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Baugeld wieder billiger Hurra, es geht abwärts!

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Bauherren können darauf spekulieren, dass der Zins-Abwärtstrend noch eine Weile anhält.

(Foto: imago/Rust)

Gute Nachrichten für Bauherren: Die Zinsen für Hypothekendarlehen sind auf dem Weg zu neuen Tiefstständen. Was angehende Eigenheimbesitzer beachten sollten, um sich die optimalen Konditionen zu sichern.

Damit hatte niemand gerechnet. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) zum Jahresende 2018 ihre umstrittenen Anleihenkäufe eingestellt hat, gingen fast alle Marktbeobachter davon aus, dass sich die Zinsen - zumindest peu à peu - wieder dem Normalniveau annähern. Davon aber kann derzeit keine Rede sein. Im Gegenteil.

Einen Schritt vorwärts, zwei zurück

Die Inflation in der Eurozone ist seit Oktober 2018 von 2,5 auf 1,4 Prozent abgesackt und damit weit entfernt von den 2 Prozent, die die EZB für gesund hält. Auch die Rendite der Bundesanleihe hat sich noch einmal deutlich nach unten entwickelt. Sie rutschte von 0,55 auf kaum noch messbare 0,09 Prozent. Hinzu kommt, dass sich die Konjunkturaussichten (nicht nur in Deutschland) deutlich eintrüben.

Bei der EZB überlegt man inzwischen sogar, den Banken langfristige günstige Refinanzierungsmöglichkeiten anzubieten, denn es scheint nicht ausgeschlossen, dass der bisherige Tiefststand bei der Rendite der Bundesanleihe noch einmal erreicht wird: Er lag im Juli 2016 bei minus 0,20 Prozent. Doch auch die Ertragsaussichten vieler anderer Zinsprodukten sind in Bewegung, wie die Chartübersicht auf der FMH-Seite zeigt.

Trump, Brexit und Italien verbilligen das Baugeld

Was genau diese Entwicklung verursacht, lässt sich zwar nicht mit Gewissheit sagen. Die Liste der potenziellen Ursachen ist dafür umso länger.

  • Die Gefahr eines harten Brexits besteht nach wie vor,
  • die Kraftmeierei der Großmächte, ob militärisch oder wirtschaftlich, verunsichert die Märkte,
  • das Wirtschaftswachstum in der EU schwächelt,
  • Schwankungen beim Ölpreis (der sich im Dezember 2018 verbilligte) beeinflussen die Inflation, und dann sind da noch
  • die Finanzlage Italiens und die (mindestens ebenso instabile) politische Lage des Landes.

Die Verunsicherung ist also weiterhin groß. Und weil jede Art von Unsicherheit dazu beiträgt, dass Kapitalanleger Verlässlichkeit höher schätzen als Renditeaussichten, setzt in Zeiten wie diesen ein wahrer Run auf "sichere Häfen" ein. Wie etwa die Bundesanleihe. Die hohe Nachfrage drückt die Rendite, das wiederum färbt ab auf die Ertragsaussichten der Pfandbriefe - und die beeinflussen die Höhe der Baugeldzinsen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Wie sich die Hypothekenzinsen, Anlagezinsen oder auch Bundesanleihen täglich verändern, können Sie auf der FMH-Seite "Zinsentwicklung" schnell und übersichtlich verfolgen.

Wie geht es weiter?

Bauherren können durchaus darauf spekulieren, dass der Abwärtstrend noch eine Weile anhält. Für die kommenden Wochen hält die FMH-Finanzberatung Abschläge von weiteren 0,15 Prozentpunkten durchaus für möglich. Bei einem Darlehen von 250.000 Euro ließen sich damit innerhalb von 20 Jahren Laufzeit rund 7400 Euro sparen.

Die Kaufentscheidung wegen möglicher Zinssenkungen zu verschieben, ist aber keine gute Idee: Denn der Run auf Immobilien nimmt gerade wieder zu. Wer wartet, riskiert, dass die guten Objekte schon weg oder nur noch gegen deutlichen Preisaufschlag zu haben sind.

Zudem bringt die gezielte Auswahl des besten Anbieters oft eine wesentlich höhere Ersparnis als das Hoffen auf zu erwartende Minizinsen. In der Detailversion des Bauzinsvergleichs der FMH-Finanzberatung erhalten Sie nicht nur die günstigsten Zinsen, sondern Sie können auch gleich vorgeben, wie viel Sondertilgung oder Tilgungsveränderung der Geldgeber anbieten soll und was der Einbau eines KfW-Darlehens verändern würde.

Fazit: Wer jetzt ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, sollte nicht auf noch bessere Zinsen warten, sondern sich aktiv um eine optimale Finanzierung bemühen. Das spart in der Regel am meisten Geld und stellt sicher, dass der Kredit auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de

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