Ratgeber

Bis zu 0,9 Prozentpunkte günstiger Krankenkassen verkünden Beitragssätze

Schluss mit dem Einheitsbeitrag: Ab dem nächsten Jahr dürfen die Krankenkassen wieder selbst entscheiden, wie viel ihre Versicherten zahlen müssen - zumindest zum Teil. Inzwischen sind die meisten Beitragssätze bekannt. Für manche Kunden kann es teurer werden.

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Bislang traut sich keine Kasse, über 0,9 Prozent Zusatzbeitrag zu erheben. Möglich wäre das aber.

(Foto: imago/Westend61)

Die Krankenversicherung wird 2015 für viele Menschen billiger. Mehr als 40 Kassen werden ihre Beitragssätze zum nächsten Jahr ändern und keine davon wird mehr verlangen als bisher. Im Bestfall zahlen die Versicherten nur noch 14,6 Prozent, das ist aber wohl nur bei zwei kleineren, regionalen Kassen der Fall.

Hintergrund ist die Neuregelung der allgemeinen Beitragssätze. Seit der Einführung des Gesundheitsfonds im Jahr 2009 gilt für alle Kassen ein Einheitssatz und der liegt seit 2011 bei 15,5 Prozent. 7,3 Prozent davon übernimmt der Arbeitgeber, den Rest der Arbeitnehmer - inklusive eines Sonderbeitrags von 0,9 Prozent. Dieser Sonderbeitrag fällt ab dem kommenden Jahr weg. Festgeschrieben ist dann nur noch der allgemeine Beitragssatz von dann 14,6 Prozent. Die Kassen dürfen beliebig mehr verlangen, aber nicht weniger. Den Zusatzbeitrag zahlt dann wiederum der Arbeitnehmer.

Wie viel die einzelnen Krankenkassen ab 2015 verlangen, müssen sie ihren Mitgliedern bis zum 31. Dezember schriftlich mitteilen. Nachdem sich die meisten Unternehmen lange bedeckt gehalten haben, liegen inzwischen vielerorts die Karten auf dem Tisch. Als die Stiftung Warentest Anfang Dezember bei den 92 für alle geöffneten Kassen nachfragte, gaben 59 ihre Werte bekannt. Bis Ende der Woche dürften auch die letzten Anbieter folgen.

Prämienrückerstattung entfällt

Die Beitragssätze der fünf größten Kassen
KrankenkasseBeitragssatz 2015
Techniker Krankenkasse15,4 %
Barmer GEK15,5 %
DAK Gesundheit15,5 %
AOK Bayern15,5 %
AOK Baden-Württemberg15,5 %

Für die gut neun Millionen Mitglieder der Techniker Krankenkasse wird sich nicht viel ändern. Sie zahlen ab dem kommenden Jahr insgesamt 15,4 statt 15,5 Prozent. Offenbar hat es die TK nicht nötig, sich auf einen Preiskampf einzulassen. Ihre Rücklagen von drei Milliarden Euro würden es erlauben. Bei einem Bruttoeinkommen von 3000 Euro bringt die Beitragsabsenkung 3 Euro Entlastung im Monat, also 36 Euro im Jahr. Gutverdiener, die über der Beitragsbemessungsgrenze von 4125 Euro liegen, zahlen monatlich gut 4 Euro weniger.

Sparen werden sie am Ende aber nicht, denn mit der Beitragsreform ist auch die Möglichkeit weggefallen, die Versicherten über Prämien an den Gewinnen zu beteiligen. Dieses Jahr zahlt die Techniker ihren Mitgliedern 80 Euro, einfach fürs Dabeisein. 2015 geht das nicht mehr, unterm Strich kommen die Kunden also sogar schlechter weg. Spitzenreiter bei den Ausschüttungen war bislang die BKK Mobil Oil, deren Kunden sich zuletzt über eine "Mobil-Prämie" von bis zu 120 Euro freuen durften. Auch sie verlangt künftig 15,4 Prozent, ohne Bonus wird es also teurer.

Deutlich weniger bezahlen ab 2015 die Kunden der AOK Plus und der AOK Sachsen-Anhalt. Sie gehören zu den wenigen Kassen, deren Beitragssatz unter die 15-Prozent-Marke rutscht. Genaugenommen auf 14,9 Prozent, was bis zu 25 Euro weniger im Monat bedeutet. Mit der BKK Euregio und der Metzinger BKK haben bislang zwei Kassen angekündigt, komplett auf den Zusatzbeitrag zu verzichten. Sie wollen mit 14,6 Prozent auskommen. Für die Kunden bringt das, je nach Einkommen, bis zu 37 Euro Entlastung im Monat. Bei einem Bruttolohn von 2000 Euro sinkt der Beitrag beispielsweise um 18 Euro.

Wechseln mit zwei Monaten Frist

Unterschieden sich die Versicherungen bislang nur in ihren Leistungen, könnte sich ein Wechsel jetzt also auch wieder finanziell lohnen. Der Umstieg ist einfach: Verlangt die Kasse ab 2015 einen Zusatzbeitrag – und das tut jede Kasse, die sich nicht mit 14,6 Prozent zufrieden gibt – kann man bis Ende Januar kündigen. Die Frist beträgt jeweils zwei Monate zum Monatsende. Wer im Januar kündigt, kann also im April in einer neuen Kasse sein. Bis dahin muss man den erhöhten Beitrag beim der bisherigen Anbieter aber bezahlen. Unabhängig vom Sonderkündigungsrecht kann jeder wechseln, der seit mindestens 18 Monaten bei der gleichen Kasse versichert ist. Auch hier gilt die Zweimonatsfrist.

Wer nur wegen des günstigeren Preises wechselt, sollte im Blick haben, dass die Kassen ihre Beiträge jederzeit erhöhen können. Der Preis sollte deshalb nicht das einzige Kriterium bei der Kassenwahl sein. Etwa fünf Prozent ihrer Leistungen können die Kassen selbst festlegen. Dazu zählen beispielsweise verbesserte Angebote zur häuslichen Krankenpflege, zur künstlichen Befruchtung oder zum Zahnersatz. Einige Anbieter werben mit erweitertem Impfschutz, mit Naturheilverfahren oder Hebammenleistungen. Auch bei Bonusprogrammen gibt es Spielraum.

Einige Kassen schrauben ihre Extraleistungen im nächsten Jahr zurück –  womöglich auch eine Folge des sinkenden Beitragssatzes. So bezuschusst die Techniker Krankenkasse Osteopathie künftig nur noch mit 120 Euro statt bisher mit 360 Euro. Wer sich bei der BKK Mobil Oil künftig 200 Euro Aktiv-Prämie sichern will, muss acht Vorsorgemaßnahmen nachweisen. Bisher reichten drei.  

Quelle: ntv.de, ino

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