Ratgeber

Von Schöffel bis North Face Outdoor-Jacken voller Chemie

Schroffe Felsen, schneebedeckte Gipfel oder spektakuläre Fjorde - in ihrer Werbung geben sich Outdoor-Hersteller naturnah. In der Produktion hingegen weniger.

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Auch in Kinderjacken fanden sich bedenkliche Chemikalien.

(Foto: argum / Thomas Einberger)

Gute Funktionsjacken sind gleichzeitig wasserdicht und atmungsaktiv. Um die gewünschten Eigenschaften zu erreichen, können die Hersteller nicht nur Naturfaser n verwenden. Ärgerlich ist es allerdings, wenn die teure Kleidung  potenziell schädliche Chemikalien ausdünstet. Und das ist offenbar immer noch der Fall, wie eine Untersuchung von Greenpeace zeigt. Bei der Analyse von 15 Outdoor-Jacken und zwei Handschuhen namhafter Hersteller seien alle Proben mit per- und polyfluorierten Kohlenwasserstoffen (PFC) belastet gewesen, teilt die Umweltschutzorganisation mit.

PFC lassen Wasser und Schmutz von Outdoor-Kleidung abperlen und finden sich auch in den innenliegenden wasserdichten Membranen, etwa bei Gore-Tex-Textilien. Laut Greenpeace können einige PFC das Immunsystem und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen sowie zu Schilddrüsenerkrankungen führen. Für die meisten PFC gibt es keine festgeschriebenen Grenzwerte. Eine Ausnahme ist die zu dieser Gruppe gehörende Perfluorsulfonsäure (PFOS). Greenpeace fand diese Substanz in den Handschuhen "Artic Mitten" des Schweizer Herstellers Mammut. Der gesetzliche Grenzwert von einem Mikrogramm pro Quadratmeter sei hier um das Neunfache überschritten worden.

Harald Schreiber von Mammut  erklärte: "Wir nehmen das Thema sehr ernst." Die beanstandeten Handschuhe werden derzeit in einem Labor überprüft, ein Ergebnis wird aber erst in der kommenden Woche erwartet. "Bis zur Klärung der Vorwürfe werden wir das Produkt aus den Regalen nehmen."

PFC sind unkontrollierbar

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Die Testergebnisse im Überblick.

(Foto: Greenpeace)

"Die Outdoor-Branche wirbt nach wie vor mit unberührter Natur", kritisierte Manfred Santen, Chemieexperte von Greenpeace. "Aber ihre Kleidung enthält Schadstoffe, die sich inzwischen rund um den Globus nachweisen lassen." Das sei vor allem ein Problem in den Produktionsländern. "Aber auch bei uns finden wir PFC in der Umwelt, im Trinkwasser und im menschlichen Blut." Die Stoff e werden nämlich nicht nur bei der Herstellung freigesetzt, sondern auch bei Gebrauch und Entsorgung der Textilien.

Auch Lena Vierke vom Umweltbundesamt hat Bedenken. Zwar seien die Verbraucher nicht akut gefährdet. "Besorgniserregend ist allerdings die Freisetzung der PFC in die Umwelt." Die Wirkweise sei eher langfristig zu sehen, weil die Stoffe in die Umwelt gelangten und die Menschen sie dann irgendwann wieder aufnähmen.

Der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie betonte, dass das Tragen der Produkte die Verbraucher nicht gefährde. Die Hersteller seien sich des Problems bewusst und arbeiteten gemeinsam an Alternativen. Doch die Funktionskleidung sei ohne die Chemikalien noch nicht genauso leistungsfähig. "Wir sind in der Übergangsphase", sagte der Sprecher des Outdoor-Ausrüsters Jack Wolfskin, Thomas Zimmerling. Die Umstellung auf PFC-freie Ausrüstungen soll in seinem Unternehmen ab Sommer 2014 sukzessive erfolgen.

Weniger Chemie heißt weniger Funktion

Laut Greenpeace gibt es auf dem Markt bereits jetzt Möglichkeiten, bei Outdoor-Kleidung eine Schadstoffbelastung zu vermeiden. Dazu zählten Jacken mit PFC-freien Membranen oder Imprägnierungen aus Polyester, Polyurethan oder Wachs. "Vor dem Kauf sollten Verbraucher prüfen, ob sie eine Jacke für den Gipfelsturm oder den Spaziergang benötigen. Die schadstofffreien Jacken genügen fast immer", so Santen. Die Sprecherin von Schöffel, Ilka von Goerne, betonte, die Qualität sei nicht dieselbe. "Wenn sie die Jacke einmal waschen, ist die nicht mehr dicht. Im Moment gibt es noch keine Alternativen, aber es wird intensiv gesucht."

Für Kunden wird die Suche nach PFC-freien Produkten allerdings dadurch erschwert, dass es keine Kennzeichnungspflicht gibt. Auch fluorbeschichtete Jacken können  mit dem Öko-Tex-Standard 100 oder dem Bluesign-Standard zertifiziert sein.

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

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