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Rücken, Unfall, Depressionen Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit

Ein Bürojob, gute Fitness und keine schlimmen Krankheiten in der Familie - bei diesen Voraussetzungen kann man sich die Berufsunfähigkeitsversicherung eigentlich sparen, oder? Nicht unbedingt, wie die Statistik zeigt.

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Rückenleiden können nicht nur körperlich Arbeitenden zum Verhängnis werden.

(Foto: imago/McPHOTO)

Gut 16 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Das sind nicht allzu viele, wenn man bedenkt, dass es fast 42 Millionen Erwerbstätige gibt. Mindestens jeder fünfte von ihnen wird im Laufe des Lebens berufsunfähig, sagt die Statistik. Wer glaubt, als "Büroarbeiter" sei das Risiko vernachlässigbar, irrt: BU-Versicherungen zahlen inzwischen am häufigsten wegen psychischer Erkrankungen.

Herausgefunden hat dies das Analysehaus Morgen & Morgen, das alljährlich den Markt für Berufsunfähigkeitspolicen unter die Lupe nimmt. Fast 29 Prozent aller BU-Fälle gehen demnach auf psychische Leiden zurück. Dazu zählen in erster Linie Depressionen, aber auch Belastungsstörungen, Neurosen oder Angststörungen. Die Entwicklung bestätigen auch die  Krankenkassen. Die DAK Gesundheit etwa stellt in ihrem Gesundheitsreport 2014 fest, dass knapp 15 Prozent des Krankenstandes auf psychische Diagnosen zurückzuführen war, wobei das Risiko bei zunehmendem Alter deutlich steigt. Und laut dem Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse sind die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen zwischen 2000 und 2013 um fast 70 Prozent geklettert. Frauen trifft es demnach deutlich häufiger als Männer.

Junge mit hohem Unfallrisiko

Eine Grippe oder eine Magenverstimmung knocken die Betroffenen nur für ein paar Tage aus, psychische Leiden hingegen enden oft in langfristiger, wenn nicht gar dauerhafter Berufsunfähigkeit. In allen Altersstufen sind sie inzwischen laut Morgen & Morgen die wichtigste Ursache für einen frühzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben. Auf Platz zwei des Rankings: Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats. In rund 21 Prozent aller Fälle ist Berufsunfähigkeit auf Krankheitsbilder wie Rückenleiden, Arthrose, Rheuma oder Osteoporose zurückzuführen. Auffällig ist, dass der Wert bei den Unter-40-Jährigen etwas höher liegt als bei älteren Berufsunfähigen.

Das Krebsrisiko spielt bei den Jüngeren hingegen eine geringere Rolle, im Schnitt aller Altersgruppen rangiert es bei gut 16 Prozent. Auffallend hoch ist für Jüngere aber die Gefahr, durch einen Verkehrsunfall berufsunfähig zu werden. Das Risiko liegt bei 15 Prozent – das sind zehn Prozent mehr als in der Altersklasse über 50. Eine Unfallversicherung hilft hier übrigens nur sehr begrenzt. Meistens ist lediglich eine Einmalzahlung vereinbart und damit lassen sich 25 Jahre oder mehr bis zur Rente kaum überbrücken.  

Wenig erstaunlich: Die Gefahr von Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Thrombosen wächst bei zunehmendem Alter. Über zwölf Prozent derer, die mit über 50 berufsunfähig werden,   scheiden wegen Herz- oder Gefäßerkrankungen aus. Das sind doppelt so viele wie bei den Unter-40-Jährigen. Im Mittel liegen  Herz- und Gefäßerkrankungen mit knapp neun Prozent auf dem fünften Platz der Berufsunfähigkeitsstatistik.

Niemand weiß, was kommt

Aus den Zahlen lassen sich zwei wichtige Schlüsse ziehen. Erstens: Berufsunfähigkeit kann wirklich jeden treffen – vom Altenpfleger bis zur Managerin. Die Statistik dürfte allerdings dadurch etwas verzerrt sein, dass Menschen in körperlich anstrengenden Berufen oft gar nicht versichert sind, weil es für sie zu teuer ist. So bekommen die psychischen Krankheiten womöglich ein etwas höheres Gewicht als physische Gebrechen. Zum zweiten: Die Risiken ändern sich im Laufe der Zeit und niemand kann mit Sicherheit sagen, wie die eigene gesundheitliche Entwicklung weitergeht. Wer sich mit Mitte 30 noch topfit fühlt und daher auf eine BU-Police verzichtet, wird das 20 Jahre später womöglich bereuen, wenn er beispielsweise nach einem schweren Schicksalsschlag in eine langjährige Depression verfällt.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist also eine sinnvolle Sache – aber nur, wenn man sich eine Rente leisten kann, die deutlich über Grundsicherungsniveau liegt. Ansonsten könnten sogenannte Dread-Disease-Policen eine etwas preiswertere Alternative sein. Sie decken einen festgelegten Katalog von Krankheiten ab und zahlen, wenn eine dieser Krankheiten diagnostiziert wird. Allerdings gibt es auch hier – wie bei der Unfallversicherung - nur eine Einmalzahlung, die dann im Zweifelsfall bis zur Rente reichen muss.    

Sicher ist: Irgendeine Art von Vorsorge sollte man treffen, wenn man nicht jahrzehntelang vom Ersparten oder anderen Einnahmen leben kann. Denn die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht meist nicht zum Leben aus - wenn man denn überhaupt welche bekommt. Im Schnitt bekommen Frührentner rund 700 Euro und wer nach 1961 geboren wurde, kriegt ohnehin nur dann Geld, wenn er weniger als drei Stunden am Tag arbeitsfähig ist.    

Quelle: n-tv.de

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