Ratgeber

Teuer und datenhungrig Erste neue Stromzähler werden installiert

imago77852939h.jpg

Mit einem Smart Meter allein spart man noch kein Geld.

(Foto: imago/STPP)

Nach und nach werden in Deutschland die Stromzähler ausgetauscht. Intelligente Geräte sollen zur Energiewende beitragen und Haushalten helfen, Strom zu sparen, so das Ansinnen der Gesetzgeber. Aber erst einmal müssen die Verbraucher wohl draufzahlen.

Das Ende der üblichen Stromzähler ist eingeläutet, jetzt kommen die Smart Meter. 2017 werden die ersten Haushalte mit den neuen Messgeräten ausgestattet. Die intelligenten Stromzähler zeigen den Energieverbrauch über den gesamten Tagesverlauf an und speichern Daten. Über ein sogenanntes Gateway lassen sich die Daten automatisch an den Energieversorger übermitteln. Die wichtigsten Infos:

Wer bekommt einen Smart Meter?

"In diesem Jahr sind davon zunächst nur zwei Gruppen von Energieverbrauchern betroffen", erklärt Andreas Feicht, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen in Berlin. "Das sind zum einen Haushalte oder – was wahrscheinlicher ist - Industrie- und Gewerbekunden, die mehr als 10 000 Kilowattstunden jährlich verbrauchen." Zum anderen bekommen Verbraucher das Gerät, die stromerzeugende Anlagen mit mehr als sieben Kilowatt Nennleistung betreiben, also zum Beispiel Solaranlagen. Aber: Weil Gateways bisher noch nicht zertifiziert sind, ist erst ab Mitte bis Ende 2017 mit der Installation der ersten Modelle zu rechnen.

In den kommenden Jahren werden in Wellen weitere Haushalte ausgestattet: Ab 2020 sind Nutzer mit einem Verbrauch von 6000 bis 10.000 Kilowattstunden zum Einbau verpflichtet. Laut der Stromsparinitiative entspricht das dem mittleren Stromverbrauch eines Haushaltes mit fünf oder mehr Mitgliedern in einem Ein- oder Zweifamilienhaus, in dem auch das Wasser mit Strom erwärmt wird. Verbraucher mit geringeren Werten können sich auch mit Smart Metern ausrüsten lassen, aber auf freiwilliger Basis.

Welchen Nutzen bieten die Geräte?

"Sie sind der Einstieg in eine komplett neue Messinfrastruktur", erklärt Feicht. Statt wie bisher lediglich die Jahresverbrauchszahl zu ermitteln, misst die digitale Technik den Stromverbrauch alle 15 Minuten. Das ergibt über den Tag 96 Einzelwerte. "Das ermöglicht es den Verbrauchern, zu erkennen, wo bestimmte Verbrauchsspitzen auftreten", erläutert der Energieexperte. "Steigt der Verbrauch zum Beispiel immer besonders stark an, wenn die Waschmaschine läuft, kann es sein, dass es sich um ein älteres, wenig energieeffizientes Gerät handelt. Auf solche Dinge kann der Verbraucher dann reagieren."

Lässt sich mit dem Smart Meter Geld sparen?

Mit einem Smart Meter allein spart man noch kein Geld. Er soll aber durch eine bessere Visualisierung des Stromverbrauchs Verbraucher zum Stromsparen motivieren. "Je besser die gesetzlich vorgesehene Visualisierung jetzt in der Praxis umgesetzt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Zugewinn an Information dem Verbraucher tatsächlich zugutekommt", sagt Bettina Cebulla von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Der Verbraucher muss zusätzlich allerdings wissen, wie die visualisierten Daten zur Energieeinsparung genutzt werden können." Und das hat auch mit Motivation zu tun: Man muss bewusst seinen Stromverbrauch reduzieren.

Es ist aber laut Cebulla fraglich, ob die potenziell erzielbaren Einsparpotenziale die mit einem Smart Meter verbundenen Mehrkosten überhaupt kompensieren können. "Vermutlich zahlt der Verbraucher in der Regel selbst bei einer Verminderung des Stromverbrauchs und einem bestmöglichen variablen Stromtarif beim Betrieb eines Smart Meter unter dem Strich drauf", sagt Cebulla.

Warum sollte man sich dann einen Smart Meter vielleicht sogar freiwillig anschaffen?

In Zukunft könnte auf die Kostenfrage eine andere Antwort folgen. "Die Technik birgt große Zukunftschancen und ist ein wichtiger Bestandteil eines Smart Homes", findet Feicht. "Sie ermöglicht ein intelligentes Energiemanagement." Da ein Smart Meter mit Gateway kommunizieren kann, wird es künftig zum Beispiel möglich sein, flexible Stromtarife anzubieten und elektrische Hausgeräte automatisch einzuschalten, wenn der Strom besonders günstig ist. Auch Wärmepumpen oder Elektroautos lassen sich zu optimalen Strombezugszeiten günstiger aufladen. "Die Energieversorger arbeiten zurzeit mit Hochdruck an entsprechenden Angeboten und variablen Tarifen", erklärt Feicht. Die Voraussetzung werde jedoch sein, dass sich die Verbraucher bereit erklären, Daten bereitzustellen.

Wer baut den Smart Meter ein?

Den Einbau übernehmen die Messstellen-Betreiber. "Das sind in der Regel die örtlichen Netzbetreiber", erklärt Corinna Kodim vom Eigentümerschutzverband Haus & Grund Deutschland. "Es gibt aber auch unabhängige Anbieter, die die Erfassung und das Management von Energie als Dienstleistung anbieten." Die Firmen kommen von sich aus auf Hausbesitzer und Verwalter zu. Mieter müssen nicht aktiv werden. "Sie können die Installation der intelligenten Zähler aber auch nicht ablehnen - und das obwohl ihnen damit zusätzlich Kosten entstehen."

Welche Kosten kommen auf die Verbraucher zu?

Es gibt eine gesetzliche Obergrenze. "Aktuell liegt sie bei den betroffenen Abnehmern mit mehr als 10.000 bis 20.000 Kilowattstunden Verbrauch bei 130 Euro jährlich", erläutert Kodim. Haushalte mit einem Verbrauch zwischen 6000 und 10.000 Kilowattstunden, die von 2020 an aufgerüstet werden, sollen nicht mehr als 100 Euro jährlich zahlen müssen. Doch es ist mit weiteren Kosten zu rechnen.

"Die Plätze der alten ausrangierten Stromzähler eignen sich nicht für die neue Technik", erklärt Kodim. Um das Smart Meter am Zähler zu befestigen, wird ein Adapter benötigt, denn die alten Halterungen der herkömmlichen Ferraris-Zähler passen nicht. "Es ist davon auszugehen, dass ganze Zählerschränke ausgetauscht werden müssen. Dadurch können Kosten von mehreren Tausend Euro entstehen, die zunächst der Hauseigentümer trägt", erläutert die Expertin. "Sind Wohnungen vermietet, kann er die Kosten über die Modernisierungsumlage an die Mieter weitergeben."

Hier einen günstigen Stromanbieter finden

Quelle: ntv.de, Katja Fischer, dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.