Ratgeber

Fotomodel wider Willen Schlag gegen Kamera ist Notwehr

Wenn Promis sich mit Paparazzi anlegen, kennen die Gerichte normalerweise kein Pardon. So bekam der "Prügelprinz" Ernst August ebenso eine Bewährungsstrafe aufgebrummt wie Sean Penn. Wird dagegen eine Privatperson unfreiwillig zum Fotomotiv, dann darf sie sich unter Umständen auch mit Gewalt wehren.

Fotografieren ist nicht immer so leicht, wie es aussieht - die Ausbildung zum Fotografen wurde gerade neu geregelt. (Bild: dpa/tmn)

Wollen Fotografen einzelne Personen ablichten, müssen sie erst um Erlaubnis fragen.

(Foto: dpa)

Ein Bildreporter kann sich nicht damit herausreden, dass ein Foto, das gegen den ausdrücklichen Willen des Betroffenen aufgenommen wird, bei der späteren Veröffentlichung durch einen Balken vor der Augenpartie verfremdet würde. Die unerlaubte Abbildung bleibt das Bildnis des Aufgenommenen, auch wenn dieser nur durch einen beschränkten Personenkreis zu identifizieren ist. Das hat das Oberlandesgericht Hamburg klargestellt. Damit werteten die Richter das aggressive Verhalten eines Mannes als rechtmäßige Notwehr. Er hatte sich auf einem Gerichtflur der Ablichtung durch einen Pressefotografen mit einem Schlag gegen dessen Kamera widersetzt.

Vor dem Amtsgericht Hamburg-Wandsbek sollte ein Nachbarschaftsstreit verhandelt werden, bei dem es wegen eines Hundes zur Körperverletzung gekommen war. Als der Angeklagte im Treppenhaus des Gerichts erschien, begann ein dort postierter Pressefotograf ihn aufzunehmen. Das Blitzlichtgewitter stoppte auch nach lautstarkem Protest nicht. Schließlich schlug der erboste 60-Jährige zu und traf die Kamera vor dem Gesicht des Reporters, der etliche Blessuren an Nase und Gebiss davontrug. Das wertete der Paparazzo als unerlaubten Eingriff in die Pressefreiheit und wollte sein "Fotomodell" wider Willen wegen erheblicher Körperverletzung bestraft sehen.

Kein öffentliches Interesse

Vergeblich, denn die Hamburger Oberlandesrichter befanden, dass der Mann in Notwehr gehandelt habe. Die verhandelte Straftat habe im Bereich der Kleinkriminalität gelegen und dabei sei ein Überwiegen des Informationsinteresses der Öffentlichkeit an einer Abbildung des Angeklagten regelmäßig ausgeschlossen. "Schon das unerlaubte Herstellen eines Bildes verstößt nach allgemeiner Rechtsprechung gegen das von der Verfassung garantierte Persönlichkeitsrecht", erklärt Rechtsanwalt Jörg-Matthias Bauer von der Deutschen Anwaltshotline. Schließlich werde bereits mit der unerwünschten Aufnahme das Bildnis in der konkreten Form der Kontrolle und Verfügungsgewalt des Abgebildeten entzogen wird.

Wer auf dem Gerichtsflur unfreiwillig abgelichtet wird, ist also im Extremfall auch zur Notwehr berechtigt.  Er muss sich nicht darauf beschränken, sein Gesicht zu verdecken, sondern darf eine Verteidigung wählen, die den Angriff sofort und endgültig beendet. Das kann laut hanseatischem Richterspruch grundsätzlich auch ein Schlag gegen die Kamera sein. Zumindest in diesem Fall, in dem der Mann nach seinem fruchtlosen verbalen Widerspruch offenbar kein milderes Mittel mehr zur Verfügung stand.

Rechtsschutzpolicen im Vergleich

Quelle: ntv.de, ino

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