Ratgeber

Gründe für die Frührente Immer mehr sind psychisch krank

Im Vorjahr mussten sich bundesweit fast 71.000 Männer und Frauen wegen seelischer Störungen vor Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren in den Ruhestand verabschieden. 2009 waren es noch knapp 64.500 gewesen, die deshalb erstmals eine Erwerbsminderungsrente bekamen. Dies geht aus neuen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervor, die der "Süddeutschen Zeitung" vorlagen.

Psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen haben sich demnach in den vergangenen zehn Jahren zum Hauptgrund für das unfreiwillige vorzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben entwickelt. Von den 181.000 Fällen von verminderter Erwerbsfähigkeit waren 39,3 Prozent psychisch bedingt.  An zweiter Stelle stehen Schwierigkeiten mit Skelett und Muskeln, gefolgt von Herz- und Kreislauferkrankungen.

Arbeitswelt im Wandel

Ob Arbeitnehmer heute tatsächlich so viel mehr als früher unter den Folgen von beruflichem Stress leiden, ist aber unklar. Eine wichtige Rolle spiele die "Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen", so Axel Reimann von der DRV gegenüber der Zeitung. Weil über das Thema inzwischen offener geredet werde, diagnostizierten die Ärzte heute eben eher psychische Ursachen von Leiden.  Zudem spiegelt sich in der Entwicklung auch der Wandel der Arbeitswelt wider: Während immer weniger Menschen körperlich arbeiten, nimmt die geistige Belastung zu.

Auffällig ist aber auch ein anderer Trend: Der Ernstfall tritt immer früher ein. 1980 waren erwerbs- und berufsunfähige Neurentner im Durchschnitt 56 Jahre alt. Heute sind sie etwas über 50, diejenigen mit psychischen Störungen sogar noch jünger, nämlich im Schnitt 48,3 Jahre. Unabhängig von der Krankheit lehnt die Rentenversicherung aber gut 43 Prozent aller Anträge auf eine Erwerbsminderungsrente ab, weil die Voraussetzungen dafür fehlen. 

Vergleich: Berufsunfähigkeitsversicherungen

Quelle: ntv.de, ino/dpa