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Billiger und oft auch schneller Bus und Bahn stechen das Auto aus

80 Prozent der Deutschen steigen ins Auto, wenn sie längere Distanzen zurücklegen wollen. Das ist bequem, aber auch teuer und nicht unbedingt die schnellste Reiseart, wie der Verkehrsclub VCD in einer Studie ermittelt hat.

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Viele Buchungsportale listen Bahn- und Busverbindungen auf. Das macht die Suche einfacher.

(Foto: dpa)

Schnell, pünktlich, flexibel, komfortabel und umweltfreundlich – so sollte das ideale Verkehrsmittel für den Fernverkehr aussehen. Teleportation kommt dem ziemlich nahe, doch bis die Science Fiction-Vision Wirklichkeit wird, müssen Reisende Kompromisse machen. Seit knapp zwei Jahren gibt es  mit den Fernbussen eine neue Alternative zu Auto und Bahn. Sie gelten als sehr günstig, aber auch als sehr langsam. Zu Recht? Der Verkehrsclub Deutschland hat die drei Verkehrsmittel in einer Studie verglichen und sich den Fernbusmarkt dabei genauer angesehen.

Beliebt sind Fernbusse insbesondere bei Strecken von deutlich unter 500 Kilometern. München-Nürnberg etwa, Hamburg-Berlin oder auch Frankfurt-Köln. Für die Untersuchung werteten die Autoren der Studie zwischen Mai und September die Preisentwicklung  für die zehn populärsten Verbindungen aus. Unterschiedliche Vorbuchungsfristen berücksichtigten sie dabei ebenso wie verschiedene Reisearten. Zum Vergleich suchten sie jeweils die günstigste vertretbare Bahnverbindung heraus. Für das Auto setzten sie pro Streckenkilometer 42 Cent als Betriebs- und Fixkosten an.

Günstige Spontanbuchungen

Preislich spricht demnach nichts für das Autofahren. Auf allen Strecken war der Pkw im Schnitt das teuerste Verkehrsmittel. Für den Weg von Hamburg nach Berlin etwa errechneten die Forscher einen Preis von 72 Euro. Im Fernbus kam man im Schnitt für 10 Euro ans Ziel. Die Bahn schlug mit 27 Euro zu Buche. Auch auf den übrigen Strecken konnte die Bahn die Fernbusse nur selten schlagen. In 95 Prozent aller Fälle war Busfahren günstiger. Das machte sich besonders bei kurzfristiger Buchung bemerkbar. Wer das Ticket erst am Vortag löste, zahlte im Schnitt über 19 Euro weniger als bei der Bahn. Bei rechtzeitiger Planung waren Fernbusse knapp 8 Euro billiger. Am meisten wirkten sich die Vorteile allerdings bei Alleinreisenden aus. Familien kommen mit der Bahn zum Teil günstiger weg, weil  Kinder und Enkel unter 15 Jahren kostenlos mitfahren dürfen.

Da wundert es wenig, dass der Preis dann auch das wichtigste Argument der Fernbusnutzer ist. Über drei Viertel von ihnen gaben in einer Befragung an, sie würden sich wegen der Kosten für den Bus entscheiden. Für gut die Hälfte zählten aber auch andere Kriterien, etwa der Fahrtablauf ohne Umsteigen und die einfache Planung. 46 Prozent loben auch den Fahrkomfort – das sind fast genauso viele wie bei der Bahn. Autofahrer hingegen schätzten vor allem die Flexibilität und die Erreichbarkeit von Orten und Zielen. Für mehr als 90 Prozent sind das die wichtigsten Gründe für die Wahl des Verkehrsmittels. Die Kosten dagegen spielten mit 32 Prozent  nur eine untergeordnete Rolle. Für immerhin 75 Prozent ist auch die Schnelligkeit ein wichtiger Faktor bei der Autonutzung. Dabei steht die Bahn hier laut der Studie oft sogar besser da.  Nur in drei von zehn Beispielverbindungen war das Auto schneller als die Bahn  - gerechnet wurde allerdings mit Strecken von Bahnhof zu Bahnhof.

Auch Busse sind zu spät

Per Fernbus war man in allen Fällen, die in der Studie untersucht wurden, am längsten unterwegs. Manchmal betrug der Unterschied zur Bahn nur ein paar Minuten, manchmal aber auch über zwei Stunden, wie bei der Strecke Hamburg-Köln. Viel pünktlicher als die Bahn waren die Fernbusse in der Studie auch nicht, knapp die Hälfte kam über sechs Minuten später an als geplant. Das liegt zum Teil an Verzögerungen bei der Abreise, meistens aber an einem Problem, das jeder Autofahrer kennt: Stau. In den Städten mag es Busspuren geben, doch wenn auf der Autobahn nichts geht, kommt auch der Fernbus nicht vorbei.

Mit Imageproblemen wie die Bahn hat die junge Fernbusbranche offenbar nicht zu kämpfen: Über 80 Prozent der Nutzer bewerteten das Personal als sehr gut oder gut, auch für die Busausstattung gab es überwiegend gute Noten. Bei den Busbahnhöfen scheint es dagegen noch Luft nach oben zu geben. Hier waren nur gut die Hälfte der Befragten zufrieden.

Interessant ist auch ein Blick auf die Anbieter: Die höchsten Zufriedenheitswerte erreichte der Marktführer MeinFernbus. Fast 80 Prozent der Befragten haben hier gute Erfahrungen gemacht. Viel Lob gab es auch für DeinBus und Berlinlinienbus. Dein Bus verkehrt allerdings vor allem im Süden und Südwesten Deutschlands und nicht quer durch die Republik. Flixbus und der ADAC Postbus wurden von gut 60 Prozent der Kunden positiv bewertet.

Quelle: n-tv.de, ino

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