TV

"Ratgeber Hightech" vom 23.02.2013 (Wdh. 25.02.) Phablets: Was taugen Riesenhandys?

Die Unterschiede verwischen immer mehr - wo hört ein Smartphone auf, wo fängt ein Tablet an? Die Antwort heißt neuerdings ganz einfach: Phablet! Das sind Riesenhandys mit einem sehr großen Bildschirm. Aber wie praktisch sind die Riesen-Handys eigentlich - und was können sie?

Die klassischen Smartphones haben Konkurrenz bekommen – und zwar ziemlich große. Fast jede Woche werden neue Handys mit Riesen-Displays vorgestellt. In kürzester Zeit ist eine eigene Produkt-Gruppe entstanden:  Phablets – ein Fantasie-Wort aus Phone und Tablet.

Mobilfunk-Experte Hannes Czerulla von der Computerzeitschrift C´t braucht neuerdings beide Hände, um neue Geräte am Markt auszuprobieren: "Das fängt so bei 4,5 Zoll an. Das sind so rund 11 Zentimeter. Das geht hoch bis 6 Zoll. Das sind dann schon so fast 16 Zentimeter. Und geht dann schon in Richtung Tablet."

Internet-Surfen wird immer wichtiger

In der Vergangenheit versuchten Handy-Hersteller immer besonders kleine Telefone zu bauen. Das sich dieser Ansatz in recht kurzer Zeit verändert hat, ist laut Dirk Ellenbeck von Vodafone nicht überraschend. Schließlich haben sich die Ansprüche an ein mobiles Endgerät wie ein Smartphone verändert, so Dirk Ellenbeck von Vodafone Deutschland: "Die Displays werden immer größere, weil Leute ihr Handy nicht mehr nur nutzen, um zu telefonieren, sondern um im Internet zu surfen und Fotos zu machen und zu gucken und da ist ein großes Display natürlich von großem Vorteil."

Viele Anwendungen kommen auf den üppigen Bildschirmen besser zur Geltung. Die Displays zeigen Webseiten fast genauso an wie der PC zu Hause. Allerdings mit einem Nachteil, wie Hannes A. Czerulla von der Zeitschrift c´t erläutert: "Mit einer Hand kann man das normalerweise nicht mehr bedienen. Das nimmt man normalerweise in die eine oder bedient es mit der anderen. Bei manchen, zum Beispiel beim Samsung liegt ein spezieller Stift bei, der die Steuerung vereinfacht oder erweitert."

Apropos Samsung: Das Galaxy Note war das erste echte Phablet am Markt. Das Gerät wurde selbst für den Anbieter zu einem überraschenden Verkaufsschlager. Offensichtlich hatte Samsung hier tatsächlich eine noch nicht bediente Nische gefunden. Das Note ist bereits in zweiter Generation auf dem Markt.

Viele Phablet-Angebote

Die Konkurrenz wollte Samsung das Feld nicht allein überlassen. Heute gibt es Phablets von fast allen großen Anbietern. Beim Branchenverband BITKOM ist man über diese rasante Entwicklung weniger verwundert: "Man kann mit den neuen Geräte mit den großen Bildschirmdiagonalen auch sehr schön Video gucken. Das wird auch sehr viel getan und das funktioniert auch deshalb, weil wir jetzt mobile Breitband Technologien, wie UMTS und LTE haben. Die das erstmals ermöglichen. Vor einigen Jahren ging das noch nicht.", so Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer BITKOM.

Seit einigen Monaten gibt es den neuen vierten Mobilfunkstandart LTE für mobile Endgeräte. Damit sind Datenübertragungen mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich. Das heißt man kann nicht nur rasend schnell im Internet surfen, sondern auch ruckelfrei Videos online schauen oder Spiele spielen. Das kommt offensichtlich an, erläutert Dirk Ellenbeck von  Vodafone Deutschland: "80 Prozent unserer Kunden entscheiden sich heute tatsächlich schon für ein Smartphone. Und da auch immer mehr zu Smartphones mit größeren Displays. Und die Kunden die in unsere Vodafone Shops kommen, wollen nicht nur LTE haben, sondern LTE auf großen Displays nutzen."

LTE und Full HD

Die bereits auf dem Markt erhältlichen Phablets sind zum größten Teil LTE-fähig. Bei den Geräten die für die kommenden Monate angekündigt sind, geht es mit der High-End-Ausstattung noch einen Schritt weiter, erläutert Hannes A. Czerulla von C´t: "Bei den ganzen Neuen Modellen kommt hinzu, dass die Bildschirme sogar Full HD auflösen können. Die sind aber noch nicht erhältlich, die kommen erst in den nächsten Monaten die Geräte. Also es bietet sich zumindest an, einerseits Full HD Filme zu gucken, die man sich auf das Gerät schiebt. Und andererseits sich auch mal einen Stream anzugucken."

Sony bewirbt zum Beispiel sein Xperia Z als Filmwunder. Mit einer Größe von fünf Zoll und einer Auflösung von 1902 mal 1080 Pixel ist das ein HD-Fernseher im Kleinformat.

Fakt ist also: Spiele und Filme genießt man auf einem größeren Bildschirm besser. Doch nehmen wir das Huawei Ascend Mate, das in den kommenden Wochen erscheint und eines der größten Smartphone auf dem Markt sein wird. Da kann es schon zur Herausforderung werden, das Gerät irgendwie zu verstauen. Man muss sich entscheiden. Phablets sind für Menschen gemacht, die besonders wenig telefonieren, aber viel im Internet surfen und trotzdem kein Tablet mit Mobilfunk-Funktion mit sich rum tragen wollen: "Die Kunden haben ganz unterschiedliche Anforderungen. Es gibt Menschen, die spielen gern unterwegs, andere wollen gern Bücher lesen. Anderes wollen elektronische Landkarten nutzen, andere wollen nur telefonieren. Wer nur telefonieren will, braucht keinen großen Bildschirm. Der braucht eigentlich gar keinen. Aber wer viel nutzen will, braucht einen größeren Bildschirm und hier gibt es eine große Angebotsvielfalt für die Kunden, so dass jeder das haben kann, was seinem Bedarf am ehesten entspricht.", so Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer BITKOM.

Steigt auch Apple ein?

Unabhängige Studien haben zudem ergeben, dass in diesem Jahr bereits mehr als 60 Millionen Phablets weltweit an den Endverbraucher gehen sollen. Kaum vorstellbar, dass ausgerechnet einer der größter Player am Markt solche Erwartungen weiter ignoriert, denkt Hannes A. Czerulla von C´t: "Apple gehört noch zu den wenigen Herstellern, die sich an den kleineren oder mittgroßen Bildschirmen festkrallen. Das sind so vier Zoll bei dem iPhone. Die Lücke wurde ein bisschen geschlossen durch das iPad mini. Ob da was dazwischen kommt, ist noch unsicher und bei Apple weiß man das erst immer dann, wenn sie es auch vorgestellt haben. "

Wer nun ein Phablet sein eigen nennen will, muss im Moment 500 Euro und mehr ausgeben. Günstigere Alternativen kommen erst im Laufe des Jahres auf den Markt. Und möglicherweise weitere Produktklassen mit noch mehr Individualität, denkt Bernhard Rohleder: "Man wird in Zukunft  viel mehr Vielfalt haben als in der Vergangenheit. Da galt, one fits all. Ein Gerät für alle Kunden. In Zukunft wird jeder ein individuelles Gerät für sich nutzen können. Und auch sehr individuell konfigurieren können."

Branchenexperten sind zudem davon überzeugt, dass die Telefon-Funktion beim Handy immer unwichtiger wird und es in Zukunft vor allem um mobile Unterhaltung und Information gehen wird. Und da schneiden die Phablets deutlich besser ab als die normalen Smartphones.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.