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Wie Erben geprellt werden Unseriöse Erbenermittler machen Kasse

Von einer unbekannten Tante unverhofft Geld erben - davon träumt wohl jeder. Doch was ist, wenn dieses Erbe mehr Ärger als Freude bringt? Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Erbenermittler ihnen die frohe Botschaft überbracht hat, das Erbe aber einfach für sich behält. Sprich: die Erben um ihr Geld prellt. Dann drohen Rechtsstreitigkeiten und Anwaltskosten - und die Erben brauchen starke Nerven.

Eigentlich überwiegt die Freude, wenn Corona Reiß und ihr Cousin Sascha Noch sich sehen. 23 Jahre haben sie keinen Kontakt gehabt, doch durch ein unverhofftes Erbe haben sie sich wieder gefunden. Der Haken daran: Wenn sie sich nun treffen, dann meist, um rechtliche Dinge zu besprechen. Denn: Sie wurden von einem Erbenermittler geprellt.

Aber ganz von vorne: Sascha Noch und Corona Reiß haben eine gemeinsame Verwandte, die verstorben ist und ein Erbe hinterlassen hat. Keiner von beiden wusste davon, denn: beide hatten keinen Kontakt. Erst durch Briefe eines Erbenermittlers, der nach den beiden und anderen Verwandten im Auftrag eines Nachlassverwalters gesucht hat, haben sie von dem Tod und dem Erbe erfahren.

"Man ist natürlich schon skeptisch und denkt sich, was ist das für eine Nummer? Nachher zahle ich da noch drauf! Dass das wie so eine Telefongeschichte ist, dass du da ein Abo abschließt. Das war mein erster Gedanke dazu.", erzählt Sascha Noch.

Erbenermittlern nicht blind vertrauen

Nachdem sich der Ermittler aber hartnäckig immer wieder gemeldet hat, haben die beiden schließlich eine Vollmacht unterschrieben. Damit, so hieß es vom Erbenermittler, könne er sich für alle Erben das Geld beim Nachlassgericht auszahlen lassen - immerhin mehrere tausend Euro - und diese dann weiterleiten. Natürlich abzüglich seines Honorars in Höhe von 25 Prozent.

Allerdings hat er bis auf wenige kleine Raten bis heute nicht gezahlt. Deswegen haben Corona Reiß und Sascha Noch Hilfe bei einem Anwalt gesucht. Der Anwalt hat zumindest einen Titel erwirkt, heißt: bald kommt der Gerichtsvollzieher.

Doch soweit sollte es - wenn man nach dem Verband Deutscher Erbenermittler geht - gar nicht erst kommen. Hier ist ein Großteil der circa 60 Erbenermittler-Büros in Deutschland unter einem Dach vereinigt. Fälle wie der von Corona Reiß und Sascha Noch sind auch hier nicht gern gesehen: "Es ist sehr bedauerlich, weil es Auswirkungen auf die ganze Branche hat. Und unabhängig von allen anderen seriös arbeitenden Erbenermittlern sind wir natürlich im Verband deutscher Erbenermittler aufgrund unseres Ehrenkodexes, dem wir uns verpflichtet haben, an klare Strukturen gehalten, die so etwas ausschließen sollen.", erklärt Sybille Wolf-Mohr vom Verband Deutscher Erbenermittler.

"Schwarze Schafe" erkennen

Außerdem prüfen sie jeden Erbenermittler, bevor er in den Verband eintreten darf. Es gibt nämlich keine offizielle Ausbildung - Erbenermittler darf jeder werden. Auch deshalb ist es, so Sybille Wolf-Mohr, wichtig, sich über Erbenermittler zu informieren und ihnen nicht einfach blind zu vertrauen: "Es gibt sicher Alarmsignale. Also ganz sicher, wenn man sich gepusht oder gedrängelt fühlen würde, würde ich ganz sicher vorsichtig sein. Vorkasse, wenn solche Dinge wie Vorkasse erwähnt werden, würde ich absolut sofort sagen: Nein, keine Chance. Es gibt Verbraucherschutzorganisationen, die man ansprechen kann. Natürlich steht auch der Verband hilfreich zur Seite, wenn jemand Rückfragen hat."

Nachfragen lohnt sich also! Das haben auch Sascha Noch und Corona Reiß gemerkt. Sie haben sich im Nachhinein in Internet-Foren schlau gemacht. Hätten sie das, was sie dort gelesen haben, vorher gewusst, hätten sie mit Sicherheit anders gehandelt.

Quelle: ntv.de