Ratgeber

Alternative zum Makler Das können die neuen Immobilienportale

Klassische Makler bekommen Konkurrenz im Internet: Seit Vermieter die Provision selbst bezahlen müssen, schießen Vermietungsplattformen wie Pilze aus dem Boden. Die Konzepte sind unterschiedlich, doch eins haben alle Plattformen gemeinsam: Sie sind deutlich günstiger als "richtige" Makler.

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Mieter, die keine Lust haben auf Massenbesichtigungen, könnten auf den einschlägigen Portalen fündig werden.

(Foto: imago/Westend61)

Seit dem 1. Juni gilt auf dem Wohnungsmarkt das Bestellerprinzip. Die 2,38 Kaltmieten Provision, die vorher meist auf den Mieter abgewälzt wurden, müssen Vermieter nun selbst tragen. Nicht jeder ist dazu bereit, allerdings möchte sich auch nicht jeder um die Aufgaben kümmern, die ein Makler nunmal übernimmt: Ein Exposé erstellen, Anzeigen platzieren, Anfragen beantworten, Wohnungsbesichtigungen organisieren, Unterlagen prüfen und schlussendlich einen Mieter auswählen. Die gute Nachricht: das ist auch gar nicht unbedingt nötig. Im Zuge der Gesetzesänderung wittern zahlreiche Startups ihre Chance, sich als günstige Online-Alternative zu Maklern zu etablieren. Welche am Ende die Nase vorn haben werden, bleibt abzuwarten. Die Zeitschrift "Finanztest" hat sich zehn neue Online-Portale genauer angesehen.

Ihnen gemeinsam: Alle bringen Vermieter und Mieter in Kontakt, alle sollen die Mietersuche übersichtlicher gestalten und Mietern aussichtslose Massenbesichtigungen ersparen. Und alle sind deutlich günstiger als ein klassischer Makler. Für Mieter sind die Leistungen meistens kostenlos, Vermieter zahlen abhängig davon, welche Zusatzleistungen sie buchen. Standard ist das Exposé, Lifelife.io oder Rentkit.de und Moovin.de schicken dafür auch einen professionellen Fotografen vorbei, der die Wohnung ins rechte Licht rückt. Dazu kommen weitere Leistungen, etwa organisierte Besichtigungen, Bonitätschecks oder Wohnungsübergaben – also Dinge, die sonst der Makler übernehmen würde.

Vermittelt wird, was passt

Oft funktionieren die Immobilienportale nach dem Prinzip des Online-Datings: Anhand der Wünsche des Wohnungseigentümers und der Angaben der Interessenten wird errechnet, wer besonders gut zu wem passt. Damit die Wohnungsanzeige nicht nur registrierte Nutzer erreicht, wird die Anzeige in der Regel auch auf diversen etablierten Immobilienseiten geschaltet.

Wer dort auf eine Wohnung aufmerksam wird, registriert sich auf der jeweiligen Vermittlerseite. Wie ausführlich, bleibt jedem selbst überlassen. Bei Faceyourbase.com kann man bei Bedarf beispielsweise aufs eigene Xing-oder Linkedin-Profil verweisen, bei Wunderagent.de kann man auch Angaben zu den etwaigen Mitmietern machen. Außerdem können Bewerber die üblichen Dokumente hochladen, etwa Schufa-Auskünfte oder Gehaltsnachweise. Zu einem Besichtigungstermin kommt es nur, wenn Vermieter und Mieter zueinander passen. Diese Selektion im Vorfeld erspart beiden Seiten anonyme Massenbesichtigungen und somit einiges an Zeit.

Manchmal sind die Vermarktungsmodelle auch ungewöhnlich. Soomve.de setzt beispielsweise auf das Versteigerungsprinzip. Der Vermieter nennt seine Wunschmiete, die Interessenten geben Angebote ab. Wer dann den Zuschlag bekommt, entscheidet der Vermieter nach Ablauf der zweiwöchigen Auktion unter den fünf Meistbietenden. Es muss also nicht zwangsläufig der Höchstbietende sein, der die Wohnung bekommt. Auch Mietercasting.de weicht vom klassischen Bewerbungsschema ab: Hier stellen sich die Wohnungssuchenden vor und der Vermieter kann gezielt die Kandidaten ansprechen, die er für geeignet hält. Bei Vertragsabschluss zahlen Mieter ein Prozent der Kaltmiete, für Vermieter ist der Service im Moment noch kostenlos. Bei Faceyourbase.com bekommen maximal zehn Interessenten einen Besichtigungstermin, kommt ein Mietvertrag zustande, zahlt der Mieter 40 Euro. Vermieter inserieren kostenlos, können aber Leistungen wie Exposés oder Besichtigungstermine für 89 bzw. 129 Euro dazu buchen.

Vollprogramm für rund 500 Euro

Das Bausteinsystem nutzt auch Moovin.de. Die Vermarktung allein kostet 199 Euro, für jeweils 79 Euro erhält man zusätzlich ein Exposé und den Besichtigungsservice. Andere Portale setzen auf Paketlösungen. Bei Rentkit beispielsweise kostet die Basisvariante mit Inserat und Verwaltungsservices 149 Euro, für das Vollprogram mit Exposé, Besichtigung und Interessentenüberprüfung zahlt man knapp 500 Euro. Melden sich binnen drei Wochen nicht mindestens zehn Bewerber, wird das Inserat kostenlos verlängert. Auch bei Lifelife ist der volle Service für 499 Euro zu haben, im Moment gibt es aber noch 200 Euro Willkommensrabatt. Wer bei Wunderagent.de das Komplettprogramm aus Vermarktung, Exposeé und Besichtigungsterminen bucht, kommt ebenfalls auf rund 500 Euro.

Günstiger als klassische Makler sind die neuen Vermarktungsportale auf jeden Fall. Fraglich ist allenfalls, ob die individuellen Services genauso professionell ablaufen wie bei einem Makler mit jahrelanger Berufserfahrung. Teils würden für die Wohnungsbesichtigungen beispielsweise Studenten oder andere Nebenjobber eingespannt und auch bei der Exposé-Erstellung seien nicht zwangsläufig langjährige Profis am Werk, so "Finanztest". Meistens dürfte das kein Problem sein. Bei schwer vermietbaren Wohnungen oder Luxusimmobilien empfehlen die Tester aber, sich an klassische Makler zu halten – auch wenn man die dann selbst teuer bezahlen muss.

Quelle: n-tv.de, ino

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