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Grillen mit Öko-Test Eine Grillwurst ist "mangelhaft"

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Die konventionell erzeugten Grillwürste schneiden bestenfalls mit "befriedigend" ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

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Brat- oder Grillwurst ist ein deutscher Verkaufsschlager - weltweit. Zudem läuft die Grillsaison auf vollen Touren. Dennoch sollte nicht jede Wurst auf den Rost, denn unter der Pelle verbirgt sich nicht nur Gutes, wie Öko-Test feststellen muss.

Der Sommer ist da, der Grill glüht, die perfekte Voraussetzung also für einen gelungenen Abend. Und ohne Wurst ist hierzulande kaum ein Grillfest denkbar. Eine Entscheidung, die nach Meinung von "Öko-Test" besser noch einmal überdacht werden sollte. Denn das Magazin mahnt beim Wurstverzehr zur Zurückhaltung. Zum einen wegen der Qualität der untersuchten Ware, zum anderen wegen der meist grauenhaften Bedingungen, unter denen der Wurstinhalt während seines kurzen Lebens zu leiden hat.

Richtig, gemeint ist das Schwein. Denn daraus sind die 19 aktuell getesteten gebrühten Grillwürste gemacht, darunter 7 Thüringer Rostbratwürste. Die Ware stammt von bekannten Wurstherstellern, genauso wie aus Bio-Märkten und Eigenmarken von Discountern und Supermärkten.

Zu viel Salz, Phosphat und Mineralölbestandteile

Und ohne dem Leser den Appetit zu verderben, bevor der Grill überhaupt angezündet ist, darf dennoch nicht unerwähnt bleiben, dass in 12 Grillwürsten Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOSH-Analoge) stecken. Im Bio-Produkt von Packlhof sogar in einer Menge, die die Tester als "stark erhöht" einordnen. Eine mögliche Quelle für die Mineralölbestandteile sind Schmierstoffe an Maschinen, die in der Wurstproduktion eingesetzt werden. Sie können aber auch über Wursthüllen, Gewürze oder Kräuter in die Grillwürste gelangen. In Tierversuchen haben diese gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) zu Organschäden geführt.

Bis auf die Bio-Würste und die "Bratmaxe 5 Stück von Meica" enthalten alle Grillwürste Phosphate. Die machen als Stabilisatoren das Wurstbrät geschmeidiger. In Bio-Lebensmitteln ist dieser Zusatz verboten. Zugesetzte Phosphate können den Phosphatspiegel im Blut erhöhen, was vor allem für Menschen problematisch ist, deren Nierenfunktion beeinträchtigt ist. Außerdem steckt aus Sicht der Tester in sechs Bratwürsten zu viel Salz. Mit einer dieser Würste hat man teilweise schon ein Drittel der Höchstmenge an Salz intus, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung pro Tag empfiehlt.

Was die Keimbelastung angeht, gibt es von Öko-Test aber grünes Licht. Lediglich die "Penny Rost Bratwurst" ("ausreichend") überschreitet den Richtwert für sulfitreduzierende Clostridien. In dieser Menge machen die Keime zwar nicht unbedingt krank, der Fund deutet aber auf mangelnde Hygiene hin.

In dubio pro bio

Wurstesser sollten zudem wissen, dass die konventionelle Haltung der etwa 60 Millionen jährlich in Deutschland geschlachteten Schweine von "artgerecht" weit entfernt ist. In ihrem Leben von sechs Monaten wird den Ferkeln laut Öko-Test der Ringelschwanz kupiert. Den männlichen Tieren schneidet man den Hodensack auf, reißt den Samenstrang heraus, schneidet ihn ab und entfernt beide Hoden. Zudem sind die hohen, breitflächig eingesetzten Antibiotikagaben ein Problem.

Klingt wenig appetitlich. Wer seine Grillwurst mit gutem Gewissen genießen möchte, kommt denn auch an Bio nicht vorbei. Dennoch haben auch hier gerade mal zwei Produkte komplett überzeugt und erhalten die Bestnote "sehr gut". Nämlich die "Alnatura Rostbrat Würstchen, Bioland" (9,69 Euro, 500 Gramm) und die "Edeka Bio Original Thüringer Rostbratwurst, gebrüht" (6,24 Euro). Vier weitere Bio-Würste sind immerhin "gut". Unter anderem die "Gut Bio Thüringer Rostbratwurst, gebrüht" von Aldi Nord (6,32 Euro), die "K-Bio Schweine Bratwurst" (6,90 Euro) und die "Ökoland Delikatess Bratwurst" (10,98 Euro).

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Die konventionell erzeugten Grillwürste schneiden bestenfalls mit "befriedigend" ab. Die "Meica Bratmaxe 5 Stück" bekommen wegen mangelhafter Transparenz/Tierhaltung nur ein "ausreichend". Die "BBQ Bratwurst Herzhaft 10 Stück" von Aldi Nord/Aldi Süd ist der Testverlierer ("mangelhaft"). Neben zu viel Salz und Phosphor wurden bei ihnen auch erhöhte Mineralölbestandteile nachgewiesen.

Und wie schmecken die Bratwürste? Nach Bratwurst. Immerhin.

(Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 23. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, awi

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