Ratgeber

Was heißt schon regional? Einheitssiegel soll Klarheit bringen

Kunden kaufen gern mit gutem Gewissen ein. Das wissen auch Hersteller und Händler, die Lebenmittel unter Marken wie "Ein gutes Stück Heimat" oder "Unser Norden" verkaufen. Doch was die Produkte tatsächlich mit regionaler Fertigung zu tun haben, bleibt unklar. Jetzt soll ein einheitliches Siegel für mehr Übersichtlichkeit sorgen.

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Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft direkt beim Erzeuger.

(Foto: picture alliance / dpa)

Regionale Lebensmittel erfreuen sich großer Beliebtheit, entsprechende Bezeichnungen gelten als Kaufargument. Doch verbindliche Auskünfte darüber, was genau an einem Produkt regional ist, gibt es nicht. Jetzt will Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) für eine eindeutigere Kennzeichnung regional erzeugter Lebensmittel sorgen. In einem Modellprojekt soll nun in fünf ausgesuchten Modellregionen ein bundesweit einheitliches freiwilliges Regional-Abzeichen erprobt werden. Wer es verwendet, muss etwa garantieren, dass die Hauptzutat eines Produkts vollständig aus der genannten Region stammt.

Warum befasst sich die Politik überhaupt mit regionalen Produkten?

Für Kunden ist regionale und damit vermeintlich hohe Qualität heute ein wichtiger Kauffaktor. Bauer, Hersteller und Händler haben den Trend zur Heimat am Esstisch für sich entdeckt und werben mit entsprechenden Auszeichnungen - denn das erhöht ihre Absatzchancen. Allerdings setzen sie dabei höchst unterschiedliche Kriterien an. Das Bundesverbraucherschutzministerium will mit der bundesweit einheitlichen Regionalkennzeichnung für mehr Klarheit sorgen.

Eine Umfrage des Ministeriums ergab, dass fast die Hälfte aller Verbraucher beim Einkaufen darauf achtet, dass Produkte aus einer bestimmten Region kommen Und: Vier von fünf Befragten gaben an, dass sie dafür mehr Geld ausgeben würden. Diese Bereitschaft hängt aber an verlässlichen Angaben. "Wo regional drauf steht, muss auch regional drin sein", sagt Aigner.

Gibt es bereits Regional-Kennzeichen?

Wie bei Biosiegeln oder anderen Abzeichen gibt es auch beim Thema Regionalität eine regelrechte Siegelflut. Dabei können Verbraucher schwer durchschauen, nach welchen Kriterien sie vergeben werden. Sehr streng sind die Vorgaben der EU für die europaweit geltenden geschützten Ursprungsbezeichnungen und traditionellen Spezialitäten. Diese begehrten EU-Gütesiegel kommen aber nur für ganz wenige spezielle Lebensmittel, etwa Allgäuer Emmentaler, infrage.

In Deutschland gibt es darüber hinaus Regionalkennzeichnungen verschiedener Bundesländer, die damit ihre Besonderheit herausstellen. In einem Gutachten für Verbraucherzentralen kritisierten Experten diese aber 2010 als unübersichtlich und monierten in einigen Fällen auch die lasche Vergabepraxis. Außerdem gibt es Eigen- und Handelsmarken von Supermärkten oder Regionalinitiativen, die ihre Produkte nach mehr oder weniger glaubwürdigen Kriterien als regional anpreisen.

Welche Vorgaben sieht das neue bundeseinheitliche Regionallogo vor?

Das vom Bundesverbraucherschutzministerium geplante freiwillige Kennzeichen, das Anfang 2013 erstmals in den Geschäften der am Testlauf teilnehmenden Regionen zu sehen sein wird, verlangt eine Definition der Herkunftsregion. Dabei kann es sich um "Landschaften" oder "traditionelle Gebiete" handeln, sofern sie sich anhand "administrativer Grenzen" klar umreißen lassen.

Zudem müssen Mindestanforderungen hinsichtlich der Zusammensetzung erfüllt werden. Die Hauptzutat muss zu 100 Prozent aus der jeweiligen Region kommen. Handelt es sich um ein Produkt, bei dem die Hauptzutat weniger als die Hälfte des Gewichts ausmacht, müssen so viele weitere Zutaten aus der Region stammen, dass 51 Prozent des Gesamtmasse dort erzeugt wurden. Es ist also gewährleistet, dass mindestens die Hälfte des Produkts aus der angegebenen Region stammt.

Gibt es Kritik am Einheits-Logo?

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch beurteilt Aigners Pläne für die Kennzeichnung schon jetzt als nutzlos. Da diese freiwillig sei, könnten Hersteller bei Bedarf ihren "Regionalschwindel" fortsetzen und dürften etwa "Schwarzwälder Schinken" anbieten, der aus dänischer Massentierhaltung stamme. Für Kritik sorgen dürften auch die Kriterien für zusammengesetzte Produkte: Dass diese im Extremfall nur zu 51 Prozent aus regionalen Zutaten bestehen müssten, hatte schon das Verbraucherzentralen-Gutachten bei einigen Länder-Siegeln kritisiert.

Quelle: ntv.de, AFP

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