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Verpulvertes Geld Brauchen Sportler Eiweißshakes?

Ohne Proteine nach dem Training wird es nichts mit dem Muskelaufbau - so lernen es zumindest viele Hobbysportler. "Öko-Test" hat sich jetzt einige Eiweißpulver genauer angesehen. Gut war keins.

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Wer mit dem Muskeltraining anfängt, hat meist einen erhöhten Eiweißbedarf. Doch auch der lässt sich oft über die Nahrung abdecken.

(Foto: imago stock&people)

Proteine sind nicht nur wichtig für die Muskulatur, sondern auch für Knochen, Bindegewebe und das Immunsystem. Für viele Sportler ist der Eiweißshake nach dem Training deshalb so selbstverständlich wie die Dusche. Zu Recht? "Öko-Test" hat für die Juni-Ausgabe 14 Eiweißpulver eingekauft und ins Labor geschickt. Außerdem bat das Magazin die jeweiligen Hersteller um Studien zur konkreten Wirksamkeit ihrer Produkte. Das Ergebnis fällt vernichtend aus. Die Bestnote war diesmal nur ein "Ausreichend", und selbst die erreichten gerade mal zwei Produkte im Test, neun Kandidaten schnitten dagegen "ungenügend" ab.

Molke, Milch, Erbsen oder Rindfleisch –  Eiweiß kann aus unterschiedlichen Quellen stammen und nicht alle werden gleich gut vom Körper verwertet. Über die Art des Eiweißes gaben die Tester aber kein Urteil ab. Die Hersteller sollten lediglich belegen, dass ihre jeweiligen Pulver besonderen Nutzen brächten. Das gelang aber keinem. Stattdessen betonten die meisten Anbieter einfach nur, dass sie sich an die offiziell genehmigten Werbeaussagen zu Gesundheitsprodukten hielten. Manche verlinkten allgemeine Studien zum Eiweiß-Einsatz. Überzeugend fand das "Öko-Test" nicht. Auch über die normale Ernährung könne der Eiweißbedarf locker gesichert werden.

Bequem, aber oft überflüssig

Eine Erklärung für die Beliebtheit der Pulver: Eiweiß kann im Körper nicht richtig gespeichert werden, deshalb schwören viele Sportler auf die gezielte Zufuhr. Bei einem akuten Energiemangel, etwa beim Ausdauersport, zapft der Körper die Aminosäuren in der Muskulatur an. Studien zeigen, dass es durchaus sinnvoll ist, sich nach dem Training eiweißreich zu ernähren, um den Muskelaufbau zu beschleunigen. Für viele Sportler ist der Shake eine bequeme Lösung – dass das Pulver besser wäre als normales Essen, lässt sich aber offenbar nicht belegen. Vegetarier, die sich nicht mit Lachs, Thunfisch oder Rindfleisch anfreunden möchten, können ihre Versorgung beispielsweise über Magermilch, Kakao, Tofu oder Erbsen sichern. Auch in Getreideprodukten sind reichlich Proteine enthalten, so dass die meisten Menschen schon über ihre normale Ernährung gut versorgt sind.

Wer dennoch zusätzlich Eiweißshakes schlabbert, gibt den Nieren ordentlich zu tun. Denn beim Abbau der Aminosäuren entsteht Harnstoff, der über die Nieren ausgeschieden wird. Für Gesunde ist das in der Regel unproblematisch, Menschen mit Nierenerkrankungen sollten um Eiweißprodukte aber besser einen Bogen machen. 

Erwachsene kommen laut den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung pro Tag mit etwa 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht aus. Sportler, die intensiv trainieren, brauchen meist mehr, sie können bis zu zwei Gramm kalkulieren. Wer sich normal - womöglich auch eiweißreich - ernährt und zusätzlich noch Shakes trinkt, kommt aber schnell über diesen Wert, zumindest wenn er den Dosierungsempfehlungen auf der Packung folgt. Viele Hersteller setzten die Portionsgrößen zu hoch an, kritisiert "Öko-Test". "Ein Zuviel von diesen Drinks bringt keinen zusätzlichen Nutzen, sondern gegebenenfalls einfach einen Zuwachs an Körperfett", warnt der Ernährungswissenschaftler Hans Braun.

Zu viel drin

Auch bei den Inhaltsstoffen missfiel den Testern das "Viel hilft viel"-Motto. Neun Pulver enthielten nicht nur Eiweiß, sondern auch Vitamine und Mineralstoffe. "Bestenfalls unsinnig" sei das, und wer zusätzlich noch Nahrungsergänzungsmittel einnehme, müsse aufpassen, dass er nicht auf gesundheitlich bedenkliche Dosen komme, so "Öko-Test". Keine Gesundheits- sondern Geschmacksgründe stecken hinter der Verwendung von Aromen und Süßstoffen. Dafür gab es im Test eine Note Abzug, was die zahlreichen "ungenügenden" Bewertungen erklärt.

Manche Stoffe landen ganz unbeabsichtigt im Pulver. So fand sich in allen Produkten der Reinigungsrückstand Chlorat, der auf Dauer die roten Blutkörperchen schädigen kann und die Jodaufnahme in die Schilddrüse vorübergehend hemmt. Gesetzliche Grenzwerte für Chlorat gibt es noch nicht, das soll sich aber demnächst ändern. Kritisch sahen die Tester auch sogenannte Benzalkoniumchloride, über deren Wirkungen aber noch Unklarheit herrscht. Zwei Kandidaten wurden dafür abgewertet.

Am besten schnitten im Test noch die beiden Bio-Produkte ab. Eggs "Premium Sportnahrung Bio Protein" setzt auf Milchprotein und Molkepulver, das "Maskelmän Bio Reisprotein" auf Reismehl. Beide kamen ohne zugesetzte Vitamine, Aromen oder Süßstoffe aus und waren ordnungsgemäß deklariert, was für ein "Ausreichend" genügte. Mit 15 bzw. 23 Euro pro 500 Gramm verpulvert man aber auch nicht gerade wenig Geld.

Quelle: ntv.de, ino

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