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Durchnässt trotz Funktionsjacke Nur wenige halten dicht

Wenn es ein Symbol für den Boom der Outdoor-Branche gibt, dann ist es wohl die Omnipräsenz der Funktionsjacke. Sie soll ihre Träger nicht nur sportlich aussehen lassen, sondern vor allem funktional sein. Das heißt: vor Wind und Regen schützen, dabei aber ausreichend atmungsaktiv sein. Doch das ist auch bei teuren Marken keinesfalls gesichert, wie die Stiftung Warentest festgestellt hat.

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In deutschen Fußgängerzonen ist die Marke mit der Tatze noch präsenter als auf Wanderwegen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Socken in Kombination mit Trekkingsandalen? Auch daran erkennt man deutsche Touristen im Ausland. Doch in den letzten Jahren hat ein anderes Kleidungsstück das Bild geprägt: die Funktionsjacke. Man begegnet ihr in Fußgängerzonen ebenso wie auf Wandersteigen, U-Bahn-Fahrer hüllen sich ebenso wie Wind- und Wetter-Radler ins Outdoortextil. Das verheißt nicht nur ein sportliches Erscheinungsbild, sondern auch reichlich Komfort durch bequeme Passform und Regenfestigkeit.

Dafür greifen die Käufer auch gern etwas tiefer in die Tasche. Unter 100 Euro ist kaum eine Funktionsjacke zu haben, nach oben hin gibt es kaum Grenzen. Die Stiftung Warentest  hat jetzt 17 Zweilagen-Jacken für bis zu 300 Euro getestet. Die Ergebnisse sind enttäuschend: Nur zwei Modelle kommen "gut" weg.  Die übrigen versagten im Regen oder erwiesen sich als zu wenig atmungsaktiv.

Um die Regenfestigkeit zu prüfen, mussten sich die Jacken im sogenannten "Regenturm" bewähren. Eine Stunde lang prasselte ein simulierter Starkregen auf  eine mit Jacke, Regenhose und Unterhemd bekleidete Kunststoffpuppe nieder. Feuchtesensoren und die Wasserflecken auf dem Unterhemd zeigten, wie gut die Jacke gegen Nässe schützt. Schon im Neuzustand machten sechs Modelle schlapp, darunter auch  teurere wie die "Healy PTX Men" von Salewa oder die "HT 2L CPS" von Adidas.

Nicht zu oft waschen

Je öfter eine Jacke gewaschen wird, desto mehr leidet auch die Imprägnierung. Ist der Schutz erst mal abgespült, kommen Schwächen in Design und Verarbeitung besonders zum Tragen. Durch schlecht verklebte Nähte, dürftig abgedeckte Taschen oder Löcher in Beschichtung und Membran kann jetzt besonders gut Wasser eindringen. Um zu prüfen, wie sich die Jacken im Dauereinsatz bewähren, kamen sie nach fünfmaligem Waschen noch mal unter die Regendusche. Jetzt blieb der Dummy nur noch mit einem Modell richtig trocken: Die Jack Wolfskin Highland hielt dicht. Akzeptabel war der Regenschutz auch beim Modell von Vaude und dem "Resolve Jacket" von The North Face. Alle übrigen Jacken schnitten bei der Regendichtheit nur ausreichend oder mangelhaft ab.

Etwas auffrischen lässt sich die Imprägnierung übrigens im Wäschetrockner oder durch Bügeln mit niedriger Hitze. Hilft das nichts, bleibt der Griff zum Imprägniermittel. Zwei Sprays probierten die Tester aus, allerdings mit mauem Ergebnis. Besser schlug sich die Imprägnierung von Nikwax, die in der Maschine mitgewaschen wird.

Auch Schweiß macht nass

Auch die regenfesteste Jacke bringt wenig, wenn der eigene Schweiß die Kleidung durchweicht. Anders als der klassische gelbe Friesennerz ist die Funktionsjacke deshalb auch atmungsaktiv -  zumindest sollte sie das sein. Im Test schafften es nur vier Modelle, den Schweiß in Form von Wasserdampf gut nach außen zu leiten. Neben Jack Wolfskin überzeugten hier auch die Modelle von Berghaus, Haglöfs und die 300-Euro-Jacke von Marmot. Das günstige Killtec-Modell erwies sich dagegen als schweißtreibend: Die Jacke lässt fast keinen Wasserdampf durch.

Nicht nur im Labor mussten sich die Jacken bewähren. Die Warentester lenkten ihr Augenmerk auch auf die "Corporate Social Responsibility", also die Unternehmensverantwortung gegenüber Mitarbeitern und Umwelt. Dafür fragten sie die Anbieter nach Arbeitsbedingungen und Umweltschutz in ihren Fertigungsstätten, überprüften Nähfabriken vor Ort und sprachen mit Arbeitern.

Bei CSR herrscht Nachholbedarf

Alle Jacken im Test wurden in Asien genäht, meist in China. Das größte soziale Engagement zeigte Testsieger Jack Wolfskin, außerdem fielen Adidas und Schöffel positiv auf. Berghaus und Columbia verweigerten hingegen die Auskunft, auch Haglöfs und Patagonia wollten sich nicht in die Karten schauen lassen. Acht Herstellern bescheinigten die Tester für ihre Unternehmensverantwortung lediglich ein "Ausreichend", zwei weitere, Maier Sports und The North Face, waren sogar "mangelhaft". So bemängelt die Stiftung etwa die niedrigen Löhne, die kaum zum Leben reichten. Überstunden seien an der Tagesordnung. In einem Fall machten fast alle Arbeiter zusätzlich zur 48-Stunden-Woche 87,5 Überstunden im Monat – gesetzlich erlaubt sind 36 Stunden.

Quelle: n-tv.de, ino

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