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Helfer im Alltag Roboter auf dem Vormarsch

Geschirrspüler ausräumen, Vorlesungen halten, Pflegefälle betreuen - Anwendungsgebiete gibt es viele für Roboter, die uns den Alltag erleichtern sollen. Noch gibt es sie aber zu Hause nur als Staubsauger oder Fensterputzer. Doch die Zukunft könnte näher liegen als viele denken...

Willkommen in der Welt der Humanoiden, Cyborgs und Roboter. Was sich hier in Zürich auf der Ausstellung “robots on tour“ versammelt, soll nicht nur die Menschen aus Fleisch und Blut in Staunen versetzen, sondern ihnen auch irgendwann das Leben erleichtern.

Der Roboter als dienstbarer Geist zu Hause. Zum Beispiel "Armar“, erschaffen an der Uni Karlsuhe von Prof. Asfour. Der geborene Syrer hat ihm beigebracht, auf Kommando zu Sachen zu bringen: “Er kann etwas aus dem Kühlschrank holen, Tassen, Teller in die Spülmaschine räumen. Zusätzlich kann der Roboter aus der Beobachtung des Menschen lernen, das heißt, er schaut, wie der Mensch eine bestimmt Aufgabe demonstriert, lernt das Wesentliche daraus, extrahiert er das Wesentliche an dieser Aufgabe, und nutzt dieses Wissen, um ähnliche Aufgaben in anderen Situationen und Kontexten auszuführen.“

Wann kommt der Roboter in die Küche?

Sandwich belegen, Weißbrot in den Toaster legen, Popcorn salzen. Das sieht hier in der Messehalle zwar alles lustig aus, aber das ganze Wegräumen, Wischen, Hinstellen erfordert komplizierte Programmierungen, weiß Prof. Wolfram Burgard vom Institut für Informatik an der Universität Freiburg: “Wir alle wollen mal Roboter haben, die uns im Haushalt helfen, also sie können nach dem Frühstück aufstehen, zur Arbeit gehen und wenn sie abends zurückfahren, ist alles aufgeräumt. Das ist das Ziel, das wir hier haben, und dafür muss der Roboter halt genau solche Funktionen ausführen, also festzustellen, wo sind die Dinge, die weggeräumt werden müssen, wo kann ich sie hinstellen, was bedeutet es, dass gewischt wird, und was bedeutet es, dass es sauber ist.“

Nach Roboter-Staubsauger und Fensterputz-Automat also das nächste Gerät, das der moderne Mensch unbedingt im Haushalt braucht?

Für Rolf Pfeifer vom Zürcher Institut für Künstliche Intelligenz steht die Zukunft des friedlichen Zusammenlebens von Mensch und Maschine kurz bevor: “Ich denke, sie ist vor der Türschwelle, aber es kann dann durchaus sein, dass das in eine Richtung geht, die völlig unerwartet ist. Also, ob jetzt das wirklich so humanoide Roboter sind, die dann sehr langsam dann diese Teller in den Geschirrspüler einfüllen oder nicht, da kann man drüber diskutieren. Aber man muss diese Szenarien explorieren und dann sieht man etwas auf einmal, aha, da könnte man etwas machen.“

Einer der Gäste auf der Messe ist Roboy. Ein Roboterkind, geschaffen in Pfeifers Labor.

Der Mensch als Vorbild

In neun Monaten – wie es sich gehört. Gebaut ist er nach menschlichem Vorbild: Statt Motoren an Gelenkstellen mit einem Muskel-Sehnen-System, erklärt Pascal Kaufmann, Roboy-Entwickler: “Und diese Bewegungen ergeben dann einen sehr menschlichen Bewegungsablauf und das Ziel ist, dass Roboy eines Tages dann mal in der Gesellschaft mit uns zusammen leben kann und zum Beispiel auch in einem Spital leben könnte, da muss er auch physiologisch ein bisschen wie eine Person aus dem Spital aussehen – also er darf nicht aussehen wie ein Gabelstapler zum Beispiel.“

Den Menschen so genau wie möglich nachzubauen, dass ist das Ziel beim Typ Roboter namens Kenshiro. Er wurde in Tokio erschaffen und orientiert sich am menschlichen Skelett. Aber wie menschlich soll so ein Roboter aussehen? Professor Ishiguro aus Osaka treibt es auf die Spitze. Er baut sich einfach nach – ein humanoider Doppelgänger. Sein Kollege erklärt’s: “Das ist ein wahrer Avatar. Wenn er in Japan ist, dann kann der Professor ihn fernsteuern, und ihn in Echtzeit etwas sagen lassen, aber leider ist er momentan zu beschäftigt.“

Sein Zeitgenosse aus Draht, Stahl und Plastik namens “Robothespian“ möchte sich unterhalten, auf sein Gegenüber eingehen. Das macht er durch Gesichtserkennung. Quasi face to face, meint Will Jackson von Engineered Arts Limited: “Ich könnte natürlich dieselbe Information über einen Bildschirm vermitteln, aber das ist natürlich nicht so aufregend wie etwas, das sich wie eine Person bewegt, Augenkontakt hält, meinen Gesichtsausdruck erkennt, so was ist viel interessanter.“


Schon heute erleichtern bionische Prothesen das tägliche Leben


Das Leben von Bertolt Meyer erleichtert eine bionische Armprothese bereits heute sehr. Knapp 47000 Euro kostet seine Ersatz-Hand, die fast noch mehr kann als eine natürliche. Und so funktioniert’s: “Der Vorteil bei der „i-limb“-Handprothese besteht darin, dass jeder Finger einzeln angetrieben ist, und jeder Finger zwei Gelenke hat und Drucksensoren. Das heißt, wenn man eine Flasche zum Beispiel wie diese hier in die Hand nimmt, dann merken diese drei Finger, dass sie gegen die Flasche kommen und hören auf sich zu bewegen, während dieser Finger hier sich weiter bewegt, weil er die Flasche nicht spürt. Das führt aber dazu, dass, wenn man jetzt zum Beispiel versehentlich die Hand nur leicht öffnet, fällt sie Flasche trotzdem nicht raus, und das sind so die Kleinigkeiten, die im Alltag den großen Unterschied ausmachen.“

Eine große Hilfe könnte in 5 bis 10 Jahren auch eine andere Erfindung sein: Ein Rollstuhl – Gedanken gesteuert – durch Hirnströme, erklärt Robert Leeb, Wissenschaftler der ETH Lausanne am “Institute for Neuroprosthetics“ : “Wenn Tom sich jetzt vorstellt, er möchte den Rollstuhl nach links oder nach rechts steuern, das heißt er produziert gewisse Muster auf der rechten oder linke Seite, wenn er sich zum Beispiel bestimmter rechte oder linke Handbewegungen vorstellt, was ihm den Rollstuhl in die linke oder rechte Richtung kann. So kann er vorwärts fahren, links fahren, rechts fahren.“

Roboter haben schon heute viele Gesichter. Vor ihnen müssen wir wahrscheinlich keine Angst haben müssen - Anders als im Hollywood-Film. Einem Zusammenleben mit ihnen wird man in Zukunft wohl ganz entspannt entgegen sehen können.



Quelle: ntv.de

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