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Blaumachen mit "gelbem Schein" Kann die Firma die Krankschreibung prüfen?

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(Foto: imago/Eibner)

Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Übelkeit - wer es drauf anlegt, kann dem Hausarzt alle möglichen Symptome vorgaukeln, um eine Krankschreibung zu bekommen. Aber was, wenn der Arbeitgeber Verdacht schöpft?

Der beliebte Brückentag war schon von Kollegen blockiert? Die Frühschicht am Samstag verträgt sich so gar nicht mit den Plänen für den Freitagabend? Nach der Urlaubsreise wäre ein freier Tag zur Eingewöhnung schön? Wer arbeitsmoralisch flexibel ist, ruft in der Firma an und meldet sich krank. Umfragen legen nahe, dass etwas jeder zehnte Beschäftigte gelegentlich blaumacht. Gerade häufige kurze Krankmeldungen wecken den Argwohn von Vorgesetzten. Was ist, wenn der Arbeitgeber einem die Krankheit nicht abnimmt?

Grundsätzlich sind Krankschreibungen im Entgeltfortzahlungsgesetz geregelt: Der Erkrankte muss so früh wie möglich - in der Regel innerhalb der ersten halben Stunde nach Arbeitsbeginn - Bescheid geben, dass er nicht erscheint. Spätestens am vierten Krankheitstag muss er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegen. Der "gelbe Schein" kann aber auch schon früher fällig werden, wenn das so im Arbeits- oder Tarifvertrag steht. Außerdem können Firmen von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie sofort zum Arzt gehen. Dafür muss nicht einmal der Verdacht bestehen, dass die Krankheit vorgetäuscht ist. 

Egal welche Vorgaben in der Firma gelten: Man sollte sie einhalten, sonst droht eine Abmahnung. Verraten, woran man erkrankt ist, muss man aber nicht. Ob ein Arbeitnehmer wegen eines Tumorverdachts untersucht wird oder einfach nur mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit zu Hause bleibt, geht weder die Vorgesetzten noch die Kollegen etwas an. Der Arzt vermerkt nur die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit, aber nicht den Grund. Eine Ausnahme gilt nur bei schwerwiegenden Infektionskrankheiten, die sich auf Kollegen oder Kunden übertragen könnten. Wenn der Arzt zum Beispiel eine Tuberkulose diagnostiziert, dann ist der Schutz von Dritten wichtiger als das Persönlichkeitsrecht.

Verdacht auf Gefälligkeitskrankschreibung

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Was passiert, wenn der Arbeitgeber nicht glauben will, dass der Krankgemeldete wirklich krank ist? Etwa weil dieser auffällig oft fehlt und meistens nur für einen Tag? Oder weil er besonders häufig montags oder freitags flachliegt? Oder an Tagen, an denen ihm kein Urlaub bewilligt wurde?

Oft muss man nicht einmal ein begnadeter Schauspieler sein, um vom Arzt als Gesunder eine Krankschreibung zu bekommen. Das weiß auch der Arbeitgeber. Und hartnäckige Blaumacher kennen meist auch "großzügige" Praxen. Das Problem für die Firma ist, dass dem ärztlichen Attest ein hoher Beweiswert zukommt. Beim Verdacht auf "Gefälligkeitskrankschreibungen" hat sie aber Möglichkeiten.

Firma kann unabhängige Untersuchung verlangen

Bei ernsthaften Zweifeln kann der Arbeitgeber nämlich verlangen, dass sich der Krankgeschriebene durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) untersuchen lässt. Solche Zweifel können in den oben beschriebenen Fällen bestehen. Auch wenn es vorher innerbetriebliche Differenzen gab oder der Mitarbeiter sogar schon angekündigt hat, sich krankschreiben zu lassen, kann der MDK ins Spiel kommen. Auch Patienten, die offenbar "Ärztehopping" betreiben, also häufig Atteste verschiedener Ärzte präsentieren, können zum MDK bestellt werden.

Umgekehrt kann es aber auch auffällig sein, wenn eine Arztpraxis besonders häufig Krankschreibungen ausstellt. Die Ärzte des MDK sind jedenfalls zur Neutralität verpflichtet, anders als beim Hausarzt spielt die persönliche Verbindung zwischen Arzt und Patient hier keine Rolle.

Wie der Hausarzt darf auch der MDK dem Arbeitgeber keine Informationen über die echte oder vorgeschobene Krankheit liefern. Die Krankenkasse berichtet lediglich, ob der Mitarbeiter tatsächlich arbeitsunfähig ist und wenn ja, ob länger oder kürzer als vom Hausarzt attestiert. Stellt sich heraus, dass der Arzt wider besseres Wissen eine Krankschreibung ausgestellt hat, kann die Firma von ihm Schadensersatz verlangen. Der Arbeitnehmer muss sein Gehalt nicht zurückzahlen. Wenn er gar nicht zur Untersuchung erscheint, kann ihm aber der Lohn gestrichen werden.

Quelle: n-tv.de

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