Ratgeber
Montag, 27. Oktober 2008

Vorgegaukelte Qualität: Etikettenschwindel beim Einkauf

Für Kunden ist oft nur schwer zu erkennen, ob ein Nahrungsmittel tatsächlich die auf der Verpackung versprochene Qualität hat. "Standardware wird häufig zu teuren Premiumprodukten umetikettiert", sagte Anne Markwardt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Das damit verbundene Qualitätsversprechen lasse sich kaum nachvollziehen. "Die Schnäppchen-Mentalität im Supermarkt ist gar nicht so falsch", sagte die Leiterin der Foodwatch-Kampagne abgespeist.de, die im Internet regelmäßig Produktschwindel bei Lebensmitteln anprangert.

Als Beispiel nannte Markwardt einen Fruchtaufstrich, der als No-Name-Produkt pro Kilogramm 2,90 bis 3,90 Euro koste. Als Konfitüre etikettiert, gelange die gleiche Ware für 5,80 Euro und als Premiumprodukt für 8,40 Euro pro Kilo in den Handel. "Laut Hersteller haben alle drei dieselbe Herstellungsart. Es ist daher nicht nachzuvollziehen, warum das Premiumprodukt deutlich mehr kostet." Teuer bedeute nicht unbedingt gut und billig nicht schlecht.

"Originale Rezeptur"

Beschriftungen wie "besonders erlesene Früchte" versprechen der Expertin zufolge eine besondere Qualität, die Konsumenten zum Teil beim Geschmack oder Anblick nicht nachvollziehen könnten. Gesetzlich geschützt seien Begriffe wie "erlesen", "traditionell hergestellt", "originale Rezeptur" oder "ausgesucht" nicht. Häufig sei auch unklar, wo die Rohstoffe herkommen, wie sie verarbeitet sind und was der Unterschied zu Produkten aus anderen Preisklassen ist. "Verbraucher brauchen bessere Informationsrechte, die sie bei den Herstellern einfordern können müssen, und die Hersteller müssten verpflichtet sein, diese Auskünfte zu geben", forderte Markwardt.

Auch die Angabe "ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker" führt laut Markwardt oft in die Irre. Vielfach sei in einem Produkt dann Hefeextrakt enthalten, der als Geschmacksverstärker dient, aber nicht als solcher gekennzeichnet werden muss. Zwar können Verbraucher die Zutatenliste genau studieren. Häufig fehle dazu aber die Zeit und auch das nötige Fachwissen, um die Angaben richtig zu interpretieren.

Bezeichnungen wie "ausgewogen" oder "gesund" sollten ebenfalls vorsichtig behandelt werden, empfiehlt Markwardt: "Sie suggerieren, dass das Produkt geeignet ist, zur Traumfigur zu kommen, auch wenn es zu einem Drittel aus Zucker besteht." Ähnlich verhalte es sich mit der Beschriftung "ersetzt Obst" zum Beispiel auf "Smoothies"-Getränken aus dem Kühlregal: "Sie sind laut Ernährungswissenschaftlern mit maximal einem Glas Saft gleichzusetzen, kosten aber viermal so viel." Hinzu komme auch dort oft ein versteckter Zuckergehalt.

Quelle: n-tv.de