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Trotz sinkender Vergütung So rechnet sich die Solaranlage noch

Die Einspeisevergütung ist stark gesunken und schrumpft weiter. Da lohnt sich die Solaranlage doch gar nicht mehr, oder? Irrtum! Mit der richtigen Strategie können Hausbesitzer auch heute noch gute Renditen einfahren.

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Photovoltaikanlagen am richtigen Standort waren lange einträgliche Geldanlagen.

(Foto: imago/blickwinkel)

In manchen Dörfern in Süddeutschland gehören Photovoltaikanlagen zum Ortsbild wie Marienstatuen oder Mähdrescher. Doch in letzter Zeit sind Hausbesitzer zurückhaltender geworden, immer weniger setzen sich Solarmodule aufs Dach. Bundesweit wurden im letzten Jahr neue Anlagen mit 1,9 Gigawatt installiert, 2013 waren es noch 3,3 Gigawatt. Das Ende des Booms war abzusehen, denn zuletzt ist die Einspeisevergütung deutlich gesunken. Wer heute eine Anlage in Betrieb nimmt, bekommt pro eingespeister Kilowattstunde 12,43 Cent, das sind rund 7 Cent weniger als vor drei Jahren. Geschäfte lassen sich mit der Stromproduktion also nicht mehr machen. Trotzdem kann sich die Investition noch lohnen – und zwar dann, wenn man den Großteil des Stroms nicht einspeist, sondern selbst verbraucht.

Solarstromanlagen brachten früher zwar mehr Geld ein, allerdings musste man dafür auch deutlich mehr dafür ausgeben. Die Stiftung Warentest befragt regelmäßig Leser, was sie für ihre Anlagen gezahlt haben. Seit 2011 sind die Preise demnach um gut 40 Prozent abgerutscht. Zuletzt mussten Hausbesitzer etwa 1500 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung kalkulieren, zuzüglich Umsatzsteuer. Eine Kilowattstunde Strom zu produzieren kostet somit zwischen 11 und 14 Cent. Beim aktuellen Vergütungssatz lässt sich mit der Einspeisung schwerlich etwas verdienen. Interessant wird die Rechnung, wenn man die aktuellen Strompreise gegenüberstellt. Im Durchschnitt kostet Haushaltsstrom derzeit rund 24 Cent pro Kilowattstunde plus Umsatzsteuer. Wer eigenen statt fremden Strom verbraucht, spart also zwischen 10 und 13 Cent.

Batteriespeicher sind noch teuer

Das Problem: Strom genug wäre ja da – nur nicht dann, wenn man ihn braucht. Während die Anlage an sonnigen Sommertagen auf Hochtouren läuft, herrscht nachts Flaute und im Winter ist auch nicht viel los. Abhilfe kann ein Stromspeicher bringen, aber noch sind die Batterien sehr teuer. Zur Zeit müsse man für den Speicher oft mehr ausgeben als für die Anlage selbst, schreibt "Finanztest". Es gibt aber Hoffnung. Der technische Fortschritt und wachsende Nachfrage hätten die Speicherpreise im Lauf des letzten Jahres schon um ein Viertel sinken lassen, meldet der Bundesverband Solarwirtschaft. Und wenn die Nachfrage weiter steigt, dürften die Batterien in nächster Zeit noch erschwinglicher werden. Das Interesse der Hausbesitzer wächst jedenfalls spürbar: Allein in den ersten vier Monaten 2015 hat die KfW rund 1800 Speichersysteme gefördert, das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Hausbesitzer, die einen Solarspeicher mit einbauen oder nachrüsten wollen, können von der Kfw nicht nur einen zinsgünstigen Kredit bekommen, sondern auch einen Tilgungszuschuss bis zu 660 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung. Förderung für den nachträglichen Einbau gibt es nur für jüngere Anlagen, die ab 2013 in Betrieb gegangen sind.

Wer viel verbraucht, profitiert

Wer vorerst auf die Batterie verzichtet, wird vermutlich nur 20 bis 30 Prozent des produzierten Stroms selbst verbrauchen. Um die Rendite müsse man sich dennoch nicht sorgen, hat "Finanztest" ausgerechnet. Schon wenn der Strompreis im Jahr um ein Prozent steige, seien bei 30 Prozent Eigenanteil im Schnitt Renditen von vier Prozent drin. Je günstiger der Anschaffungspreis und je sonniger der Standort, desto mehr kann man herausholen.

All die Prognosen sind natürlich nur vage. Denn die Renditeermittlung ist eine Rechnung mit mehreren Unbekannten. Über einige Faktoren herrscht Klarheit, beispielsweise über den Preis der Anlage. Anhand ihrer Nennleistung und der Dachausrichtung lässt sich auch ungefähr absehen, wie viel Strom sie produzieren wird. Für Versicherung, Zählermiete und andere laufende Kosten sollte man pro Jahr etwa 1,5 bis 2 Prozent des Anlagenpreises kalkulieren.

Die Rendite hängt aber entscheidend davon ab, wie sich der Strompreis in Zukunft entwickeln wird. In den vergangenen 15 Jahren mussten die Haushalte immer tiefer in die Tasche greifen, 2015 gibt es für sie aber erstmals Entlastung. Und nach der Entwicklung an der Strombörse hätte der Preisrückgang noch deutlich stärker ausfallen müssen. Nur wenn die Kosten in den nächsten 20 Jahren wieder deutlich steigen, sind hohe Renditen für Solaranlagenbesitzer drin. Der zweite wichtige Faktor ist der Eigenverbrauch. Er kann im Vorfeld zwar geschätzt werden, Klarheit gibt es aber erst, wenn die Anlage in Betrieb gegangen ist.

Interessenten sollte auf jeden Fall klar sein, dass dem Ertrag auch einiges an Aufwand gegenüber steht: Angebote einholen und vergleichen, Fördermöglichkeiten abklopfen, Versicherungen abschließen und die Einnahmen mit dem Finanzamt abrechnen – wer Solarstrom produzieren will, muss sich mit reichlich Papierkram herumschlagen. Wer den nicht scheut, kann sich auch weiterhin über Rendite freuen.

Quelle: n-tv.de, ino

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