Ratgeber

Nach dem Unfall Nicht abspeisen lassen

Weit über 2 Millionen Mal hat es im letzten Jahr auf Deutschlands Straßen gekracht. Totalschäden sind zum Glück selten, doch Reparaturbedarf gibt es fast immer. Zahlen muss der Verursacher, beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherung. Für den Geschädigten ein klarer Fall, er muss seinen Wagen nur noch in der Werkstatt abgeben. Ab 1. Juli kann er hier mehr erwarten als schrauben und lackieren: Der Kfz-Betrieb kann ihm auch anbieten, die Rechtsansprüche abzuwickeln.

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat diesen Service durch ein Urteil möglich gemacht. In bestimmtem Rahmen dürfen demzufolge auch Nicht-Anwälte Rechtsdienstleistungen anbieten. Schon bislang nahmen viele Werkstätten ihren Kunden die Abwicklung eines Unfallschadens ab - ohne Rechtsanwalt. Das war zwar nicht zulässig aber üblich. Dass immer weniger Unfallgeschädigte einen Rechtsanwalt einschalteten, hatte jedoch Folgen, wie Branchenkenner wissen. "Die Versicherungen haben diesen Teil des Marktes durch Schadensteuerung und die Vorauswahl bestimmter Werkstätten an sich gezogen", glaubt Fachzeitschriftenverleger Manfred Kaufhold zu erkennen.

Versicherung will Kosten sparen

"Schadenmanagement" nennen es die Versicherer, wenn sie einen Unfallschaden eigenständig mit der Werkstatt abwickeln. Das heißt: mit einem eigenen Gutachter und ohne unabhängigen Rechtsanwalt. Denn beide sind teuer, weiß Anwalt Michael Kleine-Cosack, der das Karlsruher Urteil erstritten hat. "Deshalb sind die Versicherungen sehr daran interessiert, die Angelegenheiten unmittelbar mit den Geschädigten zu erledigen."

Für die Unfallgeschädigten kann das Folgen haben, von denen sie gar nichts ahnen. Denn sie bekommen oft weniger Schadenersatz als ihnen zusteht, wissen Verkehrsrechtsanwälte wie Christian Steding: "Die Geschädigten lassen Ansprüche, die ihnen zustehen, wie Nutzungsausfall, Schmerzensgeldansprüche oder Wertminderung, dann häufig außen vor."

Ab 1. Juli sollten Sie also ihre Werkstatt befragen, ob sie nur mit Kfz-Versicherungen oder auch mit einem Anwalt zusammenarbeitet. Denn für viele Experten ist die Zusammenarbeit von Werkstätten und Rechtsanwälten ein Modell mit Zukunft. Manfred Kaufhold kann sich vorstellen, dass Werkstätten kooperieren und die Kunden über einen gemeinsamen Fachanwalt umfassend beraten werden. Sollte es also mal wieder krachen: Suchen Sie sich guten Rat.




Quelle: ntv.de

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