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"Ampel zeigt für viele mittelrot" Fast jeder Zehnte ist überschuldet

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(Foto: Creditreform/Boniversum/microm)

Den neuen Fernseher gibt's per Null-Prozent-Finanzierung und der Kredit beim Möbelhaus beginnt erst Monate nach dem Kauf zu laufen - Schulden machen war in den letzten Jahren so einfach wie nie. Doch nun bekommen Verbraucher die Quittung für den Konsumrausch.

Immer mehr Verbraucher in Deutschland können ihre Schulden nicht mehr schultern. Das beklagt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem neuen Schuldneratlas. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Überschuldeten über 18 Jahre um 90.000 gestiegen. Damit habe die sogenannte Schuldnerquote in Deutschland von 9,81 Prozent auf 9,90 Prozent nochmals zugelegt. Insgesamt standen 6,7 Millionen Menschen in Deutschland - fast jeder zehnte Volljährige - so tief in der Kreide, dass sie "nachhaltige Zahlungsstörungen" aufwiesen, heißt es.

Dabei ist die Zahl der leicht überschuldeten Haushalte sogar zurückgegangen. Es sind vor allem die schweren Fälle, die die Zahlen in die Höhe treiben, also solche, in denen bereits rechtliche Schritte gegen den Schuldner eingeleitet wurden. "Offenbar zeigen der 'Kaufrausch' der Vorjahre und die Inanspruchnahme des Privatkonsums zur Konjunkturstützung und Wirtschaftsbelebung zeitversetzt Folgewirkungen", heißt es in der Studie. Viele Menschen, die zunächst nur Schwierigkeiten hatten, ihre Konsumkredite abzuzahlen, seien in eine anhaltende Schuldenspirale geraten. Angesichts der derzeit geringen Sparneigung der Deutschen rechnen die Autoren auch nicht mit einer Verbesserung der Situation – im Gegenteil: Für viele Verbraucher stehe die Überschuldungsampel derzeit auf "mittelrot." 

Bayern steht am besten da

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(Foto: Creditreform/Boniversum/microm)

Bundesweite Spitzenreiter bei der Überschuldung sind Bremerhaven mit einer Quote von 20,41 Prozent sowie Pirmasens (18,34 Prozent) und Offenbach am Main (18,04 Prozent). Die positive Liste mit den niedrigsten Schuldnerquoten wird von drei Städten in Bayern angeführt: In Eichstätt liegt die Zahl mit 3,67 Prozent nicht mal halb so hoch wie der Durchschnitt und auch in Erlangen-Höchstadt und in Schweinfurt haben weniger als fünf Prozent der Bürger ein Schuldenproblem. Im Vergleich der Bundesländer steht Bayern dann auch am besten da, gefolgt von Baden-Württemberg und Thüringen. Schlusslichter im bundesweiten Vergleich sind Bremen und Berlin. Hier liegen die Schuldnerquoten bei über 13 Prozent. Auch in Sachsen-Anhalt sind die Schuldnerzahlen weit überdurchschnittlich und die Situation hat sich im letzten Jahr spürbar verschlechtert.

Meist ist das Überschuldungsrisiko in Großstädten und Ballungsräumen höher als auf dem Land. Einen Grund dafür sehen die Studienautoren in den höheren Konsumreizen, denen die Bevölkerung dort ausgesetzt sei. Ein anderer sei, dass soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Einkommensarmut hier eher zur Überschuldung führten als in ländlichen Regionen. Gerade im prekären Milieu der unteren Mittelschicht und der Unterschicht würde Konsum oft auf Kredit finanziert, um den Anschluss an die gesellschaftliche Mitte zu halten.

Schulden als Selbstverständlichkeit

Unter den Grundsicherungs-Empfängern dürfte er Anteil der Überschuldeten bei etwa 15 Prozent liegen, wie eine Umfrage unter den entsprechenden Ämtern ergab. Rund eine Million Menschen befinden sich demnach in einer generationsübergreifenden Verschuldung, in der schon Kinder die Geldnot als Normalität wahrnehmen. Insgesamt sind heute aber etwas weniger junge Leute überschuldet als im letzten Jahr, die Statistik zählt rund 1,75 Millionen Betroffene unter 30 Jahren.

Und zuletzt findet sich auch eine gute Nachricht im Schuldenatlas: Die Höhe der Schulden ist gesunken. Standen die Betroffenen im Jahr 2006 noch mit durchschnittlich 36.900 Euro in der Kreide, so waren es 2014 nur noch 32.600 Euro.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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