Ratgeber

Schadensminderungspflicht beachten Mietwagen darf nicht teuer sein

Muss ein Autofahrer nach einem Unfall einen Ersatzfahrzeug mieten, sollten die Kosten für den Mietwagen nicht deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen. Andernfalls muss die Versicherung des Unfallgegners die Mehrkosten nicht tragen.

Nach einem unverschuldeten Unfall muss die gegnerische Versicherung den Vollkaskoschutz für den Mietwagen des Geschädigten übernehmen. Foto: Daniel Reinhardt

Nach einem unverschuldeten Unfall muss die gegnerische Versicherung ggf. auch einen Mietwagen bezahlen.

(Foto: dpa)

Kann ein Unfallgeschädigter einen Mietwagen verlangen, muss er die verschiedenen Angebote prüfen und den günstigsten wähle n, sonst verstößt er gegen seine Schadensminderungspflicht, wie das Amtsgericht München entschieden hat (Az.: 343 C 8764/13).

In dem verhandelten Fall parkte eine Frau ihren PKW in einer Straße in München, als ihr ein anderer Wagen hineinfuhr. Die Reparaturkosten in Höhe von 2676 Euro bezahlte die Versicherung des Unfallverursachers. Als die Unfallgeschädigte auch noch 1129 Euro Mietwagenkosten erstatten sollte, weigerte sie sich jedoch. Dies sei für 5 Tage zu teuer, argumentierte die Versicherung und bezahlte 330 Euro und verwies auf günstigere Tarife.

Daraufhin klagte die Fahrerin vor dem Amtsgericht München. Die zuständige Richterin wies die Klage jedoch ab. Demnach könne die Geschädigte die Kosten verlangen, die ein verständiger wirtschaftlich vernünftig denkender Mensch in seiner Lage für zweckmäßig und notwendig halten dürfte.

Bei der Frage der Höhe der Mietwagenkosten komme es darauf an, ob die Unfallgeschädigte ihre Schadensminderungspflicht verletzt habe. Dies sei dann der Fall, wenn die Unfallgeschädigte einen entsprechenden Mietwagen zu günstigeren Konditionen hätte anmieten können. Dabei müsse sie sich, soweit es ihr in der konkreten Situation zugemutet werden könne, nach Vergleichstarifen erkundigen, so das Gericht.

Im vorliegenden Fall wäre eine Anmietung eines vergleichbaren Fahrzeugs bei verschiedenen Mietwagenfirmen zu Preisen von 239 Euro, 274,32 Euro, 337,60 Euro bzw. 367,97 Euro möglich gewesen. Damit lag der von der Versicherung vorgerichtlich auf die Mietwagenkosten bereits bezahlte Betrag über dem, was objektiv erforderlich gewesen wäre, um ein vergleichbares Ersatzfahrzeug anzumieten.

Der Einwand der Geschädigten, sie habe sich wegen ihrer Vollzeitberufstätigkeit nicht nach Tarifen erkundigen können, sei nicht nachvollziehbar. Der Unfall habe sich mehr als 3 Monate vor dem Zeitraum ereignet, in dem sie ihr Fahrzeug reparieren ließ. Die Mietwagentarife könnten telefonisch nach einem Blick in die "Gelben Seiten" bei den verschiedenen Firmen erfragt werden oder im Internet leicht recherchiert werden. Der entsprechende zeitliche Aufwand könne von der Klägerin erwartet werden, begründete das Gericht sein Urteil.

Quelle: ntv.de, awi

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