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Tantra-Praktiken sind Sex Masseurin muss Vergnügungssteuer zahlen

Bei einer Tantra-Massage wird der Intimbereich bewusst mit eingeschlossen. Und genau deshalb erhebt der Staat ein Anspruch auf Vergnügungssteuer. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg unterstützt das Ansinnen des Staates.

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Tantra-Masseurin Monika Kochs hatte gegen die Zahlung einer Vergnügungssteuer geklagt.

(Foto: dpa)

Tantra-Massagen sind sexuelles Vergnügen und damit steuerpflichtig. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim wies die Revisionsklage der Besitzerin eines Massagesalons gegen die Stadt Stuttgart ab, wie das Gericht mitteilte. Nach Auffassung der Richter bietet die Klägerin in ihrem Betrieb gezielt die "Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen" (AZ: 2 S 3/14). Die Klägerin machte dagegen geltend, dass die Ganzkörpermassagen nach striktem Tantra-Ritual abliefen. Sie seien nicht in erster Linie auf das sexuelle Vergnügen, sondern auf ganzheitliches Wohlbefinden ausgerichtet.

Im vergangenen Herbst war die Frau vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart mit einer Klage gegen die Steuer gescheitert. Die Entscheidung kann innerhalb eines Monats nach Zustellung des schriftlichen Urteils durch Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden.

"Intimbereich gehört zum ganzen Körper"

Die Anbieterin von Tantra-Massagen, Monika Kochs, hatte gegen die von der baden-württembergischen Landeshauptstadt festgesetzten Vergnügungssteuern geklagt, wie sie etwa Bordelle, Laufhäuser oder Swingerclubs zu zahlen haben. 840 Euro waren ihr 2012 für zwei Monate berechnet worden. Eine sogenannte Sexsteuer gibt es neben Stuttgart in etlichen deutschen Städten, aber längst nicht in allen.

Bei den Tantra-Massagen entkleiden sich Kunde und Masseurin und sind dann beide völlig nackt. "Wir sind mit den Klienten kleidungsmäßig immer auf der gleichen Stufe", sagte die Klägerin. Bei der Massage werde der Intimbereich bewusst mit eingeschlossen, weil er "halt zum ganzen Körper" gehöre.

Die Anwendung folge einem strikt einzuhaltenden Ritus. Ein Orgasmus sei dabei möglich. Hauptzweck sei aber nicht das sexuelle Vergnügen, sondern das ganzheitliche Wohlbefinden im Sinne der tantrischen Erkenntnislehre. Geschlechtsverkehr finde nicht statt.

Bereits der Vorsitzende Richter am Verwaltungsgericht Stuttgart hatte damals eingeräumt, dass der Vergleich mit bordellähnlichen Einrichtungen möglicherweise "nicht so ganz" passe. Gut wäre, sagte er, wenn die Stadt für Grenzfälle wie diesen einen eigenen Tatbestand definiert hätte. So aber gebe es nur Schwarz oder Weiß, und das Gericht müsse dazwischen wählen.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

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