Ratgeber

Ja-Wort am Telefon Gericht erlaubt "Handschuhehe"

Kein Ringtausch, kein Kuss: Das Ja-Wort am Telefon muss reichen.

Kein Ringtausch, kein Kuss: Das Ja-Wort am Telefon muss reichen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Eine nach ausländischem Recht geschlossene Ehe ist in Deutschland gültig, auch wenn sich die Partner noch nie gesehen haben. Das hat das Pfälzische Oberlandesgericht (OLG) entschieden. Nach Auffassung der Richter ist allein maßgebend, ob das ausländische Recht diese Form der Eheschließung zulässt. Deutsche Rechtsmaßstäbe seien dann nicht anzulegen (Az.: 3 W 175/10).

Das Gericht gab mit seinem Beschluss einem Ehepaar Recht, das die Ehe nach pakistanischem Recht geschlossen hatte. Die Eheschließung fand per Telefon statt. Ehemann und Ehefrau sahen sich erst Monate später zum ersten Mal persönlich. Nach pakistanischem Recht ist eine solche "Handschuhehe" zulässig.

Anders als der Standesbeamte in Deutschland, der sich geweigert hatte, die Eheschließung anzuerkennen, hatte das OLG keine Bedenken. Zwar könne nach deutschem Recht eine Ehe nur persönlich und in Anwesenheit beider Ehepartner geschlossen werden. Das stehe aber einer Anerkennung einer nach anderen Bräuchen und Rechtsregeln geschlossenen Ehe nicht entgegen.

Der Begriff Handschuhehe leitet sich laut Wikipedia von der früher üblichen Überreichung eines Handschuhs als Sinnzeichen der Botenbeauftragung ab. Die Stellvertretung bei der Eheschließung war historisch vor allem in Adelskreisen weit verbreitet und ist heute noch in einigen Rechtsordnungen möglich. In den deutschsprachigen Ländern ist für die Eheschließung jedoch überall die höchstpersönliche Mitwirkung erforderlich und eine Stellvertretertrauung daher ausgeschlossen.

Quelle: ntv.de, dpa

Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen