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Kleine Änderungen im Alltag Nachhaltig leben kann jeder - so geht's

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Obst lose, statt einzeln in Plastik verpackt - mit einfachen Tricks wie diesem lässt sich der Alltag einfach nachhaltiger gestalten.

Die Themen Umwelt- und Klimaschutz sind in aller Munde. Neben den politischen Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und der Verpackungsabfälle können Verbraucher auch im Alltag für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Dabei helfen kleine Veränderungen im Verhalten.

Laut einer Schätzung der Weltnaturschutzunion (IUCN) gelangen jedes Jahr 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Auch wenn die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit noch nicht erforscht sind, ist das eine bedenkliche Menge. Denn: "Es dauert Jahre, bis sich Plastik wieder abbaut", warnt Wiebke Elbe von der Natur- und Umweltschutzorganisation WWF.

Deutschland liegt im Bereich der Umweltsünder dabei weit vorn: In den Jahren 2015 und 2016 betrug der Plastikverpackungsabfall 37,6 Kilogramm pro Einwohner. Damit liegen die Deutschen im EU-weiten Vergleich auf Platz drei, wobei Irland mit 57,9 Kilogramm der Spitzenreiter beim Produzieren von Plastikmüll ist.

Ein grüner Lifestyle bedeutet jedoch nicht nur, die Umwelt zu schonen, sondern auch den Geldbeutel. Wie genau das jedoch geht, darüber herrscht oft Unklarheit. Es reicht nämlich nicht, öfter mal das Auto stehen zu lassen oder weniger Fleisch zu essen. Zu einem nachhaltigen Leben gehört insbesondere die Änderung altvertrauter Gewohnheiten.

Wer nun glaubt, das erfordere alles viel Aufwand und Zeit, irrt. Ein nachhaltigeres Leben lässt sich mit vielen kleinen Schritten umsetzen. "Es kann ein wahnsinnig befreiendes Gefühl sein, wirklich den ersten Schritt zu gehen und ich würde auch herzlich dazu animieren, nicht das Gefühl zu haben, dass es gleich das große Rad sein muss, an dem man dreht, sondern mit kleinen Schritten anzufangen. Das macht schon viel aus", sagt Elbe. Aber wie sehen diese aus?

Plastik muss nicht sein

Egal, ob zu Hause oder unterwegs: Der Plastikverbrauch kann mit ein paar einfachen Hilfsmitteln und Verhaltensänderungen reduziert werden. "Es lohnt sich, eine Woche lang zu gucken, was man eigentlich alles wegwirft an Plastikmüll und was man davon im Alltag umstellen könnte", sagt die Umwelt-Expertin.

Ein gutes Beispiel sind Plastiktrinkhalme. Sie werden oft nur einmal verwendet und landen dann im Müll. Wer dennoch nicht auf Trinkhalme verzichten möchte, sollte auf welche aus Glas oder Edelstahl umsteigen. Diese sind plastikfrei und mehrfach verwendbar. Zudem sehen sie auch noch viel edler aus als herkömmliche Trinkhalme. Damit sie auch gut gereinigt werden können, sind die Öko-Halme meist im Set mit einer Reinigungsbürste erhältlich.

Auch das Kaffeekochen lässt sich nachhaltiger gestalten: Im Buch "Dein Weg zur Nachhaltigkeit" empfehlen Leena Volland und Florian Schreckenbach, Papierfilter durch dauerhafte Metall- oder Baumwollfilter zu ersetzen. Eine Alternative sind filterlose Kaffeemaschinen wie die French Press. Unterwegs sind To-go-Becher zwar bequem, aber für den ökologischen Fußabdruck nicht sehr gut. Wer Kaffee, Tee und Co. dennoch außer Haus genießen möchte, sollte laut WWF auf Mehrwegbecher umsteigen.

Loses Gemüse schont Ressourcen

Beim Einkauf im Supermarkt rät Elbe, Obst und Gemüse lose einzukaufen. "Das hat übrigens auch den Vorteil, dass man vielleicht weniger einkauft. Bei verschweißten Verpackungen landet ja oftmals doch vieles wieder im Müll, weil man es nicht verbrauchen kann", so die WWF-Mitarbeiterin. Bereits vorhandene Tupperdosen und andere Behältnisse können zudem problemlos in den Supermarkt mitgenommen werden. "Hat man keine Behältnisse zu Hause, sind natürlich Edelstahlboxen die sinnvollere Variante", erklärt sie.

Fleisch und Käse können direkt an der Theke gekauft und in das mitgebrachte Behältnis gelegt werden. Beim Einkaufen sollten außerdem Mehrweg-Tragetaschen gegenüber Einweg-Taschen bevorzugt werden. Sie ersetzen schon heute zunehmend Plastik- und Papiertüten und sind mittlerweile an fast jeder Kasse erhältlich. Wer Geld sparen will, geht mit einem großen Rucksack einkaufen oder bringt seine eigenen Mehrweg-Tüten mit.

Beim Thema Wasser spalten sich die Ansichten. Obwohl es mittlerweile viele Wassersprudler zu kaufen gibt, lehnen viele Menschen Leitungswasser ab. Wasser in Mehrwegplastikflaschen ist jedoch auch keine umweltschonende Alternative: "Das ist kein geschlossener Kreislauf, denn Mehrwegplastik kann in den Recyclingsystemen auch zu minderwertigem Plastik verarbeitet werden", warnt Elbe. Wer keine Glasflaschen schleppen will, kann sich das Wasser auch liefern lassen. Das ist laut Elbe vor allem dann sinnvoll, wenn die Transportwege kurz sind, wie zum Beispiel beim Supermarkt um die Ecke.

In großen Städten wie Berlin gibt es zudem auch verpackungsfreie Supermärkte, bei denen alle Produkte "offen" angeboten werden. "Da kann man auch seine alte Flüssigwaschmittelverpackung mitnehmen und nachfüllen lassen. Ähnlich gut geht das auch bei Kosmetika, denn dort gibt es auch Shampoos und Seifen in fester Seifenform", berichtet Elbe. Hat man bei einem Spontaneinkauf keine Behältnisse dabei, können im Laden wiederverwendbare (Pfand-)behälter ausgeliehen werden.

Wie viel Mikroplastik in Kosmetikartikeln enthalten ist, erfährt man übrigens in der App "Codecheck". Man scannt den Barcode des jeweiligen Produktes und erhält Informationen darüber, wie problematisch die einzelnen Inhaltstoffe für die Umwelt sowie die Gesundheit sind. Immerhin zeigt eine Studie, dass der Mensch pro Woche die Masse einer Kreditkarte an Mikroplastik aufnimmt. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind bisher noch nicht gänzlich erforscht.

Auch Reisen geht nachhaltiger

Fliegen gehört zu den größten Umweltsünden. "Wenn Sie einmal im Jahr auf die Kanaren fliegen, haben Sie Ihr Treibhausbudget des ganzen Jahres verbraucht. Dann wäre es empfehlenswert, wenn Sie Ihren CO2-Abdruck kompensieren und beim nächsten Urlaub keine Flugreise wählen, sondern mit dem Zug fahren", sagt Elbe. WWF empfiehlt außerdem, Reiseziele mit schlechten Umwelt- und Naturschutzstandards wie schmutzige Strände oder unkontrollierter Bebauung zu meiden.

Beim Sonnen- und Insektenschutz sollten umweltfreundliche Alternativen bevorzugt werden. Bei der Auswahl der Unterkunft oder des Verkehrsmittels können Reisewillige bereits umweltfreundliche Kriterien berücksichtigen. In den meisten Industriestaaten kann zudem die eigene Flasche zum Nachfüllen mit Trinkwasser mitgenommen werden. Weitere Informationen zum nachhaltigen Reisen gibt es auf der Webseite des WWF.

Quelle: n-tv.de

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