frankfurt schon 1994 entschied (Az: 6 U 164/93). Darüber, was noch zumutbar ist, könnten die Meinungen aber auseinandergehen. Wer damit rechnet, dass er innerhalb der Vertragslaufzeit umziehen wird, sollte die Kündigungsbedingungen am besten von vornherein festlegen.

Kein Tag länger als zwei Jahre

Die reguläre Kündigung muss in der Regel mindestens einen Monat vor Laufzeitende vorliegen. Kündigungsfristen von mehr als drei Monaten sind aber unzulässig. Ohne Kündigung darf sich der Vertrag um höchstens ein Jahr verlängern – wenn er denn vorher auch schon so lange lief. Die Verlängerung darf nicht weiter gehen als die Grundlaufzeit. Die wiederum darf Kunden nicht länger als 24 Monate binden, das regelt § 309 des BGB.

Doch auch wer einen regulären Zwei-Jahres-Vertrag hat, kommt unter Umständen eher heraus, wenn er will. Den Grund liefert ein Urteil des Amtsgerichts Gießen (Az. 45 C 607/09). Geklagt hatte eine Frau, die im Februar einen Vertrag über 24 Monate unterschrieben hatte, Trainingsbeginn sollte aber erst im Juni sein. Das Gericht sah darin einen Verstoß gegen das BGB, schließlich binde der Vertrag die Kundin länger als zwei Jahre. Entscheidend sei nämlich nicht, wann das Training starte, sondern wann der Vertrag unterzeichnet wurde. Die Folge: Die 24-Monats-Laufzeit ist nichtig und die Kundin darf jederzeit mit zweiwöchiger Frist kündigen. "Für die Kunden von Fitnessstudios bedeutet das, dass noch einmal die Verträge genau durchgeschaut werden müssen, um gegebenenfalls vorzeitig durch ordentliche Kündigung aus dem Vertrag heraus zu kommen", schreibt der Rechtsanwalt Thorsten Ruppel. Wenn der Vertrag auch nur einen Tag vor Beginn der offiziellen Laufzeit abgeschlossen wurde, ist die 24-Monats-Bindung ungültig.

Einige Fitnessstudios haben auf das Urteil inzwischen reagiert und bieten Mitgliedschaften über 22 Monate an. Wer hier unterschreibt, sollte aber sicher sein, dass er den inneren Schweinehund langfristig im Griff hat.

Quelle: n-tv.de

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