Ratgeber

Private Krankenversicherung Mit Billig-Tarif in der Kosten-Falle

Selbständige und Gutverdiener haben die Wahl, gesetzlich oder privat krankenversichert zu sein. Die Angebote für Privatversicherte klingen verlockend. Auf den ersten Blick sieht es sogar so aus, als bekäme man mehr Leistung zum günstigeren Preis. Doch die Billigtarife sind mit Vorsicht zu genießen.

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Privatpatienten genießen nicht unbedingt Vorzugsbehandlung. Es kommt auf den Tarif an.

(Foto: Gerd Altmann/Gerold Meiners, pixelio.de)

Gibt man in eine Suchmaschine im Internet "Krankenversicherung" ein, hagelt es Anzeigen – vorzugsweise von Versicherungsvermittlern und Marketinggesellschaften, die im besten Fall eine private Krankenversicherung (PKV) vermitteln möchten oder einfach nur Adressdaten sammeln. Mit Beiträgen wird da so sehr gegeizt, dass selbst einem gesetzlich Versicherten ganz schwindelig werden kann.

"Private KV ab 38,74 Euro monatlich" heißt es da, oder "Selbständig ab 59 Euro – Top Privat-Krankenversicherung". Kein einziger Beitragssatz über 59 Euro monatlich ist weit und breit zu sehen. Das Wörtchen "ab" ist da allerdings Programm, denn für solche Beiträge ist man weder gut abgesichert noch wird man zum Patienten erster Klasse. Selbst ein gesunder 20-jähriger Mann ist zu solchen Dumpingpreisen kaum versicherbar.

In der gesetzlichen Krankversicherung zahlen Selbständige mindestens 340 Euro. Dafür erhalten sie den gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungsschutz sowie Krankengeld ab dem 43. Tag. Existenzgründer mit geringem Einkommen müssen mindestens 226 Euro pro Monat für diese Leistung zahlen.

Günstig nur mit Leistungseinschränkungen

Eine private Krankenversicherung ist da zwar günstiger möglich, doch laut Stiftung Warentest nur mit Leistungseinschränkungen gegenüber den normalen PKV-Tarifen. Und das auch nur, wenn der Versicherte Single, kinderlos und deutlich jünger als der zum Vergleich herangezogene 35-jährige Modellkunde ist.

Wer sich das Leistungsspektrum günstiger PKV-Tarife anschaut, fühlt sich stark an die GKV-Leistungen erinnert. Mehrbettzimmer im Krankenhaus, keine Chefarztbehandlung, begrenzte Erstattung beim Zahnersatz, keine Zuschüsse für Brillen und Kontaktlinsen, Zuzahlung, wenn statt des günstiger Generika Originalpräparate zum Einsatz kommen, keine Heilpraktikerbehandlung und statt freier Arztwahl geht es erst mal zum Hausarzt. Das alles liest sich nicht unbedingt wie die Wunschliste eines künftigen PKV-Patienten.

Die Stiftung Warentest rät daher zur Vorsicht beim Wechsel in die PKV. Oftmals werden mit Argumenten wie "ich werde nicht krank" in jungen Jahren leistungsschwache Tarife mit hohen Selbstbehalten abgeschlossen. Später kann sich dies als fataler Fehler herausstellen. Denn wer später in einen leistungsstärkeren Tarif wechseln will, muss sich meist einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen.

Hohe Selbstbehalte und ungünstige Vertragsklauseln

Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für einen gesetzlich Versicherten liegen für die Krankenkassen bei rund 2400 Euro. Wer in der PKV jährliche Selbstbehalte von 1000 Euro und mehr abschließt, kann damit rechnen, dass er diese im Laufe seines Lebens auch zahlen wird, und sollte entsprechende Rücklagen bilden.

Außerdem gibt es eine Reihe von ungünstigen Vertragsklauseln, auf die man laut Stiftung Warentest verstärkt achten sollte. Grundsätzlich muss man sich bewusst sein, dass Arzthonorare zunächst aus eigener Tasche beglichen und Rechnungen zur Erstattung an die PKV weitergeben werden müssen. Blöd, wenn dann der Arzt mehr berechnet, als die PKV erstattet. Das kann durchaus passieren, denn Ärzte dürfen bei Privatpatienten bis zum 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung (GOÄ) berechnen. Günstige Tarife sehen aber teilweise nur eine Kostenerstattung bis zum 1,8-fachen oder 2,3-fachen Satz vor. Im schlimmsten Fall zahlt der Patient so fast die Hälfte der Arztrechnung aus eigener Tasche. Das gleiche Problem tritt bei Zahnarztrechnungen auf.

Ausschluss und Deckelung beim Zahnarzt

Andere Tarife deckeln die Kosten bei Zahnersatz oder Zahnbehandlung zum Beispiel auf 1000 oder 1500 Euro. Darüber hinausgehende Kosten muss der Patient selbst zahlen. Es gibt sogar Tarife, die überhaupt keine Erstattung für Zahnersatz wie Kronen, Brücken und Prothesen vorsehen oder diesen nur hälftig begleichen. Hier können hohe Kosten auf den Versicherten zukommen.

Keine Kostenübernahmen lauern auch bei Hilfsmitteln wie Hörgeräten, Rollstühlen und Prothesen und er Heilmittelbehandlung wie Krankengymnastik, Logopädie oder medizinischen Massagen. Wer nach einem Unfall oder Schlaganfall lange behandelt wird, muss alle Kosten aus der eigenen Tasche zahlen.

Selbst wer in jungen Jahren relativ günstig PKV-Patient wird, sollte mit stark steigenden Beitragssätzen rechnen. Die Stiftung Warentest geht davon aus, dass sich die Beiträge bis zum Rentenalter vervielfachen werden.

Quelle: ntv.de

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