Ratgeber
Donnerstag, 30. Januar 2014

Konditionen von Stromdiscountern : Billig ist oft unfair

Wenn ein Gebrauchtwagen ungewöhnlich billig zum Verkauf steht, ist wahrscheinlich etwas faul. Wenn ein Stromtarif zum Dumpingpreis angeboten wird, dann auch. Die Stiftung Warentest hat sich die Konditionen der Billigheimer angesehen und findet sie bedenklich.

Der billigste Tarif kann teuer werden, wenn die Bedingungen unfair sind.
Der billigste Tarif kann teuer werden, wenn die Bedingungen unfair sind.(Foto: picture alliance / dpa)

2011 meldete Teldafax Insolvenz an, 750.000 ehemalige Kunden werden am Ende des Verfahrens allenfalls einen Bruchteil ihrer geleisteten Vorauszahlungen und Kautionen wiedersehen. Zwei Jahre später ging der nächste Billig-Versorger pleite: Rund 500.000 Flexstrom-Gläubiger können ihr Geld wahrscheinlich abschreiben. Stromanbieter, die mit Dumping-Preisen um neue Kunden werben, gibt es immer noch, man findet sie in den Preisvergleichen oft ganz oben, weil sie hohe Neukundenboni versprechen. Wer Reinfälle vermeiden will, lässt von ihnen besser die Finger, rät die Stiftung Warentest. Schnäppchentarife seien fast immer an unfaire Bedingungen geknüpft.

Im letzten Oktober und im Januar haben die Tester in den drei großen Vergleichsportalen Check24, Verivox und Toptarif für verschiedene Städte und Verbrauchsmengen nach den günstigsten Anbietern gefahndet. Die Suchfilter haben sie dabei variiert. Das Ergebnis fiel unterschiedlich aus, doch auffallend oft landeten vier Anbieter auf den vorderen Plätzen: die 365 AG – die bis vor Kurzem noch Almado hieß -, Extraenergie, Stromio und EVD Energieversorgung Deutschland. Zu diesen Firmen gehören auch die Marken Meisterstrom, Immergrün, Almado-Energy, HitEnergie, Prioenergie und Grünwelt.  

Nachteilige Konditionen

Die vier Anbieter haben sich die Warentester dann genauer angesehen und die Vertragsbedingungen aller Stromtarife, die sich auf ihren Seiten fanden, durchleuchtet. Gerade mal zwei von 48 Tarifen gingen nach den Test-Kriterien als fair durch. Alle anderen enthielten Konditionen zum Nachteil der Kunden:

- Paktepreise: Der Kunde kauft dabei eine feste Energiemenge. Verbraucht er weniger, gibt es kein Geld zurück. Verbraucht er mehr, wird Aufschlag fällig. In den Voreinstellungen der Preisvergleiche sind Pakettarife meistens deaktiviert.

- Lange Anschlusslaufzeiten: Für Stromverträge können Laufzeiten von bis zu 24 Monaten vereinbart werden, die meisten Anbieter begnügen sich mit zwölf Monaten, manche auch mit weniger. Wer die Kündigung verpasst, ist unter Umständen für weitere zwölf Monate verbunden.

- Kurzlaufende Preisgarantien: Einen günstigen Preis klopft man am besten so lange wie möglich fest. Preisfixierungen von weniger als zwölf Monaten hält die Stiftung Warentest für unbrauchbar. Steigende Steuern oder Umlagen sind von Preisgarantien meistens ausgenommen.

- Boni mit Einschränkungen: Viele Tarife landen im Preisvergleich deshalb so weit vorne, weil sie großzügige Boni über 25 Prozent versprechen. Meistens sollen sie nach dem ersten Jahr verrechnet werden, doch nur unter bestimmten Bedingungen. Oft finden Anbieter Mittel und Wege, die Auszahlung zu verweigern.

Flexstrom etwa führte mehrere Prozesse wegen einer fragwürdigen Bonusklausel, nach der Kunden nur dann den Zuschlag bekamen, wenn sie nicht am Ende der Laufzeit kündigten. Von Almado – der jetzigen 365 AG – ist bekannt, dass die Firma Kunden sofort gekündigt hat, wenn diese zum Ende des Lieferjahres aus dem Vertrag aussteigen wollten. So versuchte Almado, die nach zwölf Monaten fällige Bonuszahlung zu umgehen.

Im ersten Jahr nicht kostendeckend

Wenn Versorger zu solchen Tricks greifen müssen, ist das kein gutes Zeichen. Die Anbieter kalkulieren dann womöglich im ersten Jahr nicht kostendeckend. Der größte Teil des Strompreises setzt sich aus Steuern, Abgaben und Netzgebühren zusammen, wer da dann einen hohen Neukundenbonus garantiert, rutscht schnell in die Verlustzone. Der Vertrag rechnet sich dann erst, wenn ein Kunde langfristig dabeibleibt und die folgenden – oft drastischen - Preiserhöhungen mitmacht. Das wiederum klappt am ehesten, wenn die Preiserhöhung im Verborgenen abläuft. Nach Erfahrung der Verbraucherzentralen ist es bei mehreren Anbietern Usus, Preissteigerungen zu verschleiern, etwa die Ankündigung in seitenlangen Anschreiben zu verstecken.

Häufig sind auch Beschwerden über ausbleibende oder fehlerhafte Schlussrechnungen. In einschlägigen Foren  wie Reclabox empören sich enttäuschte Kunden über schlecht erreichbare Callcenter und die Verschleppungstaktiken ihrer Versorger. Bleibt allerdings mal eine Überweisung von Seiten des Kunden aus, sind die betreffenden Anbieter auf Zack. "Es gehört offenbar zur Geschäftspolitik vieler Stromdiscounter, möglichst schnell Inkassoverfahren einzuleiten, was für die Kunden zusätzliche Kosten verursacht", zitiert die Stiftung Warentest den Rechtsanwalt Uwe Martens. Nicht selten gehörten die Inkassofirmen auch den gleichen Inhabern wie die Stromdiscounter.

Wer in die Billig-Falle getappt ist und nun Ärger hat, ist mit einer Rechtsschutzversicherung gut beraten. Wehren sich Verbraucher juristisch, haben sie laut Stiftung Warentest gute Chancen auf Erfolg. Ansonsten können sich geprellte Kunden auch an die Schlichtungsstelle Energie wenden, die sich seit 2011 um die Beschwerden von Stromkunden kümmert. Die Kosten der Schlichtung müssen die Stromversorger tragen – doch auch hier machen manche Ärger. So läuft derzeit ein Verfahren gegen die 365 AG, die auch bei der Schlichtungsstelle noch einige Rechnungen offen hat.  

Fair geht auch: Stromanbieter vergleichen

Quelle: n-tv.de

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