Ratgeber

Verkauf von Lebensversicherungen Finanzaufsicht warnt vor Betrug

Viele Besitzer von Lebensversicherungen sind wegen finanzieller Engpässe dazu gezwungen ihre Police zu verkaufen. Bei einer Veräußerung auf dem Zweitmarkt sind die Konditionen dabei meist besser als direkt beim eigenen Versicherer. Doch Vorsicht ist geboten, dort lauern auch Betrüger, die mit hohen Beträgen und Renditen locken.

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Die Finanzaufsicht warnt vor Betrügern, die beim Aufkauf von Lebensversicherungen mit hohen Beträgen und Renditen locken.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Finanzaufsicht warnt vor Betrügern, die beim Aufkauf von Lebensversicherungen mit hohen Beträgen und Renditen locken. Rund 60 solcher Anbieter stünden im Visier, sagte der Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Ben Fischer, am Donnerstag (1. März) in Bonn und bestätigte einen Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD). Gegen vier Anbieter sei die Finanzaufsicht schon gerichtlich vorgegangen, Hunderte betroffener Bürger hätten Strafanzeige gestellt, mehrere Staatsanwaltschaften ermittelten.

Wer eine Lebensversicherung hat, könnte etwa wegen Geldnot zum Verkauf der Police gezwungen sein. Da die normalen Rückkaufwerte der Versicherer meist niedrig sind, werben laut "FTD" dubiose Anbieter über Internet, E-Mails und Callcenter mit deutlich höheren Beträgen. Wenn aber nur ein Teil direkt und der Rest in Raten ausgezahlt werden soll und zugleich "traumhafte Renditen" versprochen würden, sei Vorsicht geboten. "Oft steckt dahinter den Finanzermittlern zufolge ein Schneeballsystem - am Ende lösen die Betrüger die Versicherungspolicen ein und machen Kasse."

Große Zweifel

Seit 2009 haben die Finanzermittler laut "FTD" verstärkt Anbieter aufgespürt, die Lebensversicherungen aufkaufen und dabei in Raten zahlen wollen. "Wir beobachten die Entwicklung in diesem Markt mit großer Sorge", sagte BaFin-Exekutivdirektor Michael Sell dem Blatt. Bei der großen Mehrheit der Anbieter gebe es große Zweifel, dass das gegebene Renditeversprechen realistisch sei. "Der Innovationskraft der Abzocker sind hier keine Grenzen gesetzt." Gutgläubige würden auch in den Schwarzen Kapitalmarkt gelockt.

Enormes Schadenspotenzial

"Jedes einzelne dieser Anlageangebote hat ein Schadenspotenzial im mindestens siebenstelligen Bereich", wird Sell in dem Bericht zitiert. Gegen den reinen Verkauf einer Police, bei dem der Kaufpreis sofort bezahlt werde, sei nichts einzuwenden. "Aber wir wollen vor den Abzockern warnen."

Allein im Jahr 2010 wurden laut "FTD" Policen im Wert von 13,1 Milliarden Euro storniert. Seit 1999 haben Versicherte in Deutschland die Möglichkeit, ihre Versicherung auf dem sogenannten Zweitmarkt zu veräußern. Die Konditionen sind dabei meist besser als direkt beim eigenen Versicherer.

"Wir haben kein Problem mit den Lebensversicherungen als solchen, aber mit diesem Zweitmarkt", sagte BaFin-Sprecher Fischer. Die Lockangebote seien auch deshalb problematisch, weil sie teilweise erlaubnispflichtig seien. Wenn es hier den Verdacht auf unerlaubte Bankgeschäfte und Betrug gebe, sei dies Sache für staatsanwaltschaftliche Ermittlungen.

Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät Verkaufswilligen auf folgende Punkte zu achten.

Angebote einholen

"Bevor man seine Police verkauft, sollte man immer mehrere Angebote einholen", empfiehlt Weidenbach. Informationen über Firmen, die Lebensversicherungen aufkaufen, finden sich unter anderem im Internet. Diese Firmen bewerten Versicherungsgesellschaften, bei denen Verbraucher ihre Lebensversicherung abgeschlossen haben, unterschiedlich. So kommt es zu unterschiedlichen Kaufpreisen. "Bei besonders hohen Angeboten sollte man misstrauisch werden", sagt Weidenbach. Wenn nur ein Teil direkt und der Rest in Raten ausgezahlt werden soll und zugleich "traumhafte Renditen" versprochen würden, sei Vorsicht geboten. "Oft steckt dahinter den Finanzermittlern zufolge ein Schneeballsystem - am Ende lösen die Betrüger die Versicherungspolicen ein und machen Kasse."

Käufer begutachten

 Verbraucher sollten ihre Police nicht dem erstbesten Käufer überlassen. "Vor der Unterschrift unter einen Vertrag sollte sich jeder das Unternehmen genauer ansehen", empfiehlt Bianca Boss vom Bund des Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. So sollte etwa geprüft werden, wie lange das Unternehmen bereits auf dem Markt ist und ob Geschäftsberichte Einblicke in die finanzielle und wirtschaftliche Lage des Policenkäufers geben. Bei der großen Mehrheit der Anbieter gibt es große Zweifel, dass das gegebene Renditeversprechen realistisch ist. "Der Innovationskraft der Abzocker sind hier keine Grenzen gesetzt." Gutgläubige würden auch in den Schwarzen Kapitalmarkt gelockt. Ein Hinweis auf ein seriöses Unternehmen sei zudem die Mitgliedschaft im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen.

Auszahlungweise prüfen

 Ein wichtige Frage für Verbraucher ist: Wie wird der Kaufpreis für die Lebensversicherung ausbezahlt? Einige Aufkäufer werben damit, dass sie hohe Kaufpreise versprechen, vorerst aber nur einen Teil der Summe ausbezahlen. Der Rest soll in Raten oder erst dann, wenn ein Investor für die Police gefunden wurde, bezahlt werden. "Das ist aber riskant", erklärt Weidenbach. Denn im Falle einer Insolvenz des Käufers gehen Kunden am Ende leer aus. "Am besten ist es daher, wenn der Kaufpreis komplett gezahlt wird."

Quelle: ntv.de, awi/dpa

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