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Fragen und Antworten zur Leitzinssenkung Billiges Geld - Was ändert sich für Sparer?

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(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt den Leitzins auf einen historischen Tiefstand. Für die Banken wird das Geld in Europa dadurch immer billiger. Aber was bedeutet die Zinssenkung für den Verbraucher?

Seit heute können sich Geldinstitute bei der Notenbank Geld zu einem historisch niedrigen Zinssatz leihen. Künftig müssen sie dafür nur noch 0,5 Prozent zahlen statt bisher 0,75 Prozent. Dadurch sinken auch die Kosten der Banken für die Refinanzierung, doch Bankkunden profitieren laut Finanzexperten nicht davon.

Wem nutzen niedrige Zinsen?

Ganz sicher nicht dem Verbraucher. Im Laufe der nächsten Wochen und Monate werden die Anlagezinsen, Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld weiter unter Druck geraten, prognostiziert Max Herbst von der FMH Finanzberatung: "Die Banken sind jetzt noch weniger auf das Geld der Kunden angewiesen, da sie sich das Geld bei der EZB noch billiger leihen können. Warum sollen Banken ihren Kunden 1 Prozent Anlagezinsen zahlen, wenn sie es für ein halbes Prozent von der EZB leihen können?".

Niedrige Zinsen könnten die Wirtschaft ankurbeln, indem sie zu mehr Ausgaben für Häuser oder Autos führen. Dazu müsste das billige Geld jedoch in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen ankommen.

Werden Kredite jetzt auch für den Verbraucher billiger?

Die Banken haben zwei Möglichkeiten: Sie können entweder die günstigeren Zinsen an ihre Kunden weitergeben und die Kreditkonditionen verbessern. Oder sie vergeben Kredite zu den gleichen Zinsen wie bisher und streichen die Differenz für sich ein, erhöhen also ihre Marge. Im Zweifel entscheiden sie sich für einen Mittelweg.

Niedrigere Zinsen werden von den Finanzinstituten meist erst später und auch nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben. Im Ratenkreditbereich wird sich wegen der Leitzinssenkung nicht sehr viel bewegen, glaubt Herbst. Es werde lediglich minimale Senkungen im Kreditbereich geben, wie in den vergangenen Jahren auch schon. Allerdings geschehe das durch den Markt selbst, etwa durch einzelne Aktionen wie zum Beispiel verbilligte Autokredite oder Frühjahrsaktionen.

Ein Sonderfall sind Hypothekenkredite. Sie orientieren sich hierzulande meist weniger am Leitzins als vielmehr an den langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt.

Bekomme ich bald weniger Zinsen auf dem Sparbuch?

Davon muss man ausgehen. Mit niedrigen Notenbankzinsen sind auch extrem niedrige Zinsen zum Beispiel für Sparkonten verbunden. Zwar untersagte der Bundesgerichtshof (BGH) den Instituten Willkür bei der Zinsgestaltung. Dennoch machen Verbraucherschützer die Erfahrung, dass Banken eine Leitzinssenkung schneller umsetzen als eine Erhöhung, wenn es um Produkte zugunsten der Kunden geht. Verbraucher sollten daher Angebote genau vergleichen.

Was bedeutet ein niedriger Leitzins für Tagesgeld und Festgeld?

Wird der Leitzins durch die Europäische Zentralbank gesenkt, kommen meist schlechte Zeiten auf die Sparer in Deutschland zu. Da der Leitzins als Steuerungselement der Geldmärkte gilt, greift eine Senkung auch auf die Zinsen von Geldanlagen ein.

Das heißt schlicht und einfach: Sinkt der Leitzins, so sinken auch die Zinsen für Geldanlagen mit variablen Zinsen - so wie es beim Tagesgeld der Fall ist. Zusätzlich dazu sinken auch die Zinsen für kurzfristige Festgeldanlagen, da sich Banken dann günstiger mit Zentralbankgeld versorgen können und Anlegern keine so hohen Zinsen auf deren Spareinlagen mehr zahlen müssen. Bei langfristigen Festgeldanlagen wirkt sich eine Senkung des Leitzinses meist weitaus weniger aus, da es auf lange Sicht gesehen sowieso Schwankungen beim Leitzins geben wird, die dann auch in den garantierten Zins "eingeplant" werden.

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Quelle: ntv.de, mit dpa

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