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Montag, 13. Oktober 2014

Digitale Rechtsberatung: Der Anwalt im Smartphone

Wenn es Streit gibt, reden die Leute nicht mehr miteinander - dann reden Anwälte. Meist wird das nicht nur unangenehm sondern auch teuer. Doch das muss vielleicht gar nicht sein. Immer mehr Apps bieten bei strittigen Rechtsfragen schnelle Hilfe an. Aber wie gut ist der Rechtsanwalt im Smartphone tatsächlich? Unser App-Tester hat's ausprobiert.

Jochen Fleuchaus ist genervt. An seine Klamotten auf dem Speicher kommt unser App-Tester im Moment nicht mehr ran. Denn die Leiter zum Dachboden ist kaputt, kann nicht mehr repariert werden. Zu alt eben. Und auch im Dach vom Wintergarten regnet es ab und zu rein. Aber reicht das, um die Miete zu kürzen? Antworten darauf kann diese App geben: ABC der Mietminderungsquoten. Darin sind gängige Mietmängel beschrieben und um die 1.500 Entscheidungen deutscher Gerichte zu diesen Themen.

Unser App Tester ist glücklich verheiratet, erinnert sich gerne an den großen Tag. Allerdings - er kennt viele, bei denen das nicht mehr so ist. Doch bevor man gleich an Scheidung denkt, sollte man sich vielleicht erst mal diese App herunterladen: Familienrecht. Sie gibt einen Überblick über das gängige Scheidungsrecht in Deutschland.

Und ergänzend dazu - diese App: Datev Anwalt. Mit ihr kann man nämlich unter anderem ausrechnen, was eine Scheidung ungefähr kosten wird. Und auch der Unterhalt für die Kinder auf Basis der Düsseldorfer Tabelle lässt sich in Sekundenschnelle ermitteln.

Und noch ein Thema, bei dem es sinnvoll ist, sich vorher schon mal schlau zu machen: Der Job. Alles Wissenswerte zum Thema Kündigung, Abmahnung und Zeugnis findet man in der App: Arbeitsrecht.

Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, passend dazu die App Abfindungsrechner. Wer ein schlechtes Verhältnis zum Chef hat oder denkt, da könnte was kommen, mal runterladen die App...Daumen hoch! – meint unser App-Tester.

Weiter geht’s im Straßenverkehr. Zu schnell gefahren, rote Ampel missachtet oder beim Fahren telefoniert? Auch hier ist es praktisch, wenn man weiß, was an Geldstrafe und Punkten auf einen zukommen kann. Errechnen lässt es sich mit dieser App: Bußgeldrechner.

Nächstes Thema: Shopping. Unser App-Tester ist gerne mal auf Schnäppchenjagd. Aber wie ist das denn eigentlich mit den ausgezeichneten Preisen an Waren in der Schaufensterauslage? Sind die verbindlich oder nicht? Und kann ich große Summen auch in kleinen Münzen bezahlen? Antworten auf diese und noch 700 weitere hat die App Juramat. Unser App-tester ist begeistert: "Habe jetzt gelernt, dass Preis der draufsteht nicht verbindlich ist. Wenn 16 Euro dran steht, dann nix verbindlich nur ein Angebot. Er muss das auch nicht in tausend 1 Cent Münzen annehmen. Auch da gibt es Gesetze, die sagen, das muss er nicht. Ich find, sollte man beim Einkaufen dabei haben. Da ist man schlauer als der Verkäufer. Super App!"

Weiter geht’s mit einem ernsten Thema, über das wohl kaum einer gerne nachdenkt. Wie regele ich meinen Nachlass? Wer erbt was und wieviel? Brauche ich ein Testament? Antworten darauf gibt die App Erbrecht. Unser Tester ist erstaunt, was er da so alles erfährt: "Man denkt verheiratet, keine Kinder, da erbt alles die Frau. Dem ist nicht so. Da kommen noch andere, die mit erben. Und das weiß man nicht. Nee, man muss sich schlau machen. Alles rund ums Erben steht da drin in der App. Sollte man sich zu Lebzeiten runterladen."

Wer dann doch mal einen Anwalt persönlich aufsuchen möchte, der findet auch über die App Anwaltsfinder einen Fachmann in seiner Nähe.

Bleibt nur noch die Frage: Was halten eigentlich Rechtsexperten von den Jura-Apps? Unser Tester trifft den Düsseldorfer Anwalt Ralf Thoenes. Und der ist von seiner digitalen Konkurrenz teilweise ganz angetan: "Gerade im Bußgeldrecht. Das sind Fakten. Da kann man sehr gut reingucken, dafür braucht man keinen Anwalt dafür. In den Rechtsfragen jedoch, wo nicht nur Fakten zählen, sollte man sich aber auf jeden Fall anwaltliche Hilfe suchen."

Zum Schluss stellt er noch seine ganz persönliche Lieblings-App vor: Sie heißt Gesetze und enthält praktischerweise alle deutschen Gesetze und Verordnungen.

Früher hieß es ohne meinen Anwalt sag ich gar nichts, heute heißt es ohne meine App sag ich nichts. Schneller schlau machen per App in vielen Rechtsfragen – das geht. Bei Mietmängeln, Scheidung und Arbeitsrecht allerdings muss der Anwalt mit und nicht nur das Smartphone.

Quelle: n-tv.de