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Gewissensentscheidung mit Folgen Nach Kirchenaustritt gekündigt

Fast 20 Jahre lang kümmert sich ein Sozialarbeiter bei der Caritas um sozial benachteiligte Kinder. Nach dem Skandal um Missbrauchsfälle in der Kirche tritt er aus. Es ist eine Gewissensentscheidung, die er mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes bezahlt. Zu Recht, urteilt das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg.

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Wer aus der Kirche austreten will, muss das persönlich beim Standesamt oder dem zuständigen Amtsgericht veranlassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weit über 180.000 Austritte registrierte die katholische Kirche 2010, in dem Jahr, als die massenhaften Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen öffentlich wurden. Doch diese Form der Missbilligung kann im schlimmsten Fall den Job kosten, wie ein Mitarbeiter der Caritas erfahren musste. Das Landesarbeitsgericht (LAG) Baden-Württemberg hat seine Kündigung nun für rechtens erklärt.

Der Mann war fast 20 Jahre lang als Sozialarbeiter bei einem Caritasverband beschäftigt und betreute hier sozial benachteiligte Kinder. Dabei ging es vor allem um Freizeitangebote und Hausaufgabenbetreuung, Religion spielte bei der Arbeit keine Rolle. Anfang 2011 trat der Sozialarbeiter aus der Kirche aus. Seinen Schritt begründete er gegenüber dem Vorgesetzten mit den zahlreichen Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen sowie den Vorgängen um die Piusbruderschaft und die Karfreitagsliturgie, die in einer antijudaischen Tradition der Kirche stünden.

Grundrechtseinschränkung vertretbar

Diese Gründe spielten für den Arbeitgeber jedoch keine Rolle. Ein Kirchenaustritt lasse sich nicht mit dem Selbstverständnis des Caritasverbandes in Einklang bringen. Der Sozialarbeiter erhielt daraufhin eine außerordentliche Kündigung, wollte diese aber nicht hinnehmen. Zum einen wirke sich sein Kirchenaustritt nicht auf seine Arbeit im sozialen Zentrum aus. Zum anderen habe er mit seiner Entscheidung zum Kirchenaustritt von seinem Grundrecht auf Gewissensfreiheit Gebrauch gemacht. Angesichts der Missbrauchsfälle habe es die katholische Kirche letztlich selbst zu vertreten, dass er sich so entschieden habe.

Das sah das Arbeitsgericht Mannheim und nun auch das LAG allerdings anders: Aus Sicht der Kirche ist der Austritt nämlich ein gravierender Verstoß gegen die Glaubens- und Sittenlehre. Als Angestellter der Kirche habe der Kläger damit seine arbeitsvertraglichen Loyalitätspflichten in schwerwiegender Weise verletzt, so das Urteil. Zwar sei das Grundrecht auf Gewissensfreiheit bei einem kirchlichen Arbeitgeber eingeschränkt. Dies sei allerdings unbedenklich, schließlich stehe es jedem frei, ein Arbeitsverhältnis mit der Kirche einzugehen oder eben nicht. Auf dem Arbeitsmarkt für soziale Berufe habe die katholische Kirche mit ihren Einrichtungen zwar eine starke Stellung, sei aber kein Monopolist. Die Kündigung sei daher rechtens. Noch ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen: Das LAG hat die Berufung am Bundesarbeitsgericht zugelassen.    

Quelle: n-tv.de, ino

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