Ratgeber

Keine Berufsunfähigkeitsversicherung? Das sind die Alternativen

Jeder, der Geld verdient, sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Aber nicht jeder kann sich eine leisten und nicht jeder bekommt überhaupt eine Police. Es gibt Alternativen - wenn auch keine vollwertigen. Im Zweifel können sie aber besser sein als gar kein Schutz.

24184245.jpg

Psychische Erkrankungen führen am häufigsten zur Berufsunfähigkeit. Hier helfen nur wenige der Alternativ-Versicherungen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit der eigenen Arbeit kein Geld mehr verdienen zu können, ist hart. Zumal die staatliche Unterstützung in solchen Fällen sehr mager ausfällt – wer etwa im Jahr 2010 berufsunfähig wurde, bekam im Schnitt gerade mal 625 Euro Erwerbsminderungsrente, bei den Frauen waren es nur 571 Euro. Ohne private Zusatzvorsorge wird man also schnell zum Sozialhilfe-Fall. Viele Menschen sind sich dessen durchaus bewusst, trotzdem schließen sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Dafür kann es mehrere Gründe geben: Zum einen sind Berufsunfähigkeitspolicen relativ teuer. Zum anderen wählen die Versicherer genau aus, wen sie überhaupt versichern. Mit bestimmten Vorerkrankungen oder in riskanten Berufen ist es schwierig bis unmöglich, guten Schutz zum akzeptablen Preis zu bekommen. Wer sich trotzdem versichern will, sollte sich nach Alternativen umsehen. Derer gibt es einige, allerdings bietet keine die gleichen Leistungen wie eine richtige BU-Police – nämlich eine Rente, wenn man nicht mehr zu mindestens 50 Prozent im bisherigen Beruf arbeiten kann.

Erwerbsunfähigkeitsschutz

Eine dieser Möglichkeiten ist der Erwerbsunfähigkeitsschutz. Wenn man – unabhängig vom bisherigen Beruf - überhaupt nicht mehr arbeiten kann, fließt die vereinbarte Rente. Als Messlatte gilt in der Regel eine tägliche Arbeitszeit von drei Stunden. Für Selbständige kann die Erwerbsunfähigkeitsversicherung  sogar besser sein als eine klassische BU-Police. Nicht selten werden Selbständige nämlich nicht als berufsunfähig anerkannt, wenn sie Arbeiten auch an einen Angestellten abgeben könnten. Einen Vorteil hat der Erwerbsunfähigkeitsschutz auf jeden Fall: Er ist deutlich günstiger. Die Zeitschrift "Finanztest" ermittelte für ihre Juli-Ausgabe Ersparnisse bis zu 40 Prozent im Vergleich zur klassischen BU.

Schwere-Krankheiten-Versicherung

In Großbritannien sind sie verbreitet, hier werden sie kaum angeboten: Dread-Disease-Policen, auch unter dem sperrigen Titel "Schwere-Krankheiten-Versicherung" bekannt. Das Konzept ist grundsätzlich anders als beim Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsschutz: Der Vertrag bezieht sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit, sondern auf bestimmte Krankheiten oder Ereignisse. Versichert sind etwa bestimmte Krebsarten, Multiple Sklerose, Leber- und Lungenkrankheiten, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch die Folgen schwerer Unfälle sind – zumindest eingeschränkt – abgedeckt. Ist der Versicherte davor betroffen, gibt es Geld – aber auch nur dann. Bei unversicherten Krankheiten – etwa bestimmten Krebsarten oder Rückenleiden – sieht er keinen Cent. Ausgezahlt wird keine Rente, sondern ein Einmalbetrag. Wer damit langfristig Einkommenseinbußen überbrücken will, könnte einen Auszahlplan vereinbaren. Dread-Disease-Versicherungen mit ausreichender Versicherungssumme sind nicht unbedingt günstiger als  BU-Policen. Dafür sind sie leichter zu bekommen: So führe etwa ein psychisches Leiden nicht automatisch zum Ausschluss, schreibt "Finanztest". Außerdem fließt das Geld, sobald die Krankheitsdiagnose steht. Bei BU-Versicherten ist der Weg zur Rente weitaus komplizierter.

Unfallversicherung

Nicht wenige Menschen sehen sich durch eine Unfallversicherung ausreichend abgesichert. Ein Irrtum: Unfälle sind nur in fünf Prozent aller Fälle der Grund für Berufsunfähigkeit. Überflüssig sind Unfallpolicen zwar nicht, allerdings sind sie auch nicht dafür angelegt, langfristigen Einkommensverlust auszugleichen. Stattdessen gibt es eine Einmalzahlung, die sich nach dem Invaliditätsgrad richtet. Wer beispielsweise nach einem Unfall auf einem Ohr nicht mehr hören kann, ist nach der gängigen Gliedertaxe zu 30 Prozent invalide. Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro gäbe es dann 30.000 Euro. Wer eine Unfallversicherung abschließt, sollte deshalb immer auf eine ausreichend hohe Versicherungssumme achten.

Grundfähigkeitsversicherungen

Seit dem Jahr 2000 werden in Deutschland Grundfähigkeitsversicherungen angeboten, haben sich seitdem aber nicht richtig durchgesetzt. Das Prinzip ist einfach: Verliert der Versicherte bestimmte Grundfähigkeiten, etwa Sehen oder Hören, bekommt er eine Rente. Doch die Tücken liegen im Detail: Voraussetzung ist, dass die betreffenden Kräfte fast vollständig verloren sind, und das für mindestens ein Jahr. Und bei motorischen Fähigkeiten wie Gehen, Stehen, Sitzen oder dem Gebrauch der Hände, müssen in der Regel mindestens drei Kräfte betroffen sein. Diese Voraussetzungen zu erreichen, ist relativ schwer.

Funktionsinvaliditätsversicherung

Ähnliches gilt für die Funktionsinvaliditätsversicherung. Vereinfacht gesagt ist sie eine Mischung aus Dread-Disease-Versicherung, Unfall- und Grundfähigkeitsversicherung. Sie zahlt eine Rente, wenn Versicherte durch Unfälle oder Krankheiten invalide werden oder bestimmte Grundfähigkeiten verlieren. Geld gibt es aber nur ab einem bestimmten Schweregrad und wenn die Beeinträchtigung dauerhaft und nicht heilbar ist. Das sind noch strengere Anforderungen als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Dafür ist der Schutz aber auch deutlich günstiger zu haben.

Quelle: n-tv.de, ino

Mehr zum Thema