Ratgeber

Raleigh Dover Lite im Test Königlich Fahrrad fahren

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Der Weg zur Arbeit ist mit dem Auto ist ein teures Vergnügen. Laut Berechnungen des ADAC kostet der gefahrene Kilometer mindestens rund 25 Cent und das auch nur mit dem zweisitzigen Smart. Auf einem ganz anderen Blatt steht, ob Autofahren in der Stadt überhaupt ein Vergnügen ist. Meist fährt man ja eh nicht, sondern steht im Stau.

Bleibt als Alternative noch der öffentliche Nahverkehr zumindest in Städten und Ballungsräumen. Ein Vergnügen ist dies freilich auch nicht. Denn gerade im Berufsverkehr steht man mit hunderten anderen dicht gedrängt auf Bahnsteigen, in Bussen und Wagons.

Fahrradfahrschweiß unerwünscht

Eine weitere Möglichkeit: Das Fahrrad zumindest, wenn die Strecke nicht zu lang ist. Der Wehrmutstropfen ist allerdings, dass man die Strecke zur Arbeit möglichst schnell überwinden möchte und dabei dann zwangsläufig ins Schwitzen kommt. Dem setzen die Fahrradhersteller Pedelecs (Pedal Electric Cycle) entgegen.

Ein Elektromotor sorgt für leichteres Vorwärtskommen. Im Prinzip ist es, als würde eine zweite Person mit in die Pedale treten, aber nur ein paar Kilo Gewicht mitbringen. Damit E-Bikes nicht anders als ihre Artgenossen ohne Motor behandelt werden, gelten strenge Auflagen. Der Motor darf 250 Watt Leistung nicht überschreiten, die E-Bikes dürfen bis auf eine Anfahrhilfe bis 6 km/h nicht nur mit Motorleistung fahren und wird das Rad schneller als 25 km/h, muss sich die Tretunterstützung automatisch abschalten.

Keine Helm- und Zulassungspflicht

Werden alle diese Regeln eingehalten, handelt es sich nach dem Gesetz um ein ganz normales Fahrrad. Das heißt: Keine Helmpflicht, kein Versicherungskennzeichen wie bei Mofas, Fahren auf Fahrradwegen erlaubt also perfekt geeignet für ein zügiges Vorwärtskommen im Stadtverkehr.

Ob ein Pedelec sich tatsächlich als Ersatz für Auto oder öffentlichen Nahverkehr eignet, wollten wir in einem Praxistest herausfinden. Dazu haben wir uns für eines der leichtesten Pedelecs entschieden, die momentan am Markt erhältlich sind: Das Raleigh Dover Lite wiegt knapp 21 Kilo inklusive Elektromotor und Akku. Ein unmotorisiertes City- oder Tourenbike bringt es auf etwa vier bis fünf Kilo weniger.

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Motor und Akku

Das Herzstück des Dover Lite ist ein Panasonic-Antrieb (250 Watt) und ein moderner Lithium-Ionen-Akku (26V/10 Ah). Per Knopfdruck kann der Motor zugeschaltet werden. Die Tretunterstützung spürt man wahlweise in drei unterschiedlichen Stärken. Das Bedienelement ist neben dem linken Lenkergriff untergebracht. Drei Leuchtdioden zeigen, welche Tretunterstützungsstufe man ausgewählt hat, drei weitere geben Auskunft über den Ladezustand des Akkus. Außerdem wird über das Bedienelement das Licht ein- und ausgeschaltet, das ebenfalls über den Akku gespeist wird.

Am rechten Lenkergriff wird die 8-Gang-Nabenschaltung gesteuert, die – wie viele Elemente des Rades von Shimano stammt. Der Motor schaltet sich auf Wunsch automatisch zu, sobald in die Pedale getreten wird. Wer das erste Mal auf das Dover Lite steigt, wird erstaunt sein, wie stark das Rad mit wenig Mühe beschleunigt. Für die Stadt, wo man oft an Ampeln anhalten muss, ist das eine große Erleichterung. Ebenfalls positiv wirkt sich da die 8-Gang-Nabenschaltung aus. Wer mit einem hohen Gang zum Stillstand kommt, kann problemlos runterschalten. Das macht die Kettenschaltung nicht mit.

Arbeitsweg als Teststrecke

Als Teststrecke muss der Arbeitsweg herhalten. Rund 14,5 Kilometer liegen zwischen dem Wohnsitz und dem Arbeitsplatz. Da für die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwei Mal umgestiegen werden muss, beträgt die Zeit von Haustür zu Arbeitstür rund eine Stunde. Mit dem Auto braucht man im Berufsverkehr in der Regel sogar über eine Stunde. Mit einem gewöhnlichen Fahrrad und der Kondition eines Gelegenheitsfahrers ist man ebenfalls mit einer guten Stunde dabei. Mit dem Dover Lite konnte die Fahrzeit auf 40 bis 45 Minuten verkürzt werden mit höchst möglicher Tretunterstützung.

Unterm Strich ergibt sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit im Stadtverkehr von 19,5 bis 21,5 km/h beim Dover Lite gegenüber 14 bis 14,5 km/h mit einem normalen Tourenrad, was zu einer Zeitersparnis von 25 Prozent und mehr führt. Weiterer Vorteil: Man kommt wesentlich ungeschwitzter an. Wenn man es ganz ruhig angehen lässt, klappt es vielleicht auch ganz ohne Schweiß.

Bergen und Wind trotzen

Wer Berlin kennt weiß, dass hier der Wind ganz schön blasen kann. Es sind also weniger die Berge – da gibt es keine nennenswerten sondern eher der Wind, der das Radeln beschwerlich machen kann. Berge oder Wind können einem mit dem E-Bike nicht viel anhaben. Das hilft beim Treten so viel, dass man sich sogar eher einen neunten und zehnten Gang wünschen würde. Wäre der Akku nicht, könnte man das Dover Lite kaum von einem normalen Fahrrad unterscheiden. Im Gegensatz zu vielen anderen Pedelecs bleibt der Gepäckträger voll funktionstüchtig. Bei einigen E-Bikes wird der Akku oberhalb des Gepäckträgers oder in Gepäckträgertaschen transportiert, was sich auf einem Ausflug als weniger hilfreich erweisen könnte. Der Akku des Dover Lite ist mit einem Schloss gesichert, muss aber zum Aufladen herausgenommen werden. Wäre der Akku fest mit dem Rad verbunden, müsste man immer mit dem ganzen Rad zur nächsten Steckdose.

Auf der Kostenseite reißt ein Pedelec ein wesentlich tieferes Loch als ein Citybike ins Portemonnaie. Während man für 600 bis 800 Euro mit Sicherheit ein gutes Citybike bekommt, kostet unser Testrad Dover Lite laut der unverbindlichen Preisempfehlung von Raleigh 2.200 Euro inklusive Akku und Ladegerät.

Reichweite und Haltbarkeit

Raleigh gibt die Reichweite einer Akkuladung mit bis zu 80 Kilometern an. Bezogen auf unsere Teststrecke sollte man realistischer Weise davon ausgehen, das nach zwei Hin- und Rückfahrten (rund 60 Kilometer) ein Nachladen anzuraten ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich auf der Strecke der Akku verabschiedet und man wieder mit reiner Muskelkraft unterwegs ist. Das ist mit dem Dover Lite wegen des relativ geringen Gewichts kein Problem, aber ja nicht das eigentliche Ziel. Wer auf bergigen Strecken unterwegs ist, sollte allerdings mit einer deutlich geringeren Kilometerleistung pro Akkuladung rechnen.

Der Akku soll laut Raleigh rund 500 Mal wieder aufladbar sein. Zwar gibt es keinen Memory-Effekt der Akku kann also auch in nur halb entladenem Zustand wieder ins Ladegerät trotzdem ist es insgesamt kostengünstiger, wenn der Akku immer weitgehend entladen ist. Mit unserem Testrad käme man auf diese Weise theoretisch 30.000 Kilometer weit.

Ein Zweitakku oder späterer Nachkauf kostet rund 600 Euro. Wenn man davon ausgeht, dass der Akku 400 Ladungen schafft und man damit 24.000 Kilometer bewältigt, kostet der Akkukilometer 2,5 Cent zuzüglich Stromkosten von 0,1 Euro. Die Stromkosten von ca. 6 Cent pro Akkuladung können also vernachlässigt werden. Bei einer Reichweite von 30 Kilometern pro Akkuladung käme man auf 5,2 Cent pro Akkukilometer.

Fazit: Die Testwoche mit rund 180 zurückgelegten Kilometern hat das Raleih Dover Lite ohne Beanstandungen überstanden. Insgesamt wirkt das Rad optisch ansprechend, solide verarbeitet und ist eine echte Alternative zum ÖPNV und Auto, um den Arbeitsplatz ungeschwitzt zu erreichen. Wie anfällig der Motor tatsächlich ist und wie wartungsanfällig das Rad insgesamt ist, könnte nur ein Langzeittest zeigen. Erst dann ist eine abschließende Beurteilung der Gesamtkosten möglich. Ein Wehrmutstropfen bleibt: Wenn es regnet, sitzt man letztlich auf einem Fahrrad und wird nass. Für die Dauernutzung bei Wind und Wetter braucht man dann noch die richtige Kleidung.

Quelle: n-tv.de