Ratgeber

Berufsunfähigkeitsversicherung Die Tarife werden besser

In alten Verträgen zur Berufsunfähigkeitsversicherung lauern noch zahlreiche Klauseln, die den Kunden - wenn es hart auf hart kommt - um seine Rente bringen könnten. Wer heute zuverlässigen Schutz sucht, ist besser dran. Denn es gibt sie, die guten Tarife. Die Stiftung Warentest sagt, wo.

Stress, Depressionen, Mobbing

Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit. Bei Frauen, aber auch bei Männern.

(Foto: dpa)

Burnout, Bandscheibenvorfall oder Krebsleiden -  Berufsunfähigkeit kann jeden treffen. Arbeitnehmer und Selbständige, die nicht von ihrem Vermögen leben können, sollten private Vorsorge treffen. Doch das ist nicht unbedingt einfach. Wer einen riskanten Beruf ausübt oder Vorerkrankungen mitbringt, muss schon sehr viel Aufwand betreiben und eventuell Kompromisse eingehen, um eine Berufsunfähigkeitspolice zu finden. Diese gibt es durchaus, wie die Stiftung Warentest jetzt festgestellt hat.

Die Tester haben einen umfangreichen Marktcheck unternommen und dafür alle deutschen Lebensversicherer um Angebote gebeten. Die 52 besten und günstigsten Tarife sind in der Juli-Ausgabe des Finanztest-Hefts veröffentlicht. Ein Ergebnis ist auf jeden Fall erfreulich: Die Versicherungsbedingungen sind heute sehr viel besser als früher. Die Tendenz war schon länger erkennbar, doch auch seit dem letzten Test vor zwei Jahren hat sich noch einiges getan.  So lauert in Altverträgen immer noch die Klausel der abstrakten Verweisung. Kranke bekommen dann kein Geld von ihrer Versicherung, wenn sie theoretisch auch auf einen anderen Beruf ausweichen könnten. In den guten neuen Tarifen ist diese viel kritisierte Klausel kein Thema mehr. Manchmal dauert es auch eine Weile, bis die Berufsunfähigkeit festgestellt ist. In solchen Fällen zahlen viele Versicherer die Rente auch bis zu drei Jahre rückwirkend.

Riesige Preisunterschiede

Bei sehr ähnlicher Qualität der Tarife sind die Preisunterschiede allerdings riesig. Die Tester ließen Angebote für Modellkunden im Alter von 30 Jahren durchrechnen. Für einen Vertrag mit 2000 Euro Monatsrente bis zum Alter von 67 Jahren zahlt die Diplomkauffrau im Modellfall netto zwischen 870 Euro und 2282 Euro pro Jahr. Einen Altenpfleger kostet eine Rente von 1000 Euro in den getesteten Tarifen zwischen 645 und 1742 Euro jährlich. Gezahlt wird die Rente allerdings nur bis zum 65. Lebensjahr, auch wenn der Modellkunde bis 67 arbeiten müsste. Längere Vertragslaufzeiten werden Berufsgruppen mit höherem Risiko aber oft gar nicht angeboten.

Als besonders gefährdet gelten nicht nur die üblichen Handwerks- und Bauberufe wie Maurer, Schornsteinfeger oder Betonbauer, sondern auch Krankengymnasten, Gastwirte, aber auch Künstler. Wer Kopfarbeit leistet, etwa als Arzt, Anwalt oder Ingenieur, kann sich dagegen günstiger versichern und hat auch weniger Probleme, überhaupt aufgenommen zu werden. Denn längst nicht jeder, der sich versichern will, erhält den gewünschten Vertrag. Zimperlich sind Versicherer, wenn Vorerkrankungen ins Spiel kommen. Da kann schon eine Pollenallergie die Prämie nach oben treiben. Und wer schon mal in psychotherapeutischer Behandlung war oder schwerere Krankheiten durchgemacht hat, bekommt unter Umständen kaum ein vernünftiges Angebot. Schon deshalb ist es sinnvoll, so früh wie möglich in die Berufsunfähigkeitsversicherung einzusteigen, denn spätestens ab 40 beginnen bei den meisten Menschen die Zipperlein. Zudem steigen die Beiträge mit jedem Jahr, das man später in den Tarif einsteigt. 

Mehrere Eisen ins Feuer legen

Allen, die auf der Suche nach einem passenden Tarif sind, rät "Finanztest", gleichzeitig bei mehreren Anbietern anzufragen oder einen Vermittler mit einer anonymen Anfrage zu beauftragen. Das ist besonders wichtig, wenn man zu den schwer versicherbaren Risikogruppen gehört. Denn wer einmal abgelehnt wurde, bekommt auch anderswo schwerer einen guten Vertrag. Und auch wenn Vorerkrankungen die Chancen mindern, sollte man den Fragebogen zum Gesundheitszustand auf keinen Fall zu lax ausfüllen. Denn im Ernstfall wird der Versicherer die Angaben nochmal genau prüfen – verschwiegene Krankheiten  können die Rente kosten. Das zeigt eine Onlineumfrage, die Finanztest zusätzlich durchgeführt hat.

Das beste Angebot für die Modellkunden hatte die Aachen Münchener in petto. Hier stimmten nicht nur die Vertragsbedingungen. Auch die Antragsformulare wurden "sehr gut" bewertet, etwa weil die Gesundheitsfragen verständlich und auf einen bestimmten Behandlungszeitraum begrenzt waren. Den zweiten Platz der Finanztest-Wertung teilen sich gleich neun weitere Anbieter, die ebenfalls "sehr gut" abschnitten. Als besonders preisgünstig fielen die Tarife von Huk24 und Huk-Coburg auf.

Im Vergleich: Berufsunfähigkeitsversicherung

Quelle: ntv.de