Ratgeber

Im All-Inclusive-Urlaub Saufen ist "typisches Reiseverhalten"

Ein Reiseveranstalter, der All-Inclusive-Reisen zum Billigtarif anbietet, muss mit einer Klientel rechnen, die vor allem auf eins aus ist: Alkohol. Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn sich die Urlauber gelegentlich danebenbenehmen, urteilt das Amtsgericht Viersen.

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Wer sich billig die Kante geben will, kann das im All-Inclusive-Urlaub tun.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wird ein Pauschal-Urlauber nach Streitereien mit seiner Begleiterin aus dem Hotel geworfen, so dass das Paar vorzeitig nach Deutschland zurückkehren muss, gilt die erbrachte Reiseleistung als mangelhaft. Jedenfalls verleitet der unbegrenzte Getränkeausschank bei einem All-inclusive-Arrangement bekanntermaßen zu übermäßigem Alkoholgenuss - und daraus herzuleitende lautstarke Auseinandersetzungen sind kein ausreichender Grund für eine Vertragskündigung seitens des Reiseveranstalters. Diese Auffassung hat laut Deutscher Anwaltshotline das Amtsgericht Viersen vertreten (Az. 2 C 446/11).

Der betroffene Urlauber und seine Lebensgefährtin hatten eine 18-tägige All-inclusive-Flugreise in die Türkei zum Gesamtpreis von 1043 Euro gebucht. Nach gut einer Woche wurde sie aber wegen nächtlicher Ruhestörung der übrigen Gäste ihres ersten Hotels verwiesen. Dass es einem lautstarken Streit gekommen war, bestritt das Paar auch nicht.

Die Reiseleitung kümmerte sich um ein Ausweichquartier. Doch unmittelbar nach der Ankunft im zweiten Hotel begaben sich die beiden sofort an die dortige Poolbar. Dort kam es zum Eklat, als das betrunkene Paar "in unsittlicher Manier" Zärtlichkeiten austauschte. In welcher Art, ließ sich im Nachhinein nicht mehr klären, möglicherweise erregte die Transsexualität der Partnerin Anstoß. Als das Hotel die beiden nicht mehr aufnehmen wollte, beschimpfte die Frau die um Beschwichtigung bemühte Reiseleiterin.

Veranstalter muss tolerant sein

Dem renitenten Paar blieb am Ende nichts anderes übrig, als die Reise abzubrechen und den vorzeitigen Rückflug in eigener Regie zu organisieren. Mit erheblichen Mehrkosten, die sie nun vom deutschen Reiseveranstalter zurück verlangten. Und das laut Richterspruch zu Recht - zumindest was den Mehraufwand für die individuelle Heimreise angeht. Das Gericht war jedenfalls nicht bereit, die Argumentation des zahlungsunwilligen Touristikunternehmens zu akzeptieren, die beiden wären permanent vollkommen betrunken gewesen und seien durch ihr Verhalten am Urlaubsort selbst an der vorzeitigen Beendigung der Reise schuld.

Selbst wenn dem so gewesen wäre, sei zunächst auch der Charakter der Reise zu berücksichtigen, heißt es in der Urteilsbegründung. All-Inclusive-Reise zeichneten sich gerade dadurch aus, dass Speisen und Getränke unbegrenzt zur Verfügung stehen - einschließlich der Alkoholika. Treffe eine solche Gestaltung mit einer Reise im unteren Preissegment zusammen, stelle der vermehrte Verzehr alkoholischer Getränke ein "geradezu typisches Reiseverhalten" dar. Alkoholbedingte Verfehlungen seien vom Veranstalter deshalb in höherem Maße zu tolerieren, als das bei anderen Reisegestaltungen der Fall sei. Eine einzelne lautstarke Eskalation eines Beziehungsstreits müsse deshalb hingenommen werden.

Der Reiseveranstalter wurde somit verurteilt, den vorzeitigen Rückflug in Höhe von 146,50 Euro sowie die individuelle Zugfahrt vom Flughafen nach Hause in Höhe von 20 Euro zu ersetzen. Denn diese Zusatzkosten wären nicht entstanden, hätte sich der Urlaub vertragsgemäß in voller Länge bis zum gebuchten Abreisetag erstreckt.

Quelle: ntv.de, ino