Ratgeber

Von edel bis Aldi Müssen E-Bikes teuer sein?

Die aktuell getesteten E-Bikes schnitten besser ab. Foto: Stiftung Warentest

E-Bikes sind inzwischen auch bei jüngeren Fahrern beliebt.

(Foto: dpa)

Als die Stiftung Warentest vor drei Jahren zum ersten Mal E-Bikes auf den Prüfstand schickte, war das Ergebnis desaströs. Jetzt gibt es einen neuen Test und diesmal sieht es schon besser aus.

Während Elektroautos in Deutschland nicht so richtig ins Rollen kommen wollen, ist die Elektromobilität in der Zweiradindustrie längst angelangt. 535.000 E-Bikes sind im vergangenen Jahr verkauft worden, rund 2,5 Millionen dürften inzwischen über deutsche Straßen rollen. Wie immer bei neuen technischen Entwicklungen tut sich am Anfang besonders viel. Als die Stiftung Warentest im Jahr 2013 zum ersten Mal 16 E-Bikes auf den Prüfstand stellte, fielen ganze 9 davon durch, 2 waren gut. Drei Jahre später ist eine neue Modellgeneration beim Test am Start. Von 15 Rädern scheitern immer noch 5 in Sachen Sicherheit. Diesmal gibt es aber auch immerhin 7 empfehlenswerte Räder.

Wie auch schon bei den letzten Malen konzentrierte sich die Stiftung auf E-Bikes mit sieben oder acht Gängen und tiefem Einstieg, eben klassische "Rentnerräder". Das günstigste Modell kostete 900 Euro bei Aldi Nord, das teuerste war ein 3200-Euro-Modell vom Schweizer Edel-Hersteller Flyer. Die meisten anderen Räder im Test waren in der Preisklasse deutlich über 2000 Euro angesiedelt. Dass man für ein gutes E-Bike gar nicht so viel ausgeben muss, beweist das Riverside City von Decathlon. 1800 Euro ruft der französische Sportartikel-Händler für das laut Warentest "erstaunlich hochwertige und gut ausgerüstete" Pedelec auf. Anders als bei den meisten Konkurrenten gibt es hier zwar keine gefederte Sattelstütze, dafür gehört das Riverside aber auch zu den leichteren Rädern im Test. Nicht ganz unwichtig, wann man mal ohne Motorzuschaltung unterwegs ist.

60 Kilometer sind realistisch

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Ein Prüfstand simuliert 20.000 Kilometer Dauerbelastung.

Die Kapazitäten der E-Bike-Akkus haben in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht, teils werben Hersteller mit Reichweiten um die 150 Kilometer oder sogar mehr. Wie beim Benzinverbrauch von Autos bezieht sich das allerdings auf Idealbedingungen: Gerade Strecke, kein Wind, geringe Motorunterstützung. Die Warentester wählten für ihren Vergleich ein ungünstigeres Setting: Eine hügelige Strecke, bei der der Motor auf mittlerer oder hoher Stufe dazugeschaltet war. Hier kamen die meisten Räder auf Reichweiten um die 60 Kilometer. Deutlich mehr Durchhaltevermögen legten die Kandidaten von Raleigh und KTM an den Tag, mit ihnen kam man rund 80 Kilometer weit. Sehr schwachbrüstig war dagegen das ECU 1603 von Fischer. Es schaffte gerade mal 39 Kilometer.

Dass das Fischer-Modell für 1200 Euro auf einem der letzten Plätze landete, hatte aber noch einen anderen Grund: Es versagte in der Stabilitätsprüfung, und das gleich mehrfach. Eine gebrochene Sattelstütze und ein beidseitig gebrochener Gepäckträger waren die Bilanz des 20.000-Kilometer-Dauertests. Auch das Aldi-Rad hielt auf dem Prüfstand nicht durch, die Sattelklemmung brach. Die gleiche Schwachstelle führte auch beim Kettler Traveller E Tour zur Abwertung, mit über 2500 Euro nicht gerade ein Billig-Bike. Beim Pegasus Premio E8 F für rund 2400 Euro gab der Gepäckträger den Geist auf. Das letzte "mangelhaft" getestete Rad war das Stevens E-Courier Forma für 2700 Euro. Hier ging zwar nichts zu Bruch, allerdings bemängelten die Tester die schlechte Bremsleistung des Modells. Auch das Pegasus und das Aldi-Rad kamen bei voller Beladung nicht rechtzeitig zum Stehen.

Schalten am Berg ist schwierig

Ein langer Bremsweg kann vor allem beim Bergabfahren zum Risikofaktor werden. Beim Bergauffahren gab es andere Probleme: Oft kamen die Testpiloten nicht rechtzeitig in den niedrigeren Gang, weil die Nabenschaltungen unter Last nicht funktionierten. Normalerweise würde ein Sekundenbruchteil ohne Druck auf dem Pedal reichen, um zu schalten. Doch bei Pedelecs schiebt der Elektromotor noch eine Weile nach. Am besten lösen Räder mit Impule-2.0.Antrieb das Problem, im Test waren das die Modelle von Kalkhoff und Raleigh. Richtig gut funktionierten sie laut "Warentest" aber auch nicht.

Wer viel in hügeligen Gefilden unterwegs ist, sollte auch das Thema Fahrstabilität im Auge behalten. Die ist bei Tiefeinsteigern generell ein heikles Thema, manche Räder im Test waren aber deutlich schwammiger als andere, zumindest beim Fahren mit Gepäck. Die Modelle von Diamant und Stevens pendelten dann bei schnellen Lenkmanövern oft nach. Fahrstabil in allen Situationen waren dagegen unter anderem die Modelle von Flyer und Victoria, die auch in der Gesamtwertung an der Spitze lagen. Beide sind auch ohne Motor sehr gut zu fahren. Auch beim Raleigh Dover Impulse 8 HS kommt man bei Bedarf auch mit purer Muskelkraft voran.

Das günstige Decathlon-Modell kam insgesamt auf den dritten Platz. Ansonsten hat Qualität bei E-Bikes auch einen stolzen Preis: Testsieger Flyer war mit seinen 3300 Euro der teuerste Kandidat und auch das Victoria 7.9 ist mit 2700 Euro nicht unbedingt ein Schnäppchen.

Quelle: ntv.de, ino