Ratgeber

Die 25.000-Euro-Frage China bietet mehr Chancen als Risiken

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Es besteht Hoffnung, dass es nicht so weit kommt.

(Foto: imago/blickwinkel)

In der Volksrepublik greift die Regierung wieder einmal massiv in die Wirtschaft ein. Die entsprechenden Aktien stehen deutlich unter Druck. Das könnte sich als lukrative Einstiegsgelegenheit erweisen.

Der Hang Seng Index hat in den zurückliegenden sechs Monaten mehr als zwölf Prozent an Wert verloren. Auch seit Jahresanfang und auf Sicht von zwölf Monaten notiert das chinesische Aktienbarometer im Minus. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex Dax hat auf Sicht eines Jahres um rund 23 Prozent zugelegt. Und der amerikanische S&P Index schaffte es in diesem Zeitraum sogar auf ein Plus von fast 32 Prozent.

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Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

Der Hang Seng umfasst die 50 größten in Hongkong notierten Aktiengesellschaften. Dazu zählen auch die chinesischen Internet-Giganten wie Tencent oder Alibaba. Deren Aktienkurse sind auf Sicht von zwölf Monaten sogar um zwölf beziehungsweise mehr knapp 43 Prozent gefallen. Das ist natürlich nicht ohne Grund passiert.

Peking will die Macht der großen Internet-Konzerne zurückdrängen. Denn die kommunistischen Machthaber wollen auch in Zukunft klar das Sagen haben. So stoppten sie bereits im vergangenen Jahr den Börsengang der Alibaba-Tochter Ant Financial. Jack Ma, der Gründer und Großaktionär von Alibaba, hatte sich zuvor öffentlich kritisch über die Partei geäußert. Bei so etwas versteht Peking keinen Spaß.

Wohlstand für alle

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die chinesische Regierung gegen die großen Tech-Konzerne vorgeht. Diese habe ihre Gründer zu mehrfachen Milliardären gemacht. Unter dem Motto "Wohlstand für alle" will die Partei jedoch den Unterschied zwischen Arm und Reich eindämmen. Wie in der westlichen Welt besteht auch in China das Risiko, dass ein zu großes Wohlstandsgefälle zu Lasten des Wirtschaftswachstums geht. Vereinfacht ausgedrückt müssen ärmere Bevölkerungsschichten jeden Yuan ausgeben, um ihren Alltag zu finanzieren. Die Reichen wissen dagegen nicht wohin mit ihrem Geld und geben nur einen Bruchteil davon aus. Volkswirtschaftlich betrachtet ist es günstiger, wenn die Ärmeren mehr und die Reicheren weniger Geld in der Tasche haben.

Den Nachhilfe-Portalen ging Peking ebenfalls an den Kragen. Denn diese sind recht kostspielig, was sich in China nicht jede Familie leisten kann. Auch das sorgt für Ungleichheit und ist kaum mit dem Ziel "Wohlstand für alle" vereinbar. Im Prinzip hat Peking die Internet-Nachhilfe-Angebote verboten, weil diese die Kinder der Wohlhabenden privilegierten.

Eine zu große Kluft zwischen Arm und Reich kann nicht nur das Wirtschaftswachstum ausbremsen, es kann auch zu sozialen Unruhen führen, die es in der Volksrepublik immer wieder gibt. Es gibt aber kaum etwas, das die chinesischen Politiker so sehr fürchten wie zu viele unzufriedene Bürger. Denn diese könnten die Macht der Partei gefährden. Neben den politischen Eingriffen in die Wirtschaft belastete auch noch der Immobilienmarkt die chinesischen Aktienbörsen.

Denn hier gerieten verschiedene Immobilien-Projektentwickler wie Evergrande in Schieflage und konnten ihre Schulden nicht pünktlich zurückzahlen. Selbst bei einer kontrollierten Abwicklung, die die Politik offenbar anstrebt, könnte dies das chinesische Wirtschaftswachstum belasten.

Immobilienmarkt könnte in China zum Problem werden

Die Krux in China ist, dass sich die Immobilien-Projektentwickler zu einem guten Teil durch die Vorauszahlungen von Wohnungskäufern finanzieren. Wenn bei diesen die Angst um sich greift, dass die gekauften Wohnungen nicht zu Ende gebaut werden und ihre Anzahlungen futsch sind, könnte bei Evergrande und Co. die Finanzierung austrocknen.

Wenn in China der Immobilien- beziehungsweise der Bausektor unter Druck geriete, würde dies das gesamte Wirtschaftswachstum bremsen. Denn in der Volksrepublik hängt die Konjunktur maßgeblich vom Bau ab. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.

Vielmehr ist zu erwarten, dass die Regierung die Kreditvergabe für Hypotheken wieder hochfährt. Dafür sind bereits erste Anzeichen zu erkennen. Auf dem Immobilienmarkt ist somit wahrscheinlich mit einer Entwarnung zu rechnen. Auch die Notenbank agiert offenbar wieder expansiver. Schließlich scheint auch die Angst vor einer Abschottung Chinas übertrieben.

Keine Abkoppelung von der Weltwirtschaft

Offensichtlich will die Volksrepublik vor allem von den USA unabhängiger werden. Nach vier Jahren Krach mit Trump kann das eigentlich auch nicht verwundern. Aber Peking wird sich sicherlich nicht vom Welthandel abkoppeln. Allein mit der Binnenwirtschaft wird die Volksrepublik seine ambitionierten Ziele nicht erreichen. "Wohlstand für alle" ist wohl nur dann zu schaffen, wenn China weiterhin umfangreich Waren ins Ausland exportiert.

Vor diesem Hintergrund scheinen chinesische Aktien nach der Korrektur der zurückliegenden Monate wieder attraktiv. Das gilt vor allem für die sogenannten A-Aktien, die nur an den Börsen auf dem Festland notieren. Diese sind von den Eingriffen Pekings sehr viel weniger betroffen als die H-Aktien, die an der Börse in Hongkong gelistet sind. Allerdings können westliche Privatanleger diese Festlandsaktien nicht direkt erwerben. Sie können diese aber über verschiedene Aktienfonds kaufen, die auf dem Festland zugreifen dürfen.

Die 25.000-Euro-Frage

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In einem ausgewogenen Depot sollte der größte Teil der Mittel auf Aktien entfallen, da es sich weiterhin schwierig gestalten dürfte, mit Renten Geld zu verdienen. Das gilt vor allem für die meisten Staatsanleihen, deren Renditen sich nach dem Abzug der Inflation im negativen Bereich bewegen. Bei der Aktienquote sollten die aussichtsreichen chinesischen Festlandsaktien spürbar gewichtet werden. Außerdem sollten Anleger Cash halten. Denn nach der Rally der zurückliegenden Monate könnte es an den Börsen im kommenden Jahr immer wieder zu Korrekturen kommen. Dann brauchen Anleger Bares, um verbilligt nachkaufen zu können. Gold sollte auf jeden Fall beigemischt werden.

Über den Autor: Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

Quelle: ntv.de

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