Ratgeber
Montag, 11. Juni 2007

Auch ohne Zwang: Meisterbrief bleibt Gütesiegel

Der Meistertitel ist nicht nur in der Bundesliga begehrt. Tausende von Gesellen der unterschiedlichsten Berufe büffeln jedes Jahr, um die Prüfungen für die "Königsklasse" im Handwerk zu bestehen.

"Der Meisterbrief ist das Aushängeschild für Qualität und Kompetenz", sagt Alexander Konrad von der Handwerkskammer in Düsseldorf. Eine Umfrage unter Jungmeistern des größten deutschen Kammerbezirks im vergangenen Jahr ergab, dass 88 Prozent der Befragten den Meister als Voraussetzung für Führungspositionen in ihrem Handwerk ansehen. "Die Praxis zeigt, dass der Meisterbrief als Gütesiegel für Qualität und Qualifizierung wichtige Wettbewerbsvorteile bietet", erklärt der Generalsekretär des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin, Hanns-Eberhard Schleyer.

Seit Januar 2004 besteht die Meisterpflicht nur noch in 41 statt zuvor 94 Berufen. In 53 Handwerken ist es möglich, dass Gesellen auch ohne Meisterbrief einen Betrieb gründen oder übernehmen. Wer allerdings den Gesellenbrief besitzt und in einem anderen Handwerk Meister werden will, muss darin mindestens zwei Jahre Berufstätigkeit nachweisen, sagt Achim Leonhardt von der Handwerkskammer Freiburg.

Auch die besten Gesellen müssen fleißig lernen, um für die Meisterprüfung fit zu werden. "Alle von ihnen besuchen Meisterschulen, um sich in Theorie und Praxis auf die Prüfung vorzubereiten", erklärt Leonhardt. Mehr als 3.000 Meisterschulen bieten gegen Schulgeld Kurse an, in Vollzeit oder berufsbegleitend.

Mit dem dort vermittelten Wissen können sich die Handwerker zur Meisterprüfung anmelden, die aus vier Teilen besteht: Fachpraxis, Fachtheorie, Betriebswirtschaft und Recht sowie Berufs- und Arbeitspädagogik. Die Meisterprüfungen haben zuletzt 22.000 Gesellen erfolgreich bestanden - gut 87 Prozent der Angetretenen.

Ulrich Brand von der Kammer Düsseldorf weist darauf hin, dass Meister in Nordrhein-Westfalen ohne zusätzliche Einstiegstests zum Studium an Fachhochschulen zugelassen sind. In den einzelnen Bundesländern gelten unterschiedliche Voraussetzungen für die Zulassung zum Studium, das in der Regel fachbezogen sein muss oder sich auf Betriebswirtschaft konzentriert. "In Bayern bekommen Meister die Fachhochschulberechtigung, wenn sie ihre Prüfung im Freistaat abgelegt haben und zu den 20 Prozent der Besten zählen", erklärt Richard Zierer von der Handwerkskammer München.

Viele Unternehmen finanzieren inzwischen die Ausbildung zu Meistern. Der Staat hilft mit dem Meister-Bafög. Alleinstehende können bis zu 614 Euro monatlich bekommen, Verheiratete 829 Euro. Gezahlt wird maximal 60 Monate lang. Etwa ein Drittel der Summe gibt es als Zuschuss, den Rest als Darlehen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert gebührenfrei über die Hotline 0800/622 36 34 über das Meister-Bafög.

Quelle: n-tv.de