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Standesbeamte sind dafür Ohne Anwalt scheiden lassen

Ehescheidung im Express-Tempo wie in anderen Ländern? Deutschlands Standesbeamte hätten nichts dagegen. Der Vorstoß scheiterte allerdings schon mal am Widerstand der Advokaten.

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Die Scheidung muss nicht so aufwendig sein wie die Hochzeit.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Deutschlands oberster Standesbeamter will einvernehmliche Ehescheidungen erleichtern. Der reine Verwaltungsakt soll schneller und billiger werden. "Wenn bei beiden Partnern Einigkeit über die Details der Trennung herrscht, müssten nicht Gerichte beschäftigt werden", sagt Jürgen Büssow, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamten (BDS). "Ich bin dafür, solange niemand benachteiligt wird." In Deutschland gibt es etwa 5200 Standesämter.

Wo kein Anwaltszwang herrscht, ist das Verfahren unkomplizierter: Die einverständliche Scheidung im Standesamt ist etwa in Portugal oder Russland Usus. In Brasilien kann der Notar das Jawort annullieren lassen. Im Express-Tempo lassen sich auch Japaner scheiden, sie müssen einfach ein Formular ausfüllen. In Skandinavien liegt die Zuständigkeit bei der Verwaltungsbehörde.

Nicht alles ist einfach

Doch die einvernehmliche Scheidung gerät schnell an ihre Grenzen, wo Kinder im Spiel sind: Standesbeamten können keine Streitfälle lösen, wie sie häufig um Sorgerechtsfragen und Unterhaltszahlungen entstehen. "Wir dürfen nicht in die Richterrolle geraten. Aber die rein administrative Seite ist absolut beherrschbar", so Büssow.

Widerstand hingegen erwarten die Standesbeamten von Rechtsanwälten, für die lange Scheidungsverfahren ein lukratives Geschäft sind. Schon einmal stand das Thema zur politischen Diskussion, wurde dann aber aufgegeben. Die Standesbeamten wollen das Thema nun wiederbeleben. Rainer Frank vom BDS warnt allerdings vor zu hohen Erwartungen. Nur der kleinste der Teil der Trennungen gehe einvernehmlich über die Bühne: "Man sollte sich keinen Illusionen hingeben. Es gibt viele Nebenkriegsschauplätze."

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

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